So geht es mit der Großen Bleiche weiter

Nachdem das Projekt Citybahn gescheitert ist, wird es nun keine Tram-Strecke in der Große Bleiche geben. Doch was plant die Stadt Mainz jetzt? Viele halten eine Aufwertung der Straße für dringend nötig.

So geht es mit der Großen Bleiche weiter

Supermärkte, Banken, kleinere Läden und ein riesiger Leerstand: Die Große Bleiche gilt vielen Mainzern nicht gerade als attraktiv. Leser Frederik sieht in der Straße nur noch den „Hinterhof von Mainz“. Er fragt nun, wie es dort weitergehen soll, nachdem sich das Projekt Citybahn erledigt hat. Denn laut Frederik verkommt die Große Bleiche immer mehr.

„Stadtquartier, das kaum etwas zu bieten hat“

Ähnlich bewertet der Vorsitzende der „Interessengemeinschaft Mainzer City-Carré“, Dieter Grünewald, der sich seit einiger Zeit um die Aufwertung des Neubrunnenplatzes bemüht, die aktuelle Situation vor Ort. „Ich bin davon überzeugt, dass schnellstens etwas geschehen muss, um zu verhindern, dass unser Quartier, aber auch Teile der Innenstadt veröden und ausbluten.“ Für diese dramatische Fehlentwicklung müsse es endlich ein deutliches Gegengewicht geben. Ohne die Beseitigung der häufig und seit längerer Zeit vorgebrachten und reklamierten Mängel, lasse sich weder eine angemessene Weiterentwicklung noch eine qualitative Aufwertung des Innenstadtquartiers realisieren.

Dem Quartier fehle nämlich der Aufenthalts- und Besuchsanreiz, so Grünewald. „Warum sollte man ein Stadtquartier besuchen oder sich in ihm aufhalten, das kaum etwas zu bieten hat?“ Seiner Ansicht nach sollten alle Beteiligten zusammen an einer Lösung arbeiten, um zu verhindern, dass es in den städtischen Quartieren und den Betrieben abwärts geht. Das Problem habe er bereits Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) und Wirtschaftsdezernentin Manuela Matz (CDU) in einem Brief mitgeteilt, so Grünewald.

Fördergelder stehen noch nicht bereit

Doch wie will die Stadt Mainz nun also bei der Aufwertung der Großen Bleiche vorgehen? Auf Merkurist-Anfrage teilt Stadtsprecher Ralf Peterhanwahr zunächst mit, dass das Bürgervotum in Wiesbaden gegen den Bau der Citybahn natürlich auch für die Stadt Mainz Folgen gehabt habe. „Wie in Wiesbaden so wäre auch in Mainz der Bau der Straßenbahnlinie mit einer markanten Neugestaltung des Verkehrsraumes entlang der Strecke verbunden gewesen, der zu einer deutlichen Aufwertung des Straßenbildes geführt hätte – und in massiver Form mit hohen Förderungsmitteln durch Bund und Land unterstützt worden wäre.“

Dessen ungeachtet setze die Stadt Mainz nun aber ihren Weg zum umweltgerechten Umbau der Stadt weiter fort. Grundlage dafür bleibe das „Integrierte Entwicklungskonzept“, mit dem auch die Bahnhofstraße, die Große Langgasse sowie aktuell der Münsterplatz und die Schillerstraße umgebaut werden. „Darin ist ebenfalls perspektivisch eine Umgestaltung der Großen Bleiche vorgesehen. Die entsprechenden Fördergelder stehen derzeit jedoch noch nicht zur Verfügung“, so Peterhanwahr.

Ob das Projekt, ein Ärztehaus (Ex-Burger King) in der Großen Bleiche zu errichten, inzwischen gescheitert ist, dazu könne die Stadt nichts sagen. „Das kann die Stadt Mainz weder bestätigen noch dementieren. Die Gebäude befinden sich in Privatbesitz, aktuelle Pläne sind der Stadt Mainz nicht bekannt.“

Ungeachtet dessen will die Stadt den Ausbau des Straßenbahnnetzes vorantreiben. „Die Querverbindung durch die Binger Straße wird bereits erarbeitet, auch zu einem Innenstadtring sowie zur Anbindung des gerade entstehenden Heiligkreuz-Viertels gibt es erste Überlegungen“, so Peterhanwahr. Auch wenn das Wiesbadener Votum zur Citybahn in Mainz sehr kurzzeitig einen „bremsenden Charakter“ gehabt habe, schreite Mainz nun bei seinem umweltfreundlichen Stadtumbau weiter voran.

Sonderfall Eckhaus Münsterplatz

Einen Stillstand bei der Stadtentwicklung hat es indes aber bei der Neugestaltung des Eckhauses am Münsterplatz im Übergang zur Großen Bleiche gegeben. „Bei dem geplanten Umbau an dieser Stelle ist vor rund sechs Wochen der potenzielle Wiesbadener Investor von seinem Vorhaben zurückgetreten. Das Baudezernat sondiere nun den Markt und sucht das Gespräch mit möglichen alternativen Investoren für eine Neuplanung an dieser Stelle, erklärt Peterhanwahr. Die Stadtverwaltung sei daher sehr zuversichtlich, bald einen neuen Partner für dieses enorm wichtige Projekt zu finden.

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