Wie ein Mainzer Wirt in den 90ern zum Techno-Video-Star wurde

Seit vielen Jahren ist Pierre Stadelmann als Gastronom in Mainz tätig. 1999 wagte er einen erfolgreichen Ausflug ins Musik-Business. Wie es dazu kam.

Wie ein Mainzer Wirt in den 90ern zum Techno-Video-Star wurde

Eigentlich liebt Pierre Stadelmann Jazz-Musik. Doch seit rund 20 Jahren ist der 66-jährige Mainzer Gastronom, der zusammen mit seiner Tochter Murielle das Weinhaus Bluhm führt, auch Fan elektronischer Musik. Dass sich Pierre für Techno, House und Trance interessiert, hat aber einen bestimmten Grund. Ende der 90er-Jahre spielte der Wirt in dem Musikvideo „Bizarre / Child of the Universe“ von DJ Taucher mit, zu dem er auch sämtliche Vocals beisteuerte.

Mit DJ Taucher befreundet

Mit dem DJ, der aus Mainz-Bischofsheim stammt, verbindet Pierre eine lange Freundschaft. Ralph - so Tauchers echter Vorname - kenne er schon, seit dieser bei ihm im Nachtclub „Caveau“ gearbeitet hat. „Da war Taucher so 16 oder 17 Jahre alt, seitdem sind wir befreundet.“ Zur musikalischen Zusammenarbeit sei es dann aber erst wesentlich später gekommen, so Pierre. „Als Ralph schon ein bekannter DJ war, sind wir eines Tages gemeinsam was trinken gegangen, und aus einer Weinlaune heraus entstand die Idee, dass ich in einem Musikvideo von ihm mitspielen soll.“

Kurz danach fuhren dann beide nach Frankfurt ins Tonstudio. Einen Text zu dem geplanten Track habe es aber noch nicht gegeben, so Pierre. „Ich habe dann im Nebenzimmer eine Riesentüte geraucht und zwei Liter Kaffee getrunken. Dann kamen die Ideen wie von selbst.“ Innerhalb einer Stunde sei dann der komplette Text fertig gewesen und Taucher zufrieden, sagt Pierre. Auch DJ Taucher war von der Stimmung im Studio begeistert. „Pierre hat frei von der Leber mit seinem französischen Gebabbel losgelegt, was dann gut zum Track gepasst hat“, sagt der DJ gegenüber Merkurist.

Das Video, in dem Pierre eine Art Hohepriester spielt, wurde schließlich 1999 in Marokko gedreht. Nach Tauchers Vorstellungen hätte es aber eigentlich in Mainz spielen sollen. „Ich wollte eigentlich ein Mädel in Lack-Klamotten an der Hundeleine in Mainz in der Innenstadt entlangführen.“ Er selbst, so Taucher, hätte sich dann auch in hohen Schuhen aus Lack und Leder präsentiert, „einfach um einen richtigen Knaller zu landen“. Lack und Leder hätte er deswegen gerne gehabt, um einen Zusammenhang zu dem Wort „bizarre“ herzustellen.

Positive Reaktionen auf Video

Letztlich konnten die Ideen des DJs aber nicht verwirklicht werden. Unter anderem seien finanzielle Aspekte ausschlaggebend gewesen, weshalb das Video in Marrakesch produziert wurde. „Für den Dreh ist dann ein ungeheurer Aufwand betrieben worden und es war sehr zeitintensiv“, so Taucher. Wie Pierre sagt, sei vor Ort ein Teil eines Marktplatzes fünf Tage lang abgesperrt worden. „Die Händler waren von dem Dreh nicht begeistert.“

Vor ziemlich genau 19 Jahren, am 31. Mai 1999, stieg „Bizarre“ in die deutschen Top 100 Verkaufscharts ein. Es ist die kommerziell erfolgreichste Single Tauchers - und Pierre hat Anteil daran. Fast eine Minute lang dauert sein Auftritt in dem Video. Ihm habe es viel Spaß gemacht und die Reaktionen auf das Video seien sehr positiv gewesen, sagt Pierre. Noch heute werde er darauf angesprochen.

Während Pierre heute das Weinhaus Bluhm führt, legt Taucher auf vielen nationalen und internationalen Events auf und wohnt nach wie vor in der Nähe von Mainz. Bis heute treffen sich beide auch noch mehrere Male im Jahr, kochen gelegentlich gemeinsam und denken an den gemeinsamen Videodreh zurück.

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