Es ist die Erfüllung eines langjährigen Versprechens: Der Mainzer Dokumentarfilmer Justin Peach holt den Protagonisten seines erfolgreichen Films „Kleine Wölfe“ aus Nepal nach Deutschland. Für eine Kinotour durch die Region, unter anderem in Mainz, Wiesbaden und Frankfurt, kommt der heute erwachsene Sonu erstmals nach Europa. Die ganze Geschichte hat Peach im Merkurist-Podcast „Das Mainz-Gespräch“ erzählt.
Alles begann um 2009 mit einem Abschlussprojekt an der Mainzer Fachhochschule. Für seinen Dokumentarfilm „Kleine Wölfe“ begleitete Peach eine Gruppe von Straßenkindern in Kathmandu, der Hauptstadt Nepals. Im Mittelpunkt stand der damals zehnjährige Sonu. Der Film wurde ein unerwarteter Erfolg, lief im ZDF und wurde für den Grimme-Preis nominiert.
Doch nach dem Erfolg verlor Peach den Kontakt zu Sonu. Wie der Filmemacher erzählt, hatte er über die Jahre ein schlechtes Gewissen, weil er vom Erfolg des Films profitiert hatte, während das Schicksal des Jungen ungewiss blieb. Angetrieben von Kommentaren im Internet, die ihm Ausbeutung vorwarfen, fasste er einen Entschluss.
Ein Versprechen wird eingelöst
Zehn Jahre nach dem ersten Film, im Jahr 2019, flog Peach zurück nach Nepal, um Sonu zu suchen. Tatsächlich fand er ihn wieder. Sonu war inzwischen ein junger Mann, hatte eine Zeit in einer Drogen-Entzugsklinik hinter sich und war Vater einer kleinen Tochter. Aus dieser Wiederbegegnung entstand der zweite Film, „Streetline“.
Bei seinem Besuch machte Peach Sonu ein Versprechen, um ihn zu motivieren: „Wenn du es schaffst, fünf Jahre clean zu sein, dann lade ich dich nach Deutschland ein.“ Sonu hat es geschafft. Jetzt, fast sechs Jahre später, wird das Versprechen eingelöst. Gemeinsam mit seiner Schwester und einer Sozialarbeiterin kommt er für die Kinotour ins Rhein-Main-Gebiet.
Verein „Kleine Wölfe“ finanziert Schulbildung
Um den Kindern nachhaltig zu helfen, gründete Peach mit seinem Team den gemeinnützigen Verein „Kleine Wölfe e.V.“. Mit Spenden und durch Crowdfunding finanziert der Verein Schulpatenschaften für die Kinder aus dem Film und ihrer Nachbarschaft. „Wir wollen diesen Teufelskreis durchbrechen durch Bildung“, erklärt Peach im Podcast. Die Hilfe komme eins zu eins bei den Familien an.
Bei der Kinotour in Mainz, Wiesbaden, Frankfurt, Bingen und Oppenheim wird der erste Film „Kleine Wölfe“ gezeigt. Das Besondere: Im Anschluss an die Vorführungen können die Zuschauer direkt mit Sonu ins Gespräch kommen. Für Sonu und seine Begleiterinnen ist es die erste Reise außerhalb Nepals.