Seit Montag steht fest: In die ehemalige Listmann-Filiale am Mainzer Höfchen wird eine neue Buchhandlung einziehen, und zwar von Thalia. Auf mehreren Etagen und einer 1200 Quadratmeter großen Fläche soll es dann nicht nur Bücher, sondern auch Spiele, Spielwaren sowie Geschenk- und Dekoartikel geben (wir berichteten).
Eine gute Nachricht für die Mainzer Altstadt und den Einzelhandel? Schwierig könnte es vor allem für die inhabergeführten Buchhändler werden, etwa „Shakespeare und So...“ in der Gaustraße, nur wenige Hundert Meter entfernt vom Höfchen. „Gefreut haben wir uns natürlich nicht über diese Nachricht“, sagt Cliff Kilian, der das Geschäft seit 1998 gemeinsam mit seiner Frau führt.
„Jeder Konkurrent ist in dieser Zeit problematisch“
Zwar sei schwer einzuschätzen, welche Folgen die Neueröffnung für sein eigenes Geschäft haben werde, aber: „In diesen schwierigen Zeiten ist jeder Konkurrent problematisch.“ So befürchtet Kilian, dass Thalia vor allem die Laufkundschaft abziehen könnte: Touristen oder Besucher des Wochenmarkts etwa. Auch könnte sich Thalia um öffentliche Aufträge bewerben, also etwa um Kooperationen mit der Stadtbücherei oder für Schulbücher.
„Thalia geht als Kette strategisch vor, hier liegt das Interesse natürlich an einem möglichst hohen Marktanteil“, so Kilian. Daher geht er auch davon aus, dass nun ebenfalls für Hugendubel schwierigere Zeiten bevorstehen, da beide ein ähnliches Konzept verfolgen. Erst im November wurde die große Filiale am Brand umgestaltet und modernisiert. Im Obergeschoss wurde zudem eine „Kinderwelt“ sowie eine Tagesbar eingerichtet. Eine weitere, kleinere Filiale betreibt das Unternehmen in der Römerpassage.
Bereits gut aufgestellt mit Buchhandlungen in Mainz?
Verwundert zeigt sich daher auch Silke Müller, Inhaberin von „Erlesenes & Büchergilde“ in der Neubrunnenstraße. „Es ist merkwürdig, dass es nun diese Konkurrenz für Hugendubel geben wird“, so Müller gegenüber Merkurist. Sie hatte gehofft, dass die Stadt diese große Buchhandlung noch verhindere. „Wir sind in Mainz ja schon sehr gut aufgestellt mit Buchhandlungen, eine zusätzliche hätte es nicht gebraucht.“
Der Neueröffnung sehe sie daher mit „gemischten Gefühlen“ entgegen. Ihre eigenen Kunden hätten ihr bereits zurückgemeldet, dass sie der Büchergilde „jetzt erst recht“ treu bleiben würden. „Ich erwarte tatsächlich eine große Solidarität von der Stammkundschaft“, so Müller. Besonders geschätzt würden bei ihr der persönliche Kontakt sowie regelmäßige Veranstaltungen, wie Literaturkreise und der Buchclub sowie der direkte Austausch. Bald startet zudem wieder das Projekt „Mainz liest ein Buch“ mit 40 Veranstaltungen in einer Woche. Buchhandlungen aus ganz Mainz nehmen daran teil. Dennoch sei jeder neue Konkurrent auch für die inhabergeführten Läden „gefährlich“, sagt Müller.
Individuell auf Kunden eingehen
„Wir haben natürlich unsere großen Stärken gegenüber den großen Ketten“, sagt ebenso Cliff Kilian von „Shakespeare und So...“. Dazu gehöre auch für ihn die persönliche Beratung und dass die Inhaber immer selbst vor Ort seien. „Wir haben alles selbst gelesen und können viel individueller auf die Bedürfnisse unserer Kunden eingehen.“ Zusätzlich im Angebot habe er Füllfederhalter und Papeterie-Produkte. Auch zu seinen Kunden gehörten meist Menschen, die regelmäßig wiederkämen und „die kleinere Geschäfte schätzen“.
„Wir können die Auswirkungen noch nicht richtig einschätzen“, sagt Müller. Cliff Kilian, dessen Geschäft sich näher an der künftigen Thalia-Buchhandlung befindet, befürchtet sogar: „Wir müssen uns darauf einstellen, dass der Umsatz zurückgehen wird.“