Verdreckte Haltestellen: Was Mainz gegen weggeworfene Zigaretten unternimmt

Weggeworfene Zigaretten sind nicht nur umweltschädlich, sondern ein großes Ärgernis für die Mainzer. Gerade an Haltestellen ist es für die Stadt wohl nicht immer so einfach, den Boden sauberzuhalten.

Verdreckte Haltestellen: Was Mainz gegen weggeworfene Zigaretten unternimmt

Kippen auf den Boden zu werfen, ist eigentlich eine dumme Idee. Denn weggeworfene Zigarettenstummel sind nicht nur schlecht für das Stadtbild, sondern auch hochgiftig. So kann eine einzige weggeworfene Kippe 40 Liter Grundwasser verseuchen, wenn die giftigen Inhaltsstoffe des Filters zum Beispiel durch Regen dort hineingelangen (wir berichteten).

Gleichzeitig sind sie vielen Mainzern ein großes Ärgernis. Vor allem an Bushaltestellen gibt es viele Menschen, die ihre Zigaretten einfach auf den Boden fallen lassen. Einmal wöchentlich werden die Haltestellen laut der Mainzer Mobilität (MM) gereinigt, die Mitarbeiter des Entsorgungsbetriebs kehren die Bushaltestellen im Innenstadtbereich sogar mehrmals die Woche. Ein großes Problem ist laut der Stadt Mainz und der Mainzer Mobilität jedoch, dass Zigaretten sehr oft auf die Straße oder ins Gleisbett der Straßenbahnstrecke geworfen werden. Die Folge: Aus den Engstellen der Bordsteinkanten sind die Kippenreste nur schwer wieder zu entfernen.

„So verdreckt wie in der Gaustraße ist es an keiner anderen Haltestelle in Mainz“, berichtet etwa Reinhilde Meurer. Seit mehr als 30 Jahren wohnt sie in der Oberstadt, fährt fast täglich mit der Straßenbahn – und jeden Tag schüttelt sie den Kopf über den Dreck vor ihren Füßen. „Der liegt da schon seit Jahren“, so Meurer. Zu den Kippen seien in den vergangenen Jahren noch die Masken gekommen. Sie kann nicht verstehen, dass anscheinend so wenig dagegen unternommen werde. Beschwert hat sie sich bereits bei der Stadt und bei der MM – doch ohne jegliche Konsequenzen, wie sie sagt.

Fahrzeuge reinigen nur Niedriggleise

Auf Anfrage teilen die Stadt Mainz und die Mainzer Mobilität mit, dass es etliche Maßnahmen gebe, um der Vermüllung vorzubeugen. So wurden etwa stark frequentierte Bus- und Straßenbahnhaltestellen mit Abfallbehältnissen inklusive „Aschenbecher“ ausgestattet. Eine Weile wurden darüber hinaus Plakate angebracht, die auf die sachgerechte Abfallentsorgung hinwiesen.

Die Schienen der Straßenbahnen werden in der Regel mit einem speziellen Reinigungsfahrzeug gesäubert, das jeden Freitag im Einsatz ist. Dieses kann jedoch nur die Niedriggleise abfahren. In Bereichen, in denen Hochgleise verlaufen, also zwischen den Haltestellen „An der Philippschanze“ und „Kurmainz Kaserne“, könne nur „mit Handarbeit dem Abfall nachgekommen werden“, so ein Pressesprecher der MM. Komplett gereinigt werde der gesamte Hochgleisstreckenabschnitt zweimal im Jahr. Wenn akut Bedarf bestehe oder bei Meldungen durch Kunden werde auch einmal außerplanmäßig gereinigt.

„Vermutlich würde nur ein Bußgeld analog zum Bahnhof in Wiesbaden und vielen Bahnhöfen in anderen Städten helfen“ – Stadt Mainz und Mainzer Mobilität

Gegen die Verschmutzung helfen würde wahrscheinlich nur ein Bußgeld, analog zum Bahnhof in Wiesbaden und vielen Bahnhöfen in anderen Städten“, sind sich Stadt und MM einig. Dazu müssten aber Kontrollpersonal eingestellt oder alle Haltestellen per Video überwacht werden. „Hier stellt sich die Frage der Verhältnismäßigkeit.“ Wenn Mitarbeiter des Ordnungsamts jedoch jemanden „in flagranti" erwischen würden, wäre tatsächlich ein Bußgeld fällig: nach Gefahrenabwehrverordnung in Höhe von 20 Euro.

Reinhilde Meurer will den Dreck an „ihrer“ Haltestelle nicht mehr länger sehen. Sie überlegt sogar, mit ihren 72 Jahren selbst sauberzumachen. „Aber das kann ja eigentlich nicht die Lösung sein“, sagt sie.

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