Omikron in Mainz: Nur ein Patient auf der Intensivstation

Die Corona-Inzidenzen steigen, gleichzeitig stellen sich die Krankenhäuser darauf ein, weniger Patienten in den Intensiv- und mehr auf den Normalstationen versorgen zu müssen. Wie ist die Lage im Mainzer Krankenhaus?

Omikron in Mainz: Nur ein Patient auf der Intensivstation

Die Zahl der Corona-Patienten steigt weiter, in den Krankenhäusern füllen sich die Normalstationen mit Patienten. Auf den rheinland-pfälzischen Intensivstationen hingegen werden aktuell „nur“ 72 Patienten mit Covid-19 behandelt. Zum Vergleich: Vor zwei Monaten, also am 1. Dezember 2021, waren es noch 153. Das geht aus dem Intensivregister der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) hervor.

Gleichzeitig kann man dort auch einsehen, wie viele der Patienten in Deutschlands Kliniken invasiv beatmet werden, also über einen Schlauch in der Luftröhre Sauerstoff zugefügt bekommen. Und genau diese Zahl verwundert manche: „Die Quote der invasiv beatmeten Corona-Patienten liegt nahezu in ganz Deutschland bei fast exakt 50%. Woher kommt das?“, fragt Merkurist-Leser Simon.

„So gleichbleibend bei 50 Prozent ist die Anzahl der invasiv beatmeten Patienten nicht“, widerspricht jedoch Nina Meckel, Pressesprecherin des Divi, auf Merkurist-Anfrage. „Zu sehen sind Schwankungen zwischen 40 und 60 Prozent, daran lässt sich der Schweregrad der Erkrankungen ausmachen.“ So war die Quote besonders in den Monaten sehr hoch, in denen vor allem die Langzeitbeatmete auf der Intensivstation gelegen haben, und kaum akute COVID-Fälle. Am 15. Juli 2021 beispielsweise wurden 64 Prozent der Intensivpatienten beatmet. Am 3. Januar 2021, „dem Tag des bisherigen Hochpunktes mit fast 5647 COVID-Patienten auf den Intensivstationen“, lag der Anteil bei 55 Prozent. Genau ein Jahr später wurden 3773 Patienten intensivmedizinisch behandelt, davon wurden 59 Prozent invasiv beatmet. Heute, also wieder einen Monat später, liegt der Anteil bei 53 Prozent (in Rheinland-Pfalz bei 46 Prozent).

Im Gegenzug veröffentlicht die Divi auch die Zahl der insgesamt verfügbaren Intensivbetten und Beatmungsplätze. Und auch diese steigen: Waren laut Divi am 2. Dezember 2021 noch 752 Intensivbetten zur invasiven Beatmung für Covid-19-Patienten frei, sind es heute (Stand 1. Februar) 1247 (Rheinland-Pfalz: 45 am 2. Dezember, 80 am 1. Februar).

Von 22 Betten in Mainz sind 9 belegt

Auch in Mainz ist die Zahl der beatmeten Patienten rückläufig. In Mainz gebe es 22 entsprechende Betten, aktuell seien davon neun belegt, also 41 Prozent, wie Dietmar Bochert mitteilt, Pressesprecher der Marienhaus-Gruppe, die auch das Marienkrankenhaus in Mainz (MKM) betreibt. Prinzipiell jedoch, so Bochert, sage „die Prozentzahl der invasiv beatmeten Patienten auf einer Intensivstation nichts über die numerische Anzahl aus“. In der Marienhaus-Klinik in Neunkirchen etwa liege die Zahl bei 63 Prozent, hier gebe es allerdings nur acht Betten, von denen fünf belegt seien. „Das klingt nach viel, numerisch sind es aber in Mainz mehr“, so Bochert.

Zudem seien in Mainz nicht alle Patienten, die invasivmedizinisch betreut werden, automatisch Corona-Patienten, sondern auch andere Krankheitsbilder, Operationen und Unfälle, die eine solche Behandlung zur Folge hätten. „Derzeit bewegen wir uns wieder sehr deutlich in eine solche Richtung“, so Bochert. Denn aktuell befinde sich tatsächlich unter den neun invasivmedizinisch versorgten Patienten nur ein Corona-Patient (11 Prozent). „Wir stellen eine deutlich geringere Schwere der Erkrankungen durch die Omikron-Variante fest.“

„Wir stellen eine deutlich geringere Schwere der Erkrankungen durch die Omikron-Variante fest.“ – Dietmar Bochert

Gleichzeitig seien die an Corona Erkrankten nun deutlich jünger – würden aber auf der Normalstation versorgt. Noch vor einigen Wochen sah die Situation ganz anders aus: Mitte Dezember etwa hieß es von Seiten der Divi, dass „die Lage in der Pandemie aus Sicht der Intensiv- und Notfallmedizin noch nie so bedrohlich und ernst war wie heute“.

Wie und in welchem Umfang die Patienten jeweils behandelt würden, also ob auf der Normal- oder der Intensivstation, und ob dort jemand beatmet werden müsse, entscheide das Ärzteteam des MKM nach eigener medizinischen Bewertung, sagt Bochert. Innerhalb der Marienhaus-Gruppe tausche man sich zudem seit Beginn der Pandemie über Erfahrungswerte aus. Ein wesentlicher Punkt sei die Sauerstoffsättigung im Blut, aber prinzipiell sei das immer eine sehr individuelle Entscheidung, in die etwa die jeweiligen Parametern und Vorerkrankungen des Patienten mit einfließen.

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