Messer-Angriff vor Mainzer Club: „Der wollte uns unbedingt abstechen“

Ein Türsteher und sein früherer Kollege wurden am Sonntag vor einem Mainzer Club von einem Messer-Angreifer attackiert. Mit Barhocker und Ascheimer konnten sie den Angreifer überwältigen. Merkurist hat mit einem der mutigen Männer gesprochen.

Messer-Angriff vor Mainzer Club: „Der wollte uns unbedingt abstechen“

Als ehemaliger Türsteher hat der Mainzer Akar* (46) schon manche Erfahrung mit ungebetenen Gästen gemacht. Doch was er in der Nacht von Samstag auf Sonntag (5. Juni) erlebte, stellt alles in den Schatten. Gegen 5:15 Uhr fuhr er vor einen Club in der Emmerich-Josef-Straße, um seine ehemaligen Kollegen zu besuchen. „Ich habe das Auto an der Straße abgestellt, wollte kurz ‘Hallo’ sagen. Mit meinen früheren Kollegen bin ich noch gut befreundet“, erzählt uns Akar, als wir ihn am Donnerstag an selber Stelle vor dem Club treffen.

Am Sonntagmorgen trug Akar Jogginghose und Badeschlappen. Als er am Club ankam, war nur noch einer seiner Ex-Kollegen draußen, ein 32-jähriger Türsteher. Die beiden unterhielten sich – und sahen aus dem Augenwinkel plötzlich zwei Männer auf sie zukommen. Akar erzählt: „Einer von ihnen hat sich wie ‘Big Boss’ verhalten und kam immer näher. Er hat auf Arabisch auf uns eingeredet.“ Akar und sein früherer Kollege hätten nur gesagt, dass sie kein Arabisch verstünden. „Dann hat er auf Hochdeutsch weitergeredet, hat gesagt: ‘Ihr müsst Arabisch können’. Er war da schon recht aggressiv. Ich habe nur leicht gelacht und gesagt: ‘Du sprichst doch perfekt Deutsch, hast du ‘nen Vogel?’“

Der 32-jährige Türsteher habe die beiden gebeten zu gehen, weil der Club sowieso gleich schließen werde. Tatsächlich seien sie dann auch um die Ecke Richtung Schillerplatz gegangen. Doch damit war die Situation längst nicht vorbei.

20-Jähriger kommt mit Messer zurück

Denn keine Minute später nahmen Akar und der Türsteher Stimmen wahr, die immer lauter wurden. „Chill mal, chill mal! Was machst du?“, hörten sie. Plötzlich tauchte der „Big Boss“ von eben wieder auf – diesmal mit Messer in der Hand. Akar erzählt: „Er war jetzt richtig aggressiv, hat geschrien: ‘Ich steche euch ab.’“ Akar habe noch versucht zu deeskalieren. „Bevor du etwas machst, da oben am Eingang sind Kameras.“ Doch der Angreifer (laut Polizei 20 Jahre alt) war nicht mehr zu beruhigen. Laut Akar ging er nun auf den Türsteher los, holte aus und stach mit dem Messer in seine Richtung. „Mein Freund konnte sich mit einem Sprung nach hinten retten. Dann hat er einen großen Ascheimer gegriffen und ihn als Schutz vor sich gehalten.“

Wieder habe der Angreifer auf den 32-jährigen Türsteher einstechen wollen, der habe das Messer aber mit dem Ascheimer abgewehrt. Dabei wurde er dennoch am Finger getroffen. Währenddessen habe sich Akar einen Barhocker von drinnen geholt. Damit schlug er auf den Angreifer ein. „Ich wollte ihn am Kopf treffen, habe aber seine Brust erwischt.“ Der Angreifer sei nun ins Straucheln geraten und nach hinten auf den Bürgersteig gefallen. Akar und der Türsteher stürzten sich auf ihn.

„Mein Freund hat ihn an den Beinen gehalten. Ich habe seinen Arm gepackt und wollte ihm das Messer abnehmen. Der hatte aber eine wahnsinnige Kraft und es nicht losgelassen.“ Akar wurde dabei mit dem Messer am großen Zeh erwischt. „Es war unglaublich scharf.“ Sich selbst verletzte der Angreifer bei dem Gerangel noch schwerer: Wie Akar sagt, schnitt er sich einen Teil seines Fingers ab und ließ das Messer nun fallen. Zeugen, die mittlerweile dazugekommen waren, schnappten sich die Waffe.

Und was machten Akar und der Türsteher? Statt die Situation für einen Gegenangriff auszunutzen, zeigten sie menschliche Größe. „Wir haben abwechselnd seine Hand abgedrückt, dass er nicht verblutet.“ Dann seien auch schon etliche Einsatzkräfte gekommen.

„Der wollte uns unbedingt abstechen“

Was hinter dem Angriff steckt, kann Akar nicht sagen. Offenbar waren der Angreifer und sein Begleiter einige Stunden vorher in dem Club. Ärger habe es dabei nicht gegeben. Akar sagt: „Fest steht: Er war total aggressiv, wollte uns unbedingt abstechen.“ Sein früherer Kollege sei von dem Vorfall traumatisiert. „Auch ich bin immer noch schockiert.“ In seiner Zeit als Türsteher in dem Club habe er so etwas nie erlebt. „Es ist ein Studentenclub, hat ein sehr gutes Publikum.“

Akar betont, dass der Begleiter des Angreifers sich friedlich verhalten und bei der Polizei korrekt ausgesagt habe. Die Polizei veröffentlichte am Mittwoch eine erste Pressemitteilung zu dem Vorfall und leitete ein Ermittlungsverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung ein. Zeugen sollen sich beim Mainzer Altstadtrevier melden (06131-65 4110).

*Name geändert

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