Mainz-05-Boss Hofmann: „Der Bruchweg ist unser Herz“

Wie realistisch ist die Gründung einer Frauenfußball-Mannschaft beim FSV Mainz 05? Und wie will der Verein neue Fans für sich gewinnen? Wir haben mit dem Vereinsvorsitzenden Stefan Hofmann darüber gesprochen. Teil 2 unseres Interviews.

Mainz-05-Boss Hofmann: „Der Bruchweg ist unser Herz“

Früher war Stefan Hofmann (56) Leiter des Nachwuchsleistungszentrums beim FSV Mainz 05, seit Januar 2018 ist er der Vereinsvorsitzende. Im zweiten Teil unseres Merkurist-Interviews erklärt Hofmann, wie der Verein neue Fans gewinnen will und warum man bei Mainz 05 derzeit nicht an die Gründung einer Frauenfußball-Mannschaft denkt.

Sie sind als Vereinsvorsitzender von Mainz 05 angetreten und haben betont, dass der Verein in der Stadt sichtbarer werden muss…

Wobei man sagen muss, dass die sportliche Aktualität das ganze Thema gerade natürlich extrem beeinflusst und das in dieser Form nicht geplant war (lacht).

Das haben Sie damals sicherlich anders gemeint. Es gibt Aktionen wie die 05er-Fastnachtssitzung, das Team fährt beim Rosenmontagszug auf einem Motivwagen mit, Spieler und Trainer sind in Kneipen zu den Fans gegangen. Wie kam das Ihrer Meinung nach bei den Mainzern an?

Das Interesse an unserem Verein hat nachgelassen, aus den unterschiedlichsten Gründen. Das haben wir erkannt. Wir haben eine klare Strategie und wollen zeigen, dass wir zur Stadt und zur Region gehören und nah an den Menschen sind. Wir möchten alle dazu animieren, sich mehr für Mainz 05 zu interessieren und zu begeistern.

Sind in Zukunft weitere Aktionen dieser Art geplant?

Die von Ihnen angesprochenen Fastnachtsaktionen sind zwei Maßnahmen, die im kommenden Jahr wieder stattfinden. Gleiches gilt für die Kneipentour. Die bereits bestehenden Maßnahmen werden wir konsequent fortführen und andere Ideen weiterentwickeln. Wir haben bereits ein Konzept mit kleineren Vereinen aus der Region geplant, auch dort möchten wir präsenter sein und uns noch näher mit den Vereinen und dem Nachwuchsfußball in der Region verbinden. Das sind schließlich die Fans der Zukunft.

In der Anfangseuphorie um die neue Arena, waren mit Sicherheit auch viele Menschen im Stadion, die einfach mal interessiert waren am Fußball. Aber es waren nicht nur klassische Fans von Mainz 05, die ins Stadion kamen. Diese Interessierten haben wir in dieser Zeit nicht an uns gebunden. Jetzt pendelt sich vieles ein. Unsere Aufgabe ist es, neue Fans zu rekrutieren. Kurzfristig können wir mit entsprechenden Leistungen und ansprechendem Fußball etwas für unseren Zuschauerschnitt tun. Aber langfristig gesehen müssen wir mit den genannten Aktionen wieder mehr Fans an den Verein binden.

Ebenfalls ein Punkt auf Ihrer Agenda: Mainz 05 soll wieder von einem zentraleren Standpunkt aus agieren. Derzeit gibt es die Opel Arena in Bretzenheim, die Geschäftsstelle in der Isaac-Fulda-Allee, dazu das Trainingsgelände und weitere Büroräume rund um das Bruchwegstadion und das Kolping-Haus, in dem die Jugendspieler untergebracht sind. Welche Pläne verfolgen Sie hier genau?

Unser Bestreben ist es, am Bruchweg den Neubau eines Funktions- und Geschäftsstellengebäudes voranzutreiben. Möglichst innerhalb der nächsten drei Jahre. Funktionsgebäude deshalb, weil die Funktionsräume unserer Profis auch in die Jahre gekommen sind. Sämtliche Einrichtungen der Profis sind in der alten Haupttribüne des Bruchwegstadions untergebracht. Diese sind bald 20 Jahre alt. Dort wurde natürlich immer mal wieder etwas getan, doch die Zeit ist in diesem Fall ein wenig an uns vorbeigerauscht. Wir müssen nachziehen, um adäquate Bedingungen für den Profisport zu schaffen.

Und der andere Teil des Gebäudes?

Der soll die Geschäftsstelle bilden. Wir stellen im täglichen Betrieb immer wieder fest, dass wir zusammenwachsen müssen. Das Zusammenarbeiten zwischen Sport und Verwaltung ist aufgrund der räumlichen Trennung im Moment noch nicht so, wie wir uns das vorstellen. Da spielen besonders die weiten Wege eine Rolle. In Kürze wollen wir die entsprechenden Anträge zu diesem Bau vorbereiten.

Wir haben uns bewusst dafür entschieden, am Bruchweg zu bleiben: Der Bruchweg ist unser Herz, nach wie vor unsere Heimat, das Trainingszentrum. Die Platzkapazitäten am Bruchweg sind allerdings äußerst begrenzt. Hier hoffen wir auf die Unterstützung der Stadt Mainz. Es darf für unseren Nachwuchs dadurch kein Wettbewerbsnachteil entstehen, weil wir zum Beispiel zu wenige Trainingsrasenflächen haben. Wir wissen, dass der Bruchweg mitten im Wohngebiet liegt, es alles ziemlich eng und bewachsen ist; aber wir sind für jeden zusätzlichen Quadratmeter, den wir hier für den Sport nutzen können, dankbar.

Was halten Sie grundsätzlich von der Idee, zukünftig eine Mainz-05-Frauenfußball-Mannschaft zu stellen?

Damit können wir uns im Moment aufgrund der genannten Platzprobleme überhaupt nicht beschäftigen. Die Kapazitäten dafür sind aktuell einfach nicht vorhanden.

Wenn die Kapazitäten vorhanden wären, könnten Sie sich dann vorstellen, eine Frauenmannschaft einzurichten?

Absolut! Ich bin sogar überzeugt davon, dass uns das als Verein weiterbringen würde. Es würde unsere Basis verbreitern. Im Moment ist es für mich aber nicht realistisch, nicht greifbar. Nachwuchsteams haben bei uns im Trainingsbetrieb selten einen ganzen Fußballplatz für sich, und da reden wir auch über unsere Leistungsmannschaften, wie die U17 oder die U19, die in der Junioren-Bundesliga erfolgreich spielen. Bevor dieses Problem nicht gelöst ist, brauchen wir an eine Ausweitung des Trainings- und Spielbetriebs überhaupt nicht zu denken.

Am Montagabend steht das Bundesliga-Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt an. Manche Fans sehen diese Begegnung als Derby, andere nicht. Ist es denn für Sie persönlich ein Derby?

Na klar, für mich ist es ein Derby. Ich komme ja aus dem Nachwuchsbereich, habe seit 2005 regelmäßig gegen Teams von Eintracht Frankfurt gespielt. Glauben Sie mir, wann immer wir in Frankfurt spielen oder die Eintracht nach Mainz kommt, geht es heiß her. Allein die räumliche Nähe, dazu kennen sich die Jungs im Jugendbereich alle untereinander - das ist bei den Profis sicherlich nicht ganz so extrem. Aber es ist ein klares Derby: Die Jungs sehen das so, die Trainer sehen das so und wir sehen das auch so. Wie das der einzelne Fan sieht, ist mir ehrlich gesagt egal (lacht).

Ihr Amtsvorgänger, Johannes Kaluza, war für ein Accessoire besonders bekannt: seine rote Hose. Haben Sie eigentlich einen ähnlichen Glücksbringer?

Ein bisschen abergläubisch ist jeder. Ich habe immer einen Fanschal dabei und da ich viele Fanclubs besuche, bin ich in der Hinsicht bestens ausgestattet. Ich wechsle nach jeder Niederlage den Schal und musste leider bisher in dieser Saison schon oft wechseln…. Gegen Hoffenheim habe ich zum Beispiel den Schal des Fanclubs „Liebe Leben Leidenschaft“ dabeigehabt. Den werde ich mit Sicherheit auch gegen Frankfurt tragen.

Vielen Dank für das Gespräch, Stefan Hofmann!

Im ersten Teil unseres Merkurist-Interviews mit Stefan Hofmann ging es um die Frage, wie die 05er auf Achim Beierlorzer als neuen Trainer gekommen sind und warum Hofmann die Trennung von dessen Vorgänger Sandro Schwarz so schwer gefallen ist.

Das Interview führten Denise Frommeyer und Peter Kroh.

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