Mainzer Bundestagsabgeordneter über Corona-Politik und seine Zukunftspläne

Im Merkurist-Interview spricht Jungpolitiker Daniel Baldy (SPD) über Politik in der Pandemie und was er nach seiner Zeit im Bundestag machen möchte.

Mainzer Bundestagsabgeordneter über Corona-Politik und seine Zukunftspläne

Im ersten Teil unseres Merkurist-Interviews haben wir mit dem Mainzer SPD-Bundestagsabgeordneten Daniel Baldy (27) über seine ersten Wochen als Abgeordneter und mögliche Fettnäpfchen als Jung-Parlamentarier gesprochen. In Teil 2 geht es nun um Politik während der Corona-Pandemie und Baldys Zukunftspläne.

Merkurist: Warum haben Sie sich bereits mit 16 Jahren dazu entschlossen, in die SPD einzutreten und sich politisch einzubringen?

Daniel Baldy: Ich war schon immer politisch interessiert, zum Beispiel als Schülersprecher an meiner Schule. Übrigens auch schon vor meinem Eintritt in die SPD. Es war damals die Zeit, als in manchen Bundesländern die Einführung von Studiengebühren diskutiert wurde, dieses Thema hat mich interessiert.

Warum?

Für mich war es immer selbstverständlich, dass ich Abitur machen werde und eines Tages studieren kann – als Arbeiterkind. Eines Tages habe ich eine Statistik gesehen, die gezeigt hat, dass dieser Weg für Arbeiterkinder überhaupt nicht selbstverständlich ist. Ein Akademiker-Kind hat zum Beispiel dreimal höhere Chancen, das Abitur zu machen, als es bei Nicht-Akademikerkindern der Fall ist.

Bildungschancen sind in Deutschland eben nicht gleich verteilt. Diese Erkenntnis in Kombination mit der Diskussion, in CDU-geführten Bundesländern wieder Studiengebühren einzuführen, das war der Ausschlag zu sagen: Ich will, dass mehr Menschen in Deutschland alle Chancen haben, die sie sich wünschen. Das darf nicht von den finanziellen Möglichkeiten der Eltern abhängen. Zusammen mit meinem besten Kumpel bin ich dann in die SPD eingetreten.

Und wie ist es dazu gekommen, dass Sie nicht nur Parteimitglied sein wollten, sondern auch aktiv Politik mitbestimmen?

2014 war mir klar, dass ich für den Gemeinderat bei der Kommunalwahl kandidieren möchte. Man erledigt eben seine Aufgaben – ist gut darin und irgendwann wird man gefragt, ob man nicht noch ein bisschen mehr machen möchte. Als im Sommer 2020 die Debatte bei der SPD Mainz-Bingen geführt wurde, wer für den Bundestag kandidieren soll, fielen verschiedene Namen – meiner auch. Also habe ich mir das überlegt und gesagt: Ich würde das gerne machen.

Das klingt ja beinahe so, als seien Sie mal eben so in den Bundestag geraten. Ist Politik nicht wie oft beschrieben ein erbitterter Kampf – auch innerhalb einer Partei?

Ganz so einfach ist es nicht, das stimmt. Wir hatten zwei Kandidaten - Jana Schneiß und mich - für den Wahlkreis Mainz-Bingen im Sinn und mussten uns logischerweise auf einen einigen. Auf dem Parteitag in Mainz-Bingen gab es dann eine Abstimmung, auf der man sich mehrheitlich für mich als Kandidaten ausgesprochen hat.

Jana und ich haben uns in dieser Zeit aber gut verhalten, wie ich finde. Wir waren zusammen bei den Jusos aktiv und kennen uns schon seit acht Jahren, von daher habe ich sie auch nicht als Kontrahentin wahrgenommen, die ich nicht leiden kann.

Sie sind ausgebildeter Lehrer für die Fächer katholische Religion, Geschichte und Sozialkunde, inwiefern hilft das als Politiker?

Als Lehrer entwickelt man ein gewisses Menschengespür und erkennt, was dem Gegenüber auf dem Herzen liegt. Als Lehrer ist man ja in einer spannenden Rolle: Einerseits steht man vorne, andererseits ist man dennoch Teil von etwas Größerem und muss sich auch unterordnen können. Dadurch kommt man nicht in die Gefahr, ständig den Chef raushängen zu lassen. Und natürlich hat man als Lehrer auch gelernt, mit unterschiedlichen Menschen umzugehen.

Das Thema Corona ist gerade allgegenwärtig. Hätten Sie sich eigentlich gewünscht, in einer ruhigeren Zeit ihre Arbeit als Bundestagsabgeordneter aufzunehmen?

Ja, es ist eine schwierige Zeit und manche Themen wie die Verkehrswende geraten etwas in den Hintergrund. Andererseits hat die Corona-Krise auch gezeigt, dass viele typische SPD-Themen sehr präsent sind.

Welche Themen haben Sie da im Kopf?

Zum Beispiel das Thema Gesundheitsversorgung, sowohl was die Klinikschließungen oder die Versorgung im ländlichen Raum angeht. Dann natürlich das Thema Chancengleichheit im Bildungssystem oder der Internetausbau – Stichwort Homeoffice. All die gesellschaftlichen Probleme, auf die wir schon länger aufmerksam gemacht haben, sind nun nochmal mehr in den Fokus gerückt.

Ich hoffe, dass Corona hier einen Impuls für die nächsten vier Jahre gibt. Um auf die eigentliche Frage zu antworten: Ich finde es nicht schlimm, dass meine Zeit im Bundestag so startet. Aber um es mal sehr salopp zu sagen: Ich hätte auch auf Corona verzichten können.

Haben Sie für sich eigentlich schon definiert, wie lange Sie im Bundestag bleiben wollen? Auch wenn das natürlich nicht alleine Ihre persönliche Entscheidung ist.

Ich finde es wichtig, auf die Wähler zu hören. Wenn ich irgendwann merke, dass der Kontakt fehlt oder ich das Gefühl habe, es funktioniert nicht mehr, dann sollte ich es wohl bleiben lassen. Eine persönliche Altersgrenze habe ich mir aber nicht gesetzt. Oder sagen wir es so: Wenn ich jetzt ein Alter sage, dann fliegt es mir in 20 Jahren um die Ohren (lacht).

„Bevor ich mir einen Porsche kaufe und in die Midlife-Crisis komme, wechsle ich lieber den Beruf“ - Daniel Baldy

Aber im Ernst: Ich habe immer gesagt, ich will in meinem Leben nicht nur dasselbe machen. Wenn es mit dem Bundestag nicht geklappt hätte, hätte ich auch gerne als Lehrer gearbeitet – aber nicht für den Rest meines Berufslebens. So möchte ich das mit der Karriere als Bundestagsabgeordneter auch halten. Aus der jetzigen Perspektive betrachtet denke ich aber, dass ich spätestens mit Mitte 40 eine Veränderung erleben sollte. Bevor ich mir einen Porsche kaufe und in die Midlife-Crisis komme, wechsle ich lieber den Beruf (lacht).

Und dann werden Sie doch nochmal Lehrer, oder gibt es für diese Zeit schon andere Pläne?

Ich weiß es noch nicht. Gerade im Lehrerberuf ändern sich gefühlt jedes Jahr Methoden und Herangehensweisen. Wer weiß, ob ich das in 20 Jahren dann nochmal aufholen kann. Vielleicht mache ich aber nochmal etwas ganz anderes – vielleicht ja sogar einen Beruf, den es jetzt noch gar nicht gibt?

Danke für das Gespräch, Daniel Baldy.

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