Streit um „Mainz liefert“: Gewerkschaft dementiert Vorwürfe „aufs Schärfste“

Seit etlichen Monaten kritisiert die Gewerkschaft FAU die Arbeitsbedingungen von „Mainz liefert“. Das Unternehmen hingegen sagt, die Vorwürfe seien „völlig haltlos“. Nun hat die FAU Stellung genommen.

Streit um „Mainz liefert“: Gewerkschaft dementiert Vorwürfe „aufs Schärfste“

Sie fordern, dass die „Arbeitsrechte eingehalten“ werden, dass sich die „miserablen Arbeitsbedingungen“ verbessern, dass Urlaub gewährt und Lohn im Krankheitsfall bezahlt werde: Die Vorwürfe der Gewerkschaft „Freie Arbeiter*innen Union Frankfurt/Mainz“ (FAU) gegen „Mainz liefert“ wiegen schwer.

Das Unternehmen selbst jedoch dementiert und versichert, sich an alle gesetzlichen Vorgaben zu halten und es weiter zu tun. „Die Vorwürfe sind völlig haltlos. Die FAU hat noch keinerlei Beweise vorgelegt“, so ein Unternehmenssprecher gegenüber Merkurist. Nicht nur das – die eigenen Mitarbeiter fühlten sich sogar von der FAU „regelrecht belästigt und terrorisiert“ und hätten bereits eine Unterschriftenliste gegen die Vorwürfe initiiert sowie eine Mediatorin eingeschaltet. Die Gespräche seien jedoch von der FAU abrupt beendet worden (wir berichteten).

„Für ‘Mainz liefert’ wäre es mit einer einfachen Unterschrift unter dieser Vereinbarung ein Leichtes gewesen, den Konflikt schnell und geräuschlos beizulegen“ – Dörte Stein, FAU

„Die FAU hat eine Vereinbarung vorbereitet“, erklärt daraufhin Dörthe Stein, Pressesprecherin der Gewerkschaft in einer Stellungnahme gegenüber Merkurist. Darin gehe es darum, die arbeitsrechtlichen Standards anzuerkennen und gegenüber den Beschäftigten die firmeninternen Prozesse zur Inanspruchnahme ihrer Rechte zu kommunizieren. „Für ‘Mainz liefert’ wäre es mit einer einfachen Unterschrift unter dieser Vereinbarung ein Leichtes gewesen, den Konflikt schnell und geräuschlos beizulegen“, so Stein. Dann würden auch die Proteste beendet und „ein positives Verhandlungsergebnis“ kommuniziert werden.

Durch ihre Unterschrift unter der „Kollektivvereinbarung“ sollen sich die Geschäftsführer beispielsweise dazu verpflichten, Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall, Wartepausen sowie Urlaub zu zahlen, in den Arbeitsverträgen eine wöchentliche Arbeitszeit von 20 Stunden sowie Mindesteinsatzzeiten von drei Stunden anzugeben und Arbeitsmittel kostenlos zur Verfügung zu stellen.

Keine „anonymen Anrufe“

Auch beklagt die FAU, dass die Firmeninhaber „nach wie vor jedes direkte Gespräch mit Vertreter*innen unserer Gewerkschaft“ verweigern. Zwar habe das Unternehmen auf einen ersten Brief von Anfang Dezember geantwortet, doch seit Ende Dezember erreiche man niemanden mehr per Telefon. Per Mail sei Ende Januar dann die Bitte gekommen, von „weiteren E- Mails abzusehen, damit wir uns auf das Tagesgeschäft konzentrieren können.“ Bei individuelle Anliegen könnten die Mitarbeiter „gerne jederzeit auf uns zukommen.“ Durch das Angebot der Mediation spiele das Unternehmen „offenbar auf Zeit“. Abgebrochen habe man die Mediation deswegen, da eine Gewerkschaft nicht über „potentielle Abstriche beim Arbeitsrecht“ verhandeln könne.

Die von „Mainz liefert“ angesprochenen anonymen Anrufe bei Mitarbeitern „weisen wir aufs Schärfste zurück“, so Stein weiter. Die Vorwürfe grenzten an Verleumdung und seien „gegebenenfalls ein Fall für das Gericht“, genauso wie die Aussage, dass die FAU von keinem Beschäftigten ein Mandat zur Vertretung hätte. Die Urkunde, „dass wir eine durch Mitglieder im Betrieb vertretene Gewerkschaft sind“ liege einem Notar vor. Bestätigt wird durch die FAU jedoch die Bitte einiger Mitarbeiter, sie „ab jetzt in Ruhe zu lassen. Sowohl öffentlich als auch unsere privaten Handynummern“.

„Unser Ziel besteht einzig und alleine darin, unsere Mitglieder gewerkschaftlich zu vertreten und in Konflikten am Arbeitsplatz zu unterstützen“, so Stein weiter. „Entsprechend setzen wir uns für die Einhaltung arbeitsrechtlicher Standards ein und kämpfen gegen deren Untergrabung überall dort, wo uns dies bekannt wird.“ Die FAU habe „Besseres zu tun, als wahllos Unternehmen in der Öffentlichkeit schlecht zu machen.“

Wie viele Mitarbeiter von „Mainz liefert“ die Gewerkschaft aber tatsächlich vertritt, darüber könne sie „aus verhandlungstaktischen Gründen“ keine Auskunft geben. Auch bei den beiden Protesten vor dem Firmensitz in Mainz hätten „aus Schutz“ keine Mitarbeiter teilgenommen, sondern „solidarische Mitglieder unserer Gewerkschaft sowie einige Sympathisant*innen“, so Stein.

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