Kommt in diesem Sommer noch die Wespen-Plage?

In den letzten Jahren waren Wespen unsere ständigen Begleiter durch den Sommer. Dieses Jahr scheint man sie kaum zu sehen. Woran liegt das? Wir haben nachgefragt.

Kommt in diesem Sommer noch die Wespen-Plage?

Normalerweise sind sie die ungebetenen Gäste auf jeder Grillparty: Wespen. Sie kennen keinen Abstand, schwirren um Essen und Getränke herum und machen auch nicht vor verschmierten Kindermündern halt. In diesem Jahr laufen solche Partys, der Besuch im Biergarten oder das Abendessen im Freien ungewohnt ungestört ab. Es kommt einem so vor, als seien weniger Wespen unterwegs. Ist das so?

Nabu und Schädlingsbekämpfer erreichen weniger Anrufe

„In den letzten Jahren hatten wir um diese Zeit jeden Tag vier bis fünf Anrufe wegen Wespennestern“, sagt Christian Henkes von der Regionalstelle Rheinhessen-Nahe des Naturschutzbundes (Nabu). „In den letzten zwei Wochen hatten wir zwei.“ Es gebe beim Nabu zwar keine Wespennest-Zählungen, das Team werde aber von vielen Menschen in Mainz und Umgebung angerufen, wenn sie ein Nest bei sich entdecken. „Und da registrieren wir tatsächlich deutlich weniger Anrufe als in den letzten Jahren“, so Henkes.

Auch bei Bories Hascke klingelt das Telefon in diesem Jahr deutlich seltener. Er ist Inhaber des Schädlingsbekämpfungsunternehmens Bioexterm und setzt sich täglich mit Wespen im Rhein-Main-Gebiet auseinander. Der Grund für die wenigen Anrufe: In den letzten Jahren war der Frühling mild und der Sommer lang und heiß. „Wenn der Sommer so früh beginnt und so spät endet, dann werden die Nester sehr groß und man hat im Frühsommer schon eine beachtliche Volkgröße“, sagt Haschke. Die Völker hätten sich durch das Wetter in den letzten Jahren explosionsartig vermehrt.

Das Wetter hat Schuld

Weil der Frühling und auch der Anfang des Sommers in diesem Jahr anders als in den letzten Jahren eher kühl und verregnet waren, kam es nicht soweit. Zudem setzen einige Wespen ihre Nester auch in den Boden. Viel Regen oder Überflutungen überleben die Tiere nicht.

„Es ist nicht so, dass deswegen andere Insektenarten, die eigentlich von den Wespen gefressen worden wären, massiv mehr werden.“ Christian Henkes, Nabu

Bories Haschke bewertet das geringere Aufkommen als positiv. „Nach den letzten heißen Jahren ist es in diesem Jahr wieder auf einen Normalzustand zurückgegangen“, sagt er. Auch für das Ökosystem stellt es kein Problem dar, wenn in diesem Jahr weniger Wespen durch Mainz und Wiesbaden fliegen, sagt Christian Henkes vom Nabu. „Es ist nicht so, dass deswegen andere Insektenarten, die eigentlich von den Wespen gefressen worden wären, massiv mehr werden“, erklärt er. „Beute und Räuber gleichen sich über die Zeit immer wieder aus.“

Logo