Verlassene Firma wird zum „Horror-Haus“

Was für ein bizarrer Anblick: Ein Firmengebäude in Bodenheim wurde vor einigen Jahren Hals über Kopf verlassen. Seitdem bahnt sich die Natur ihren Weg. Wie geht es mit dem Gebäude weiter?

Verlassene Firma wird zum „Horror-Haus“

Es ist die perfekte Kulisse für einen Horrorfilm: Eine verlassene Firma in Bodenheim hat sich in eine Moos- und Schimmellandschaft verwandelt. Überall tropft es von der Decke, der Teppich glitscht bei jedem Schritt, an eine Wand wurde das Wort „HELP“ geschrieben.

Die „Bild“-Zeitung hatte am Mittwoch zuerst über die verlassene Firma berichtet. Die Überschrift des Artikels: „Auch mit Moos nix los“. Seit 1981 saß in dem Gebäude der IT-Sicherheitsanbieter „CE-Infosys“, laut „Bild“ hat die Firma über Nacht die Zelte abgebrochen und alles zurückgelassen. Wann das genau war, ist unklar, eine letzte Bilanz hat das Unternehmen 2014 veröffentlicht.

In den Räumen stehen noch immer Computer, Bürostühle, Ventilatoren und Getränkeautomaten. Bis auf die ungewöhnliche Bepflanzung sieht es aus, als könnten die Mitarbeiter morgen wieder loslegen.

Doch in den durchnässten Räumen kann niemand mehr arbeiten, modriger Geruch hängt in der Luft, die Luftfeuchtigkeit ist vermutlich höher als im Regenwald. Als wir die Räume durch einen Hintereingang betreten, sind schon drei Hobbyfotografen vor Ort. „Zieh lieber eine Maske an“, sagen sie und verschenken eine Einwegschutzmaske.

Doch wie gefährlich ist die Luft überhaupt? Wir zeigen dem wissenschaftlichen Leiter des Botanischen Gartens in Mainz, Doktor Ralf Omlor, die Bilder. Er sagt: „Anhand der Fotos ist nicht eindeutig zu bestimmen, ob es sich bei dem grünen Belag um Moose oder um Algen handelt.“ Wahrscheinlich sei, dass es Moose sind. „Die sind aber ungefährlich.“ Eine Gefährdung für die Atemwege könne aber von Schimmelpilzen ausgehen, die sich höchstwahrscheinlich ebenfalls in den Räumen, vor allem an den Wänden, befinden.

„So etwas noch nie gesehen“

Letztlich sei die Entstehung der Moose auf dem Boden aber leicht zu erklären: „Moose verbreiten sich durch Sporen, die sich zu bestimmten Jahreszeiten immer in der Luft befinden.“ Sie brauchten nur Wasser und Licht, um sich zu vermehren.

„Der Anblick ist schon sehr bizarr“ - Ralf Omlor, wissenschaftlicher Leiter des Botanischen Gartens in Mainz

Weil in den Räumen das Wasser steht und in den letzten Jahren niemand mit dem Staubsauger durchgegangen ist, konnte sich das Moos (oder die Algen) ungehindert vermehren. Omlor sagt: „So etwas wie in dieser Firma habe ich aber noch nie gesehen. Der Anblick ist schon sehr bizarr.“

Wie geht es mit dem Gebäude weiter? Am 5. Oktober 2018 beantragte das Mainzer Amtsgericht die Gesellschaft „wegen Vermögenslosigkeit“ aus dem Handelsregister zu löschen. Laut „Bild“ soll das Gebäude nun zwangsversteigert und dann geräumt werden.

(ps)

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