18 Stockwerke zu Fuß laufen, um in die eigene Wohnung zu gelangen: Bereits zweimal ist Leser Hans-Georg keine andere Möglichkeit geblieben. Denn beide Aufzüge in der Elsa-Brändström-Straße 59 in Gonsenheim funktionierten zeitweise nicht. Laut Bewohnern kommt es seit dem 14. April bei der Aufzugsanlage immer wieder zu Einschränkungen. Nach einem Brand wurde einer der beiden Fahrstühle außer Betrieb genommen. Beim verbliebenen Aufzug kommt es seither immer wieder zu Störungen. Vermutlich aufgrund von Überlastung, wie die zuständige Hausverwaltung ImmoPartment Immobilien mitteilt.
Dieser Zustand ist für viele Bewohner mittlerweile nicht mehr akzeptabel. Michaela aus dem fünften Stock berichtet von einem Tag vor zwei Wochen: „Dreimal ist der Aufzug stecken geblieben. Zweimal waren Personen darin eingesperrt.“ Und dies sei nicht zum ersten Mal vorgekommen. „Wir Bewohner steigen mittlerweile schon mit Angst in den Fahrstuhl ein. Einige trauen sich kaum noch, ihn zu nutzen und bleiben lieber in ihrer Wohnung“, so Feller.
Bis zu sechs Stunden warten
Fällt der Aufzug aus, dauert es meist deutlich mehr als eine Stunde, bis die verantwortliche Firma vor Ort ist und der Aufzug wieder fährt. Hans-Georg berichtet sogar von bis zu sechs Stunden. Er stehe so lange vor der Wahl: Bis zu 18 Stockwerke laufen – oder warten. So sei es schon das ein oder andere Mal zum ungeplanten Nachbarschaftstreffen gekommen.
Sorgen bereitet den Bewohnern auch die Frage, was in einem medizinischen Notfall passiert. „Hier wohnen viele ältere und kranke Menschen“, berichtet Michaela. Sanitäter und Feuerwehrleute würden gegebenenfalls nicht nur länger in die Wohnung brauchen, sondern müssten eventuell auch die Person hinuntertragen.
Feuerwehraufzug angeblich ebenfalls defekt
Für Notfälle gibt es einen gesonderten Feuerwehraufzug, der laut Hausverwaltung von geschultem Personal, darunter Feuerwehrleute, genutzt werden kann. Michaela berichtet jedoch, dass dieser beim letzten Einsatz von Sanitätern nicht funktionierte.
Die Mainzer Feuerwehr sagt auf Anfrage, dass dieser Feuerwehraufzug für den Angriffsweg durchaus relevant ist. Da der Betrieb jedoch in der Verantwortung der Hausverwaltung liege, haben sie keine Kenntnis darüber, ob dieser zuverlässig funktioniere. Nachgefragt bei der Hausverwaltung heißt es: „Wir als Verwaltung machen zu einzelnen Vorgängen innerhalb der Liegenschaft grundsätzlich keine detaillierten Angaben.“
Die Aufzug-Probleme in der „Elsa“, wie das Hochhaus auch genannt wird, sind schon lange bekannt. Michaela wohnt seit zwölf Jahren in dem Gebäude. „Dass ein Fahrstuhl immer mal wieder ausfällt, passiert, seitdem ich hier wohne“, sagt sie. Bereits 2021 seien zeitweise beide Aufzüge ausgefallen. Damals berichtete die Allgemeine Zeitung. Die Hausverwaltung würde die Bewohner derweil bei Nachfragen lediglich vertrösten. „Sie erklären dann, wieso es zu den Störungen kommt, aber das hilft mir auch nicht weiter“, so die 60-jährige Bewohnerin.
Wann ist mit einer Lösung zu rechnen?
Wann der durch das Feuer defekte Fahrstuhl wieder funktionstüchtig sein wird, dazu macht die Hausverwaltung auf Merkurist-Anfrage keine Angaben. In den vergangenen Wochen sei der Schaden zunächst von einem Sachverständigen einer Versicherung begutachtet worden. Inzwischen gebe es Angebote von Fachfirmen für die Beauftragung zur Reparatur. „Diese versicherungsrechtlichen Abläufe sind leider erforderlich. Die Instandsetzung wird direkt nach entsprechender schriftlicher Bestätigung veranlasst“, heißt es. Und weiter: „Uns ist bewusst, dass die aktuelle Situation für die Bewohner mit Einschränkungen verbunden ist. Wir arbeiten mit Nachdruck daran, schnellstmöglich eine nachhaltige Lösung umzusetzen.“
Bis dahin ist nicht ausgeschlossen, dass Bewohner weiterhin bis zu 18 Stockwerke zu Fuß zurücklegen müssen.