Klimanotstand in Mainz: Stadt will Radverkehr und ÖPNV fördern

Vor zwei Jahren hat der Mainzer Stadtrat den Klimanotstand ausgerufen. Damit verpflichtet er sich zu Maßnahmen, die in der Stadt ein besseres Klima schaffen sollen. Ein Schwerpunkt: der Verkehr.

Klimanotstand in Mainz: Stadt will Radverkehr und ÖPNV fördern

Bis 2035 will die Stadt Mainz klimaneutral sein. Das verkündeten Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) und Janina Steinkrüger, Dezernentin für Umwelt, Grün, Energie und Verkehr (Grüne) kürzlich während einer Pressekonferenz. Um dieses Ziel zu erreichen, sollen in vielen Bereichen Maßnahmen ergriffen werden, die zu einem besseren Stadtklima führen sollen. Klimaschutz, so Ebling, habe in Mainz inzwischen eine so hohe Priorität, dass Vieles dem untergeordnet sei (wir berichteten).

Ein Schwerpunkt der Maßnahmen ist die Mobilität, also der Öffentliche Nahverkehr (ÖPNV), der Ausbau des Fahrradnetzes sowie die Elektromobilität. Denn Verkehr und damit die CO2-Belastung würden immer mehr zunehmen, so Steinkrüger. Eine „Verkehrs- und Mobilitätswende“ sei daher notwendig. Dazu sollen „alternative Antriebe wie Batterie, Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe“ gefördert werden, heißt es im aktuellen „Bericht zur Umsetzung der Maßnahmen des Stadtratsbeschlusses zum Klimanotstand“.

Doch was hat die Stadt bisher konkret in die Wege geleitet und vor allem: Was erwartet uns noch im Bereich Mobilität? Wir geben euch einen Überblick:

Busse und Bahnen

38 Prozent der Fahrgäste würden bereits elektrisch befördert, 50 Prozent sollen es in zwei Jahren sein. Zusätzlich zu den Straßenbahnen seien seit 2020 vier elektrisch betriebene Gelenkbusse im Einsatz, weitere zwölf E-Busse sollen im nächsten Jahr dazukommen, für 2023 sind noch elf geplant. Ein Brennstoffzellenbus soll noch in diesem Jahr angeschafft werden. Die Elektrofahrzeuge „Mainz Rider“ sowie der geplante automatisierte Elektrokleinbus „Emma²“ sollen das Angebot ergänzen.

Der „konsequente“ Ausbau des Straßenbahnnetzes sollte mit der Mainzelbahn beginnen und mit der Verbindung zwischen Mainz und Wiesbaden fortgesetzt werden. Da diese Planungen jedoch ein Bürgerentscheid verhindert hatte, prüfe die Stadt Mainz Alternativen, zum Beispiel ein Tram-Innenstadtring sowie die Erschließung des neuen Wohnquartiers „Heiligkreuz-Viertel“. Bereits Anfang des Jahres begonnen haben die Planungen einer Straßenbahnlinie durch die Binger Straße, um den Hauptbahnhof West und den Münsterplatz direkt miteinander zu verbinden (wir berichteten).

Fahrradverkehr

Innerhalb von neun Jahren habe sich die Zahl der fahrradfahrenden Mainzer verdoppelt: von 12 Prozent im Jahr 2008 auf 25 Prozent im Jahr 2019. Radrouten und Radfahrstreifen, Schutzstreifen mit Piktogrammen sowie Fahrradstraßen seien daher eingerichtet worden und weiter in Planung. Neun Kilometer seien allein im Jahr 2020 angelegt worden. In der Oberstadt etwa wurde die Fahrradstraße über den Karcherweg und die Ebersheimer Straße erweitert. Künftig soll diese weiter über die Neumannstraße, Ritterstraße und Am Rosengarten fortgesetzt werden. Auch sollen Lücken geschlossen werden, kürzlich etwa in der Hattenbergstraße, im Xaveriusweg, Kreuzstraße und Windmühlenstraße, sowie Überquerungen verbessert werden.

Schwierig sei ein Ausbau der Fahrradwege allerdings vor allem dort, wo der Stadtraum eng bebaut sei und somit Radwege nach „zeitgemäßen und zukunftsfähigen Planungsvorhaben deutlich erschwert“ seien. Hinzu komme, dass vermehrt Pedelecs und Lastenräder genutzt werden, die einen höheren Platzbedarf haben.

Sogenannte „Stadtteilrouten“ sollen künftig alle Ortsteile mit der Innenstadt verbinden. Den Anfang machten Hechtsheim und Laubenheim. Noch 2022 soll es Strecken von Finthen, Gonsenheim, Hartenberg-Münchfeld und Weisenau geben. Untereinander sollen die Stadtteile ebenso verbunden werden.

Auch die Parkmöglichkeiten für Fahrräder wurden erweitert: Dazu gehört das im April eröffnete Fahrradparkhaus an der Westseite des Hauptbahnhofs mit circa 1000 Abstellplätzen. Stellplätze an den Bahnhöfen Römisches Theater und Laubenheim sind in Planung. 300 Radbügel wurden installiert, 400 sollen noch hinzukommen. Geprüft werden derzeit Standorte für Radboxen und Stellplätze für Lastenfahrräder. Durch das Projekt „Soziale Stadt“ finanziert wird das Lastenrad-Leihangebot „ELMa“ (wir berichteten).

Umweltfreundlicher Verkehr

Die Verwaltung soll Konzepte für „autoarme bzw. autofreie Bereiche in der Innenstadt“ erarbeiten. So sollen etwa Fußgängerzonen ausgeweitet und mehr Grünflächen geschaffen werden. Bereits reduziert seien die Flächen für den Autoverkehr etwa in der Bahnhofstraße, der Großen Langgasse, der Hauptstraße sowie der Boppstraße.

Dass die Tempo-30-Zonen in der Innenstadt ausgeweitet werden, würde die Verkehrsverwaltung zwar „sehr begrüßen“, doch stünden diesen Planungen zu einer „Standardgeschwindigkeit im Stadtgebiet“ bundesgesetzliche Regelungen entgegen. Prinzipiell soll mit der zulässigen Höchstgeschwindigkeit erreicht werden, dass der Fuß- und Radverkehr attraktiver wird und die Radfahrenden leichter auf der Fahrbahn „mitschwimmen“ können.

Ein „sehr begrenztes Potential“ hingegen zeige sich hinsichtlich der Standorte für Park & Ride-Anlagen, vor allem in der Nähe von Straßenbahnen. Initiativen wollen nun das Thema verstärkt regional betrachten.

E-Mobilität

Die Stadt Mainz will mit gutem Beispiel vorangehen, mit 40 Elektro-Fahrzeugen im eigenen Fuhrpark – darunter Müllfahrzeuge, Kehrmaschinen und PKW. Zudem stünden inzwischen 50 E-Ladepunkte im öffentlichen Raum bereit. Ob das Angebot erweitert wird, soll sich nach der Nachfrage richten.

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