Wie geht es den Mainzer Metzgern?

In ganz Deutschland müssen immer mehr Metzgereien schließen. Doch wie stark ist Mainz vom Metzgereien-Sterben betroffen? Und wie groß ist der Qualitätsunterschied zwischen Metzgerei und Fleischtheke im Supermarkt?

Wie geht es den Mainzer Metzgern?

Grillfleisch, Wurst-Aufschnitt, Sonntagsbraten - wer Beratung, gute Qualität und artgerechte Tierhaltung schätzt, kauft sein Fleisch beim Metzger. Doch Mainzer Stadtteile wie Hechtsheim oder Drais haben beispielsweise keine eigenen mehr. Die Hechtsheimer werden zumindest an ein paar Tagen in der Woche von Fleischern aus anderen Stadtteilen versorgt, doch kann es sein, dass die Mainzer Metzgereien aussterben?

Dramatischer Rückgang

„Der Eindruck, dass jedes Jahr Metzgereien in Mainz schließen, täuscht keineswegs“, sagt Marc Keßler von der Fleischerinnung Mainz-Bingen. Das sei allerdings kein reines Mainz-Problem: „ Jedes Jahr schließen circa drei Prozent der Metzgereien in Deutschland.“ Doch auch in Mainz ist ein extremer Rückgang zu bemerken. 1997 zählte die Innung noch 70 Metzgereibetriebe nur in Mainz. 2012 waren es nur noch 46 Metzgereien - da waren die Metzgerinnungen aus Mainz und Bingen aber schon fusioniert und im Jahr 2019 gibt es im gesamten Gebiet nur noch 30 Betriebe.

Gründe für diese Entwicklung gibt es laut Marc Keßler viele. „Es ist schwierig für Metzgereien Nachfolger zu finden, da oftmals die gesetzlichen Auflagen kaum noch zu erfüllen sind. Um die Nachfolge in einem Betrieb überhaupt antreten zu können, muss man erst einmal eine fertig abgeschlossene Berufsausbildung sowie den Meisterbrief in der Tasche haben.“ Das Problem: Viele Schulabgänger wollen einfach keine Metzger werden. „Der Lehrlingsmangel trifft das Handwerk hart, wir Metzger sind besonders stark davon betroffen“, sagt Keßler. Absolvieren Lehrlinge doch ihre Ausbildung, würden sie häufig kurz darauf von großen Supermarktketten abgeworben werden.

„Wir Metzger sind Handwerker und lieben unseren Beruf.“ - Marc Keßler

Dazu komme, dass der Ernährungstrend weg von Wurst und Fleisch und hin zu vegetarischen oder veganen Speisen gehe. „Oftmals sehen sich die Betriebe auch einem immensen Preisdruck der Supermärkte und Discounter gegenüber. Die Kaufentscheidungen der Verbraucher gehen in Deutschland auch bei Lebensmitteln immer noch über den Preis“, sagt Keßler. Für ihn ist auch klar, warum sich der Einkauf beim Metzger für den Kunden am Ende lohnt: „Wir Metzger sind Handwerker und lieben unseren Beruf und gerade die Vielfalt in den einzelnen, zum Teil sehr kleinen, Betrieben ist es doch, was den Einkauf in einer Metzgerei ausmacht.“

Das sagt die Verbraucherzentrale

Den Unterschied zwischen Metzgerei und Supermarkt oder Discounter erklärt Susanne Umbach von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Sie sagt: „Generell ist Fleischeinkauf Vertrauenssache. Aber der Metzger um die Ecke schlachtet in der Regel nicht mehr selbst.“ Fleisch oder Wurst aus Supermärkten müsse daher nicht automatisch von schlechterer Qualität sein. „Supermärkte beteiligen sich teilweise auch an der Qualitätssicherung. Sie kaufen in größeren Mengen als der Metzger um die Ecke, daher können in sie in manchen Fällen dem Verbraucher auch einen besseren Preis machen.“ Generell gelte aber in Sachen Fleisch das Sprichwort: „Qualität hat ihren Preis. Aber es heißt nicht automatisch, dass teureres Fleisch immer besser ist. Hier hilft nur, dass es mehr Transparenz gibt über die Haltungsbedingungen der Tiere.“

Das sagt der Metzger-Meister

Thomas Frankenberger führt seit dem Jahr 2000 die Metzgerei Frankenberger in der Schießgartenstraße. In diesem Jahr feiert der Betrieb 111-jähriges Bestehen und ans Aufhören will Frankenberger nicht denken: „Unsere Kunden sind uns treu. Sie schätzen die Herzlichkeit meiner Mitarbeiter, die Qualität unserer Waren und die Tatsache, dass wir unseren Job mit Überzeugung ausüben“, sagt er. Für Frankenberger steht der Betrieb laut eigener Aussage an erster Stelle. Gerade weil die Metzgerei neben dem klassischen Ladenverkauf auch Catering-Aufträge erfüllt, wird der Beruf oft zum „Knochenjob“. „So ist das eben in Familienbetrieben, die Arbeit muss erledigt werden“, sagt er.

Dass viele Metzgereien aus Mainz verschwinden, findet Frankenberger nicht gut: „Dadurch geht die Vielfalt verloren. Es ist doch wichtig, dass die Verbraucher eine möglichst große Auswahl an Anbietern und Produkten haben.“ Früher hat Frankenberger selbst ausgebildet, doch in den letzten fünf Jahren hatte er in seinem Betrieb keinen Lehrling mehr. Würde sich ein Azubi melden und zum Betrieb passen, würde Frankenberger ihm eine Ausbildung ermöglichen. Doch die Realität sieht anders aus: „Ich habe eine Art Dauerabo beim Arbeitsamt geschaltet, doch es bewirbt sich einfach niemand bei uns“, so Frankenberger. Den Kollegen gehe es da meistens nicht anders.

„Es ist doch wichtig, dass die Verbraucher eine möglichst große Auswahl an Anbietern und Produkten haben.“ - Thomas Frankenberger, Metzger

Doch wie kann sich Frankenberger mit seinem Laden halten? Zum einen liege es an der Lage der Metzgerei. Zwischen Großer Bleiche und Kaiserstraße würden die Kunden sowohl aus der Alt- als auch aus der Neustadt zu ihm kommen. In den vergangenen Jahren habe sein Betrieb sogar einen Zuwachs an Kunden erlebt. „Gerade ab 2010 hat sich meiner Meinung nach bei den Verbrauchern viel am Kaufverhalten geändert. Früher ging es oft darum, möglichst große Mengen für möglichst wenig Geld zu kaufen. Nach einigen Lebensmittelskandalen setzten die Verbraucher nun auf qualitativ hochwertigere Waren, davon profitiere auch ich.“

Doch der Metzger ist auch anpassungsfähig. Egal ob Heiße Theke oder Catering-Service: die Wünsche der Kunden will Frankenberger erfüllen. „Wenn Kunden das ein oder andere vegetarische oder vegane Gericht bestellen, dann liefere ich ihnen auch das.“ Auch Allergien und Unverträglichkeiten würden inzwischen eine große Rolle spielen. Frankenberger sagt: „Wir versuchen unsere Kunden auch weiterhin mit Herzlichkeit und Hingabe zu überzeugen. In den vergangenen 111 Jahren hat sich dieses System bewährt.“ (df)

Logo