„Susanna hatte schon lange Angst vor Ali“

Im Prozess um den Mord an der 14-jährigen Susanna sagten am Dienstag vier ihrer Freundinnen aus. Sie beschrieben ein schüchternes und nettes Mädchen, das vor dem Angeklagten Ali B. große Angst gehabt habe.

„Susanna hatte schon lange Angst vor Ali“

„In der Stadt abhängen und chillen“, so bezeichnen die vier Mädchen, die am Dienstag vor dem Landgericht Wiesbaden als Zeuginnen geladen waren, ihre Freizeitbeschäftigung in Wiesbaden. Die vier, alle im Alter zwischen 13 und 15 Jahren, waren gut mit der 14-jährigen Schülerin Susanna aus Mainz befreundet. Der Mord an ihr, für den der 22-jährige Ali B. angeklagt ist, wird momentan vor dem Wiesbadener Landgericht verhandelt.

Zu der Gruppe sei Anfang 2018 Susanna hinzugestoßen, nachdem sie angefangen hatte, in Mainz die Schule zu schwänzen. Mit einer wechselnden Gruppe habe sie oft die Nachmittage verbracht - mal bei Mc Donalds, bei Burger King oder am Kochbrunnen. Von Zuhause habe die Mainzerin ihren neuen Freundinnen wenig erzählt, nur dass ihre Eltern getrennt seien und es öfters Streit gegeben hätte.

Ein Herz aus Gold

Durch ihre herzliche Art sei Susanna für die Mädchen dann auch schnell eine gute Freundin geworden. „Susanna hatte ein Herz aus Gold. Man konnte ihr alles anvertrauen“, beschreibt eine der Zeuginnen das spätere Opfer. Neben den Mädchen seien auch einige Jungs in der Clique dabei gewesen, darunter ein gewisser Keysi. In Keysi, der eigentlich Haji heißt, und der jüngere Bruder von Ali B. ist, sei Susanna verknallt gewesen. Als sie ihm ihre Liebe offenbarte, habe er sie aber zurückgewiesen. Er habe Susanna mehr als eine Schwester gesehen, so wie die anderen Mädchen auch. Das habe Susanna sehr betroffen und traurig gemacht, erzählen die Zeuginnen. Sie habe sogar deshalb angefangen, sich zu ritzen. Dennoch habe sie über die Gruppe weiterhin seine Nähe gesucht und auch genossen.

Über Keysi habe Susanna dann auch seinen älteren Bruder Ali kennengelernt. Dieser sei zu Susanna ganz anders gewesen als die Jungs in ihrem Alter. Als sie mit Susanna einmal am Platz der Deutschen Einheit unterwegs gewesen war, hätten sie Ali getroffen. Er habe Susanna hinterher gepfiffen und sie aufgefordert, mit ihm zu gehen, was sie verweigerte. Danach habe Susanna Angst vor Ali gehabt. Sie habe ihn „eklig“ gefunden und versucht, sich von ihm fernzuhalten.

Dennoch hätten sie sich Anfang Mai in Erbenheim, in der Nähe der Flüchtlingsunterkunft, wo Ali B. lebte, wieder gesehen. Dort habe der stark angetrunkene Ali sie dann immer wieder angefasst, im Schritt sowie an den Brüsten. Zwar soll sich Susanna dagegen gewehrt haben, Ali habe es aber immer wieder versucht.

Angst um Alis Bruder

Susanna vertraute das Erlebte zwar ihren Freundinnen an, weigerte sich aber zur Polizei zu gehen. Sie habe Angst gehabt. Angst vor dem Angeklagten, aber auch Angst um seinen kleinen Bruder, in den sie immer noch verliebt war. Denn durch eine Aussage bei der Polizei befürchtete sie, dass die Familie ihr Aufenthaltsrecht in Deutschland verlieren könnte und abgeschoben wird.

Bei der Verhandlung fragt der vorsitzende Richter Bonk Susannas Freundinnen immer wieder, ob sie jemand gewesen wäre, der auch mal „Nein“ sagen könne. Alle beschreiben die 14-Jährige als ein Mädchen, das zwar bei vielem in der Gruppe mitmachte, sich aber gegen Übergriffe von Jungs gewehrt hätte. Auch sei sie Jungs gegenüber sehr zurückhaltend gewesen, besonders zu den älteren rund um Ali B., die häufig Alkohol und Drogen konsumiert hätten.

Die Beschreibungen des schüchternen Mädchens, das Angst vor Ali B. hatte, lassen weitere Zweifel an der Aussage des Angeklagten aufkommen. Dieser hatte geschildert, dass Susanna ihm in der Nacht zum 23. Mai freiwillig in das Feld bei Erbenheim gefolgt sei, auch dem Geschlechtsverkehr auf dem Waldboden habe sie zugestimmt. Die Vergewaltigung, welche ihm die Staatsanwaltschaft vorwirft, bestreitet er. (js,ms)

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