Aktenzeichen XY: Als vor dem „Metro“-Markt Schüsse fielen

In mehr als 500 Episoden „Aktenzeichen XY... ungelöst“ standen auch einige Fälle aus Wiesbaden und Mainz im Mittelpunkt. Manche von ihnen konnten durch die Sendung gelöst werden, andere sind bis heute ungeklärt. Wir stellen Euch einen der Fälle vor.

Aktenzeichen XY: Als vor dem „Metro“-Markt Schüsse fielen

Seit 53 Jahren hilft das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) mit der Sendung „Aktenzeichen XY…ungelöst“ Ermittlern, Verbrechen wie Mord, Raub oder Vergewaltigung aufzuklären. Mehr als 4600 Fälle wurden seitdem in über 500 Episoden gezeigt. Auch Fälle aus Wiesbaden und Mainz standen dabei immer wieder im Mittelpunkt. Einer davon ist der Fall einer Räuber-Gruppe, die bei Überfällen auf Geldtransporter und Supermärkte in Wiesbaden und dem Rhein-Main-Gebiet mehr als 2 Millionen D-Mark erbeuteten.

Schüsse vor „Metro“-Markt

„Geld, für das sich im verstärkten Maße die Unterwelt interessiert“ - Moderator Eduard Zimmermann

Der erste große Coup der Gruppe wurde in der Sendung vom 27. Oktober 1978 behandelt. Moderator Eduard Zimmermann spricht in der Folge zunächst über den Wachstum des Einzelhandels in den vergangenen Jahrzehnten. „Aus polizeilicher Sicht hat die Konzentration des Warenverkaufs aber auch eine Schattenseite.“ Denn: Wo viel umgesetzt werde, komme auch viel Geld zusammen. „Geld, für das sich im verstärkten Maße die Unterwelt interessiert“, sagt der Moderator.

Der Beitrag zeigt schließlich den „Metro“-Großmarkt in Kastel. Dort laufen die Geschäfte gut, erzählt der Sprecher, die Rechnungen der dort einkaufenden Einzelhändler seien regelmäßig sehr hoch. Während das Geld am Abend des 20. März 1978 in den Tresorraum gebracht wird, heißt es im Beitrag zunächst: Ortswechsel nach Mainz. Dort, auf dem Parkplatz der Hartenberg-Sporthalle, verschwindet der weiße Käfer eines Studenten. Er wird den Dieben am kommenden Tag als Tatauto dienen — allerdings mit den geklauten Kennzeichen eines amerikanischen VW.

Am Morgen fährt vor dem Kasteler Großmarkt schließlich der Geldtransporter vor. „Niemand beachtet den Wagen und niemand kümmert sich um die drei Männer, die mit dem Auto gekommen sind“, sagt der Sprecher über die drei Männer im weißen Käfer, die auf dem Parkplatz auf ihre Opfer warten. Die bewaffneten Geldboten kommen mit knapp einer Million Mark aus dem Tresorraum, als sie von den drei ebenfalls bewaffneten Tätern überwältigt werden. Erst als die Räuber von ihnen ablassen und zum Auto laufen, können sie ihre Waffen ziehen. Sie schießen auf den Fluchtwagen — allerdings vergeblich.

Überfall auf Geldtransporter

„Es vergeht kaum eine Woche ohne spektakulären Überfall auf Geldboten“ - Moderator Eduard Zimmermann

Der zweite Überfall der Gruppe war Thema der Sendung vom 13. Juli 1979 — zu diesem Zeitpunkt wurde allerdings, zumindest in der Sendung, keine Verbindung zwischen beiden Fällen hergestellt. „Es vergeht kaum eine Woche ohne spektakulären Überfall auf Geldboten“, sagt Zimmermann in der Sendung. Diesmal geht es um einen Überfall vom 9. April 1979 auf „Wertkauf“, einen ehemaligen Supermarkt in Biebrich.

Auch hier nutzen die Räuber gestohlene Fahrzeuge — so etwa einen großen orangen Lieferwagen, der fünf Wochen zuvor in Eschborn gestohlen wurde. Und einen gelben Passat, der neun Wochen vorher in Offenbach verschwand. Vor dem Supermarkt nehmen zwei bewaffnete Männer den Geldboten einen sechsstelligen Betrag ab, verletzten einen von ihnen und flüchten. Der Transporter taucht kurze Zeit später in Schierstein auf, der Passat bleibt auf dem Supermarkt-Parkplatz zurück.

Auf den Passat konzentrieren sich auch die Fragen der Beamten in der „Aktenzeichen“-Sendung. Denn: Der Wagen wurde seit dem Diebstahl nicht nur 5000 Kilometer gefahren, sondern hatte auch einen Unfall. Kriminaltechnische Untersuchungen ergeben, dass ein Unfall mit einem roten Auto Ursache für eine große Delle am Heck des Wagens ist. Die Ermittler hoffen, den Unfallgegner des gelben Wagens über die Sendung zu finden.

Fahndung mit Fotos

Einen ersten Durchbruch erreichen die Ermittler dann 1980. In der Sendung vom 18. Juli fahnden die Ermittler mit Fotos und Namen nach vier Männern um die 20 aus Alzey, die verdächtigt werden, hinter den Überfällen zu stecken. Und nicht nur das: Ihnen wird eine ganze Serie von Raubüberfällen im Rhein-Main-Gebiet zugeschrieben, bei denen sie mehr als 2 Millionen D-Mark erbeutet haben sollen.

Die Beamten suchen aber nicht nur nach Personen, die Angaben zum Verbleib der Männer machen können, sondern auch nach eventuellen Schließfächern und Konten der Gruppe in Österreich oder der Schweiz. Dabei gelingt den Ermittlern schließlich der Durchbruch, zumindest in weiten Teilen: In der Folge von September 1980 wird berichtet, dass die Spur zu mehreren Schließfächern in Österreich und der Schweiz führte. Drei der vier Männer konnten schließlich in Tunesien verhaftet werden. Der vierte Täter ist allerdings immer noch flüchtig. (ts)

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