Trotz Glasscheibe: Warum darf man hier nicht an der Theke sitzen?

Schon größere Kneipen haben es schwer, die Corona-Abstandsregeln zu erfüllen. Doch was, wenn die Kneipe vor allem aus einem Tresen besteht?

Trotz Glasscheibe: Warum darf man hier nicht an der Theke sitzen?

Schummrig, eng und gemütlich: So haben viele Menschen ihre Stammkneipe am liebsten. Eng ist in diesen Tagen allerdings schwierig. Um die Corona-Pandemie einzudämmen, gelten in der Gastronomie strenge Regeln: Abgesehen von eingeschränkten Öffnungszeiten muss ein Mindestabstand zwischen den Tischen bestehen; zudem dürfen Gäste nicht an der Theke sitzen. Doch was, wenn die Kneipe hauptsächlich aus Plätzen an der Theke besteht?

Dieses Problem hat derzeit unter anderem die Gonsenheimer Fußballkneipe „Kathy’s Treff“. Der Familienbetrieb wird hauptsächlich von Katharina Hein geführt, ihr Mann und Tochter Jasmin helfen regelmäßig aus. Zwar hat die Kneipe mittlerweile wieder geöffnet, doch durch die Corona-Auflagen gibt es statt 58 Sitzplätzen derzeit nur acht im Lokal. Jasmin Hein sagt gegenüber Merkurist: „Ein Hauptproblem bei den Kneipchen ist, dass die Theke nicht mitgenutzt werden darf.“ Zudem würden einige Gäste nicht einsehen, dass sie reservieren oder sich anmelden müssen. „Diese Gäste verliert man dadurch.“

Keine Thekenplätze trotz Plexiglaskabinen

Die harte Rechnung für die Gastronomen: Je weniger Gäste, desto weniger Einnahmen. „Und man muss ja seine laufenden Kosten trotz der Krise weiterhin bezahlen“, so Jasmin Hein. Um die Theke mitnutzen zu können, habe man während der kompletten Schließung Plexiglaskabinen an der Theke angebracht. Gebracht hat es allerdings nichts – die Theke darf trotzdem nicht genutzt werden. „Das Ordnungsamt sagte uns: Es ist eine gute Konstruktion, jedoch nicht gestattet.“

Gegenüber manch anderer Kneipe hat „Kathy’s Treff“ immerhin einen Vorteil: einen großzügigen Außenbereich mit 26 Plätzen. „Der wird aber natürlich nur bei gutem Wetter genutzt“, so Hein. Reine Theken-Kneipen können unter diesen Umständen wohl erst einmal gar nicht öffnen. Diese Kneipen haben jetzt Existenzängste, sagt Jasmin Hein. „Denn Pacht, Strom, Versicherungen und so weiter müssen ja weiter gezahlt werden.“ Deshalb könne die derzeitige Situation für viele Kneipen das Todesurteil bedeuten.

Petition gestartet

Auch die Betreiber der Mainzer Kultkneipe „Zur Andau“ waren schon kurz davor, das Handtuch zu werfen. In einem vielbeachteten Facebook-Post verkündeten sie das Aus für die Kneipe. Nach einer Welle der Solidarität und einigem Entgegenkommen der Stadt Mainz nahm der Fall schließlich doch noch eine positive Wende (wir berichteten). Doch auch für Kneipen, die mittlerweile öffnen konnten, bedeuten die Corona-Regeln Einnahmeverluste. Zudem kommt jetzt der Sommer, eine Zeit, in der die Mainzer lieber am Rhein als in der Kneipe sitzen.

Jasmin Hein hat eine Online-Petition gestartet – zur Genehmigung von Plexiglasscheiben an der Theke. In Einzelfällen sei das bereits erlaubt worden, den meisten Gastronomen aber nicht. Das sei ungerecht. „Ich will mit der Petition zeigen, dass wir nicht die einzigen sind, die das so sehen. Und vielleicht haben wir Glück und bewirken etwas.“ (mm)

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