Kein Aufzug: Mainzer Rollstuhlfahrer kommt nicht mehr aus seiner Wohnung

Der Mainzer Alfred Eger ist verzweifelt. Seit Mai ist der 72-Jährige halbseitig gelähmt und auf einen Rollstuhl angewiesen. Da er im Hochparterre wohnt und es keinen Aufzug oder Treppenlift gibt, kann er seine Wohnung kaum noch verlassen.

Kein Aufzug: Mainzer Rollstuhlfahrer kommt nicht mehr aus seiner Wohnung

„Ich habe die Schnauze gestrichen voll“, sagt Alfred Eger. Der 72-jährige Mainzer sitzt nach einem Schlaganfall vor vier Monaten im Rollstuhl. Außer seiner Gesundheit hat Eger noch ein weiteres Problem: Er kommt einfach nicht mehr aus seiner rund 40 Quadratmeter kleinen Wohnung raus. Denn die liegt im Hochparterre, einen Aufzug gibt es nicht.

Die Folge: In den letzten Monaten konnte der Rentner, der noch an weiteren Krankheiten leidet, nur unter großen Anstrengungen maximal einmal pro Woche seine Wohnung verlassen. Eine Verbesserung seiner Situation ist aktuell nicht in Sicht. Von den Behörden fühlt sich der 72-Jährige alleingelassen.

Nur noch „Warten auf den Tod“

„Das ist alles eine große Frechheit. Jeder Gefangene hat mehr Rechte als ich, sagt Eger im Gespräch mit Merkurist. Laut Sozialgesetzbuch stünde ihm die Teilnahme am öffentlichen Leben zu, sagt Eger. „Meine Teilnahme besteht aber nur noch darin, aus dem Fenster zu gucken.“ Er lebe alleine und habe keine Verwandten oder Bekannten, die ihm helfen könnten.

Nach seinem Schlaganfall sei seine linke Seite fast gelähmt, ein Leben ohne den Rollstuhl nicht mehr möglich. Der Weg zur Tafel oder die Kleiderkammer sei ihm, zumal er unter der Armutsgrenze lebe, im wahrsten Sinne versperrt. Selbst kochen könne er wegen seiner Lähmung kaum. Auf warme Mahlzeiten müsse er weitestgehend verzichten. Wie Eger sagt, gebe es so gut wie keine Hilfen für Leute in seiner Lage. „In Mainz erhält man nur die ‘0815’-Aussage: Wende dich ans Sozialamt.“

Als er sich dann tatsächlich an das Amt gewandt habe, hätten die Probleme erst so richtig begonnen. Dem Wunsch nach einer barrierefreien Wohnung, die laut Attest (liegt Merkurist vor) Egers behandelnden Arztes „dringend erforderlich und unabdingbar“ ist, sei bis heute nicht entsprochen worden, so Eger. Auch ein „Treppensteiger“, den sein Arzt ebenfalls anrät, wurde nicht genehmigt.

Dass sein Antrag bisher abgelehnt wurde, liegt laut Eger an einem Schreiben des Sanitätshauses, das ihm seinen Rollstuhl stellte. In diesem Schreiben, das dem Sozialamt vorliegt, stehe, dass es kein Problem darstelle, den Rollstuhl die Treppe rauf und runter zu tragen. Dies sei jedoch nicht korrekt, so Eger. Solche Aussagen habe er gegenüber dem Mitarbeiter des Sanitätshauses nie getätigt. Das Sozialamt zögere nun aber und frage, warum ihm eine gelegentlich zugewiesene Pflegekraft den Rollstuhl nicht tragen könne. Für den 72-Jährigen ist dies nicht zu begreifen.

Wie Eger sagt, sei er nicht mehr gehfähig, jeder Schritt könne bedeuten, dass er schwer stürze. Zudem sei die Mitarbeiterin der Physiotherapie bei einem seiner wenigen „Ausflüge“ aus seiner Wohnung beinahe „abgestürzt“, als sie den 40 Kilogramm schweren Rollstuhl die Treppe hinunter tragen wollte. „Das ist ein Ding der Unmöglichkeit, das Amt will einfach nicht zahlen“, schimpft Eger. Wieso zähle die „Falsch-Aussage“ eines Sanitätshaus-Mitarbeiters mehr als ein ärztliches Attest?, fragt der 72-Jährige. So vergingen nun die Monate, ohne das etwas passiere, „außer, dass ich abkratze“. Das sei kein Leben mehr, sondern nur „Warten auf den Tod“, schätzt Eger seine jeztige Situation ein.

Inzwischen scheint es jedoch einen kleinen Hoffnungsschimmer gegeben zu haben. Wie Eger sagt, sei nun kürzlich einmal ein Sachbearbeiter zu ihm nach Hause gekommen, um sich von der Situation vor Ort ein Bild zu machen. „Das ist schon ein Wunder“, meint Eger. Wie es nun weitergeht, ist bisher jedoch offen.

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