Mieter in Finthen verzweifelt: Seit Wochen ohne Strom

Zweimal kurz hintereinander hat es in einem Hochhaus am Sertoriusring gebrannt. Nun leben einige Bewohner seit Wochen ohne Strom in ihren Wohnungen. Wie es nun weitergehen soll, kann ihnen niemand sagen.

Mieter in Finthen verzweifelt: Seit Wochen ohne Strom

Am 8. September brennt es im Haus Nummer drei am Finther Sertoriusring, einer Siedlung mit mehreren in den 1970er Jahren gebauten Hochhäusern. Das Feuer bricht im Erdgeschoss aus, doch die Ursache lag wohl im achten Stock. Laut der Versicherungsmaklerin der Wohnungsgesellschaft war hier Leitungswasser ausgetreten, bis ins Erdgeschoss gelaufen und hat dort einen Sicherungskasten in Brand gesteckt. Der Rauch zog durch den Lüftungsschacht in andere Wohnungen, die daraufhin verraucht waren. Die Menschen wurden noch in der Nacht evakuiert. Daraufhin waren die Bewohner eine Woche lang ohne Strom.

Danach wurde in jeder Etage eine Notstromversorgung installiert, „was nicht in Kürze erfolgen konnte“, erklärt Alexandra Offermanns, die Geschäftsführerin der zuständigen FNW Haus- und Grundstücksverwaltung, gegenüber Merkurist. Innerhalb der folgenden Woche seien alle Wohnungen wieder mit Strom versorgt gewesen. Doch nur für kurze Zeit, denn einige Tage später flog im fünften Obergeschoss die Sicherung raus, in der Nacht ging der Sicherungskasten in Flammen auf. „Es zeigt sich, dass die Schächte und Anlagen in keinster Weise die Brandschutzauflagen erfüllen“, schreibt die Versicherungsmaklerin an einen der Bewohner nach dem Urteil eines Brandgutachters. Totalschaden der Anlage, „der Schacht muss vollkommen freigeräumt und die Anlage neu aufgebaut werden“, so die Maklerin. „Das führt dazu, dass alle Bewohner ausziehen müssen.“

Bewohner sollen Mieten erstattet bekommen

Die Nacht verbrachte Bewohner Jörg Murawski mit anderen Nachbarn im Feuerwehrauto, danach zog er zu seiner Mutter. Es war seine Wohnung, in der der zweite Brand ausgebrochen war. „Doch was ist mit den Menschen, die keine Möglichkeit haben unterzukommen?“ fragt er. Er weiß von einigen Nachbarn, die noch Wochen später weiterhin in der Wohnung ausharren, ohne Strom. Auch sei ihm keine Ersatzunterkunft angeboten worden. Wann die Wohnungen überhaupt wieder bewohnbar sein werden, ist unklar. Dass die Bewohner ihre Mieten beim Auszug erstattet bekommen, sei auch den wenigsten bewusst, sagt Murawski.

Dem widerspricht die FNW Haus- und Grundstücksverwaltung. Die Versicherungsmaklerin habe die Bewohner nach dem zweiten Brand darüber informiert, dass sie ausziehen müssen, erklärt die Geschäftsführerin. Insgesamt seien acht Wohnungen betroffen. Denn eine weitere Notstromversorgung sei nach dem zweiten Brand nicht mehr möglich gewesen. Die Kosten der Unterbringung könnten sie entweder bei der Hausratversicherung geltend machen oder die Miete werde komplett erstattet. Zweimal seien E-Mails versendet und Briefe an die verschickt worden, von denen keine E-Mail-Adresse vorlag. Auch seien die Eigentümer der Wohnungen über die Erstattung informiert worden, doch nur von zwei hätten der FNW bisher ihre Mietverträge überlassen. Ein Teil der Bewohner sei inzwischen ausgezogen. „Ein weiterer Teil wollte dies nicht“, so Offermanns. Wo die Menschen auf die Schnelle eine Ersatzunterkunft finden sollten, beantwortet die FNW-Geschäftsführerin nicht.

Ortsvorsteher informiert sich bei Hausmeister über die Situation

Auch der Ortsvorsteher von Finthen, Manfred Mahle, wohnt mit seiner Frau in dem Gebäude. Ihre Wohnung sei zwar nicht von dem Stromausfall betroffen, doch habe er Kontakt zu seinen Nachbarn. Teilweise seien die Betroffenen bei Verwandten, Bekannten oder in Hotels untergekommen. „Soweit ich bemerkt habe, sind noch drei Mieter in ihren Wohnungen“, berichtet er am Freitag (7. Oktober). Eine der Betroffenen sei nur zeitweise vor Ort und würde von ihrer Nachbarin versorgt. Bewerten will er die Brandursache und dessen Folgen nicht. „Dazu sollte das Ergebnis der Untersuchung des Brandgutachters abgewartet werden“, so Mahle. Auch er warte noch auf den Rückruf aus der Hausverwaltung. Der Hausmeister informiere ihn über die aktuelle Situation. Wann die Wohnungen wieder bewohnbar sein werden, könne er aber auch nicht sagen.

„Ich bin zutiefst betroffen darüber, dass die Mieter offenbar in dieser schwierigen Situation im Stich gelassen werden“ - Manfred Mahle

Zum damaligen Zeitpunkt, erklärt FNW-Geschäftsführerin Offermanns noch, sei die Bauweise „brandschutzrechtlich wohl in Ordnung“ gewesen. „Sonst wäre die Baugenehmigung nicht erteilt worden.“ Während einer Eigentümerversammlung Ende September habe sie darauf hingewiesen, was die Brandursache war, warum die Bewohner ausziehen müssen und welche Baumaßnahmen an den Schächten nun notwendig seien. „Auch haben wir darauf hingewiesen, dass keine Küchenabluftgeräte an die Schächte angeschlossen werden dürfen, da hierdurch Fett- und Schmutzpartikel eingebracht werden, die die Gefahr eines Fettbrandes im Abluftschacht erhöhen.“ Einige seien nach dem Bericht zu ihr gekommen und hätten Unterstützung angeboten, berichtet sie.

Für die Sanierungsarbeiten im Schacht würden nun Sammelaufträge angefragt, dazu sei aber die Zustimmung der jeweiligen Wohnungseigentümer notwendig, da sie die Kosten übernehmen müssten. „Wir setzen alles daran, dass die Bewohner schnellstmöglich wieder in ihre Wohnungen zurückkehren können“, versicherte Offermanns. „Der Fall hat bei uns höchste Priorität.“

Doch wie Jörg Murawski nimmt auch Manfred Mahle genau dies nicht wahr. „Als Ortsvorsteher bedaure ich die Situation der BewohnerInnen und ich bin zutiefst betroffen darüber, dass die Mieter offenbar in dieser schwierigen Situation im Stich gelassen werden“, sagt er gegenüber Merkurist. „Wohnungen sind seit 30 Tagen ohne Strom. Die Mieter brauchen eine Zusicherung, dass die Mietkosten während der Unbewohnbarkeit der Wohnungen reduziert werden. Sie wollen auch darüber informiert werden, wann sie wieder in die Wohnungen zurück können!“ Und sie wüssten nicht, wer die Kosten für Hotelkosten oder Essen tragen wird.

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