Fall Susanna: Wie lief die Arbeit der Polizei?

Fast zwei Wochen lagen zwischen dem Mord an der Schülerin Susanna aus Mainz und dem Auffinden ihrer Leiche. Am Dienstag ging es dabei um die Ermittlungsarbeit der Polizei in dem Fall.

Fall Susanna: Wie lief die Arbeit der Polizei?

Als „einen ganz normalen Vermisstenfall“ beschreibt die 28-jährige Kriminalkomissarin am Dienstag vor dem Landgericht den Fall Susanna. Sie ist an diesem Tag als Zeugin geladen, damit sich das Gericht ein Bild über die Arbeit der Polizei machen kann. Besonders der Zeitraum zwischen dem Verschwinden der 14 Jahre alten Schülerin und dem Auffinden ihrer Leiche am 6. Juni waren dabei von Interesse. Susannas Mutter erhob damals Vorwürfe gegenüber der Polizei, die Beamten hätten den Fall nicht schnell genug bearbeitet und nicht ernst genug genommen.

Ein normaler Vermisstenfall?

Nachdem ihre Tochter am Morgen des 23. Mai 2018 nicht nach Hause gekommen und per Handy nicht erreichbar war, hatte Susannas Mutter sie bei der Mainzer Polizei als vermisst gemeldet. Da sich dort schnell herausstellte, dass sich ihr soziales Umfeld immer mehr nach Wiesbaden verlagert hatte, wurden auch gleich die hessischen Kollegen mit eingeschaltet. „Wir hatten auch gleich die Hinweise, dass Susanna sich häufig in den beiden Flüchtlingsunterkünften in Erbenheim aufhielt“, erzählt die Polizistin. Dort konnte den Beamten zunächst jedoch noch niemand sagen, wann sich Susanna dort zuletzt aufgehalten habe. Auch die merkwürdigen Whatsapp-Nachrichten, die Susannas Mutter am Morgen des Verschwindens von ihrer Tochter erhielt, seien zunächst für die Polizei kein Grund gewesen, ein Verbrechen zu vermuten: „Wir erleben es oft, dass die Handys von Jugendlichen durch viele Hände gehen und falsche Nachrichten verschickt werden.“

Neben der Polizei arbeitet auch Susannas Mutter intensiv daran, ihre vermisste Tochter zu finden. Per Facebook setzt sie am 24. Mai einen Hilferuf ab, dass sich Hinweisgeber bei ihr melden sollen. Der Beitrag wird über 100.000 Mal geteilt. Immer wieder melden sich Personen auf den Post, mit denen sich die Mutter unter Aufsicht der Polizei trifft. Die Hinweise laufen aber meist ins Leere. Am 28. Mai beginnt die Polizei mit der Ortung und Überwachung des Handys, findet aber nichts.

Am 29. Mai bekommt die Polizei aber dann die ersten Hinweise darauf, was in der Nacht zum 23. Mai wirklich passiert ist. Drei Mädchen melden sich unabhängig voneinander bei Susannas Mutter. Alle drei wollen einen anonymen Anruf einer männlichen Person bekommen haben, die ihr sagten, dass Susanna tot und vergraben sei. Wo genau, wüssten sie jedoch nicht. Kurz darauf brachte die Mutter zum ersten Mal den Namen Mansoor Q. ins Spiel, der ein Bekannter ihrer Tochter gewesen sein soll. Zwar konnten die Beamten ihn zunächst nicht finden, er selbst meldete sich aber am 3. Juni auf dem ersten Polizeirevier.

Ein 14-Jähriger sagt aus

Der 14-Jährige berichtete der Polizei dann, was viele schon vermutet hatten: Susanna ist ermordet worden. Als Täter nennt er Ali B., der Susanna getötet und in einem Feld bei Erbenheim, in der Nähe der Flüchtlingsunterkunft am Kreuzberger Ring, begraben haben soll. Da er den genauen Ort nicht kennt, dauert es drei weitere Tage, bis die Beamten die Leiche in einem Erdloch neben den Gleisen der Ländchesbahn finden. Durch das Wetter war der Körper schon stark entstellt, nur eine Busfahrkarte in der Hosentasche gab den Beamten Gewissheit, dass es sich um die vermisste Schülerin aus Mainz handelt.

Bei der Vernehmung soll Mansoor zunächst sehr ruhig und unaufgeregt auf die Fragen geantwortet haben, berichtet die Polizistin. Erst bei einer zweiten Befragung zwei Tage später sei er sehr ängstlich gewesen und habe viel geweint. Er habe Angst gehabt, von der Polizei für die Tat mitverantwortlich gemacht zu werden. Die größte Angst habe er aber vor der Familie des mutmaßlichen Täters gehabt. Diese seien kriminell und würden aus seiner Sicht vor Racheakten nicht zurückschrecken. Da die Familie am 1. Juni über Düsseldorf und Istanbul in ihre irakische Heimat geflohen war, fühlte er sich zu diesem Zeitpunkt aber sicher.

Am nächsten Tag wurden die ersten Erkenntisse über die Tat in einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit vorgestellt. Dort wurde immer wieder die herausragende Rolle des 14-jährigen Flüchtlings beschrieben, ohne den die Tat wohl nicht aufgedeckt worden wäre. Zu diesem Zeitpunkt war jedoch nicht bekannt, dass Mansoor wohl selbst an einem Verbrechen beteiligt war. Einige Wochen vor dem Mord soll er gemeinsam mit Ali B. ein 11-jähriges Mädchen vergewaltigt haben. Dafür muss er sich ab dem 19. März gemeinsam mit Ali B. vor der Wiesbadener Jugendkammer verantworten. (ts/lp)

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