Ärger um Urban Gardening in der Mainzer Neustadt

Als Mieter in der Neustadt wollte Merkurist-Leser Falk etwas Grün in den grauen Hinterhof bringen. Doch damit löste er einen großen Streit aus. Nun muss er seine Pflanzen wieder entfernen. Warum?

Ärger um Urban Gardening in der Mainzer Neustadt

Himbeeren, Kräuter, Lavendel, Efeu und jede Menge Blumen: Um dem trist-grauen Hinterhof des Mietshauses in der Mainzer Neustadt etwas Grün zu verleihen, hat Falk Riemenschneider Kübel an der Wand entlang aufgestellt und diese mit einer Menge Pflanzen bestückt. „Sie sind ausgewählt nach bienenfreundlichen, nachhaltigen Kriterien“, erklärt er. Außerdem könnten Pflanzen zur Luftreinigung beitragen.

Einige andere Mieter hätten ihn bereits darauf angesprochen. „Sie lobten explizit, was ich aus dem Hof gemacht habe und wie schön die Pflanzen seien.“ Doch sein Engagement stößt nicht nur auf Begeisterung. Einige der Mieter haben sich bereits mehrfach bei der Wohnungsbaugesellschaft Vonovia beschwert, die das Haus betreibt.

Andere Mieter fühlen sich gestört

„Wir erhielten erneut Beschwerden, dass Ihre aufgestellten Pflanzen auf den Gemeinschaftsflächen andere Mieter stören und Sie zur Bewässerung das Wasser für die Bewirtschaftung des Grundstücks nutzen, was auf alle Mieter umgelegt wird“, heißt es in einem Schreiben von Vonovia, das Merkurist vorliegt. Alle Blumentöpfe und -kästen sowie sämtliche privaten Gegenstände solle er deswegen aus dem Hof entfernen. Ansonsten werde eine Firma mit der „Beseitigung“ beauftragt und ihm die Kosten in Rechnung gestellt. In einem anderen Brief einen Monat vorher hieß es noch: „Leider haben andere Mieter keinen Platz mehr, um zum Beispiel Wäsche aufzuhängen. Bitte reduzieren Sie die Anzahl ihrer Pflanzen. Der Innenhof ist eine Gemeinschaftsfläche.“

Gegenüber Merkurist sagt der zuständige Pressesprecher Olaf Frei: „Es ist unser größtes Anliegen, dass Sie sich unsere Mieter in Ihrem Zuhause wohlfühlen. Eine Rahmenbedingung dafür ist aus unserer Sicht ein stabiler Hausfriede in der Hausgemeinschaft von zwölf Mietparteien.“ Über die Beschwerden von drei Mietparteien über die aufgestellten Pflanzen könne Vonovia „nicht hinwegsehen“. Störend sei vor allem, dass das Wasser, das für die Bewässerung genutzt wird, „auf alle Mieter umgelegt“ werde, bestätigt Frei noch einmal.

Der „Objektbetreuer vor Ort“ habe den Mieter schon mehrmals dazu aufgefordert, Gegenstände aus den Gemeinschaftsräumen zu entfernen. So habe er auch im Keller Pflanzen gelagert und die hinterlassene Erde nicht beseitigt. „Auch hier hatten wir Beschwerden von den Nachbarn“, so Frei.

Kein persönliches Gespräch

„Mit mir verweigern die Mieter seit jeher ein sachliches Gespräch und konnten auch nicht begründen, was sie denn sachlich stört. Weitere Gesprächsangebote wurden immer abgelehnt“, berichtet hingegen Riemenschneider. Was ihn gleichzeitig wundert: Der Hof werde von den anderen Mietparteien kaum genutzt, „höchstens zum Fahrradabstellen oder Wäsche aufhängen“. Und zur Bewässerung nutze er das Wasser aus seinem Bad. Jedoch gebe es im Haus nur eine Wasseruhr für acht Parteien. „Wasserkosten werden auf die Wohnfläche ungelegt“, erklärt er. „Meine Bitte, Regenwasser sammeln zu dürfen, lehnte die Vonovia leider ab. Ich wollte Regentonnen aufstellen.“ Auch seiner Aufforderung, eine eigene Wasseruhr in die Wohnung zu installieren, sei Vonovia nicht nachgekommen.

Riemenschneider sagt, dass er bereits seit zwei Jahren mit Vonovia diskutiere. „Was bleibt ist, dass sich zwei Mietparteien beklagen.“ Warum Vonovia inzwischen von drei Parteien spreche, sei ihm zusätzlich ein Rätsel. In seinen Augen seien Nachhaltigkeit, Klima- und Artenschutz sowie das Mikroklima in der Innenstadt höherstehend als die Beschwerden seiner Nachbarn. „Das könnte Vonovia doch leicht zu einer anderen Einschätzung der Lage bringen.“

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