Privilegien für Geimpfte? Das sagt OB Ebling

Seit Ende Dezember werden in Mainz Menschen gegen das Coronavirus geimpft. Doch geht das Impfen schnell genug voran? Und sollten Geimpfte Privilegien erhalten? Darüber haben wir mit OB Ebling im zweiten Teil unseres Merkurist-Interviews gesprochen.

Privilegien für Geimpfte? Das sagt OB Ebling

Im ersten Teil des Merkurist-Interviews mit Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) sprach der OB unter anderem über Alternativen zum Lockdown und Fastnacht in Corona-Zeiten. Im zweiten Teil haben wir ihn gefragt, wie die Stadt Mainz ältere Menschen vor dem Coronavirus schützen kann und ob es Privilegien für Geimpfte geben sollte.

Merkurist: Viele Menschen haben den Eindruck, wir impfen momentan zu langsam. Ist das auch Ihr Eindruck?

Michael Ebling: Ja, das ist auch mein Eindruck – und dafür gibt es auch Gründe. Wir haben zwar recht früh begonnen im Vergleich zu anderen Ländern. Auch hier in Mainz ging es am 27. Dezember los. Und es war auch richtig, erst einmal mit mobilen Impfteams zunächst in die Alten- und Pflegeheime zu gehen. Richtig ist auch: Mit dem mühsamen Impfen in Heimen erreiche ich nicht sofort große Zahlen.

Aber: Das Kernproblem ist, dass momentan nicht genügend Impfstoff vorhanden ist. Am Beispiel von Mainz heißt das: Unser Impfzentrum könnte deutlich mehr impfen, als das momentan geschieht. Ich bin froh, dass an allen Stellen nochmal nachgebessert werden soll. Und was mich auch freut: Die Impfbereitschaft ist groß. Am Anfang gab es noch Probleme bei der Anmeldung auf der zentralen Meldeplattform des Landes, das war auch nicht so überraschend, da ja eine Vielzahl impfbereiter Menschen zeitgleich zugegriffen hat. Aber auch das hat sich mittlerweile verbessert. Ich habe den Selbstversuch gemacht und meinen 86-jährigen Vater abends über die Homepage angemeldet – und das hat problemlos funktioniert.

Kann die Stadt Mainz noch etwas tun, um das Impfen zu beschleunigen?

Wir hängen als Stadt natürlich an der Verteilung des Impfstoffs, der über die Europäische Union zu den Staaten geht und von dort aus zu den Ländern und dann wiederum zu den Kommunen geht. Solange es nicht mehr Impfstoff gibt, können wir die Infrastruktur gar nicht bis zur Auslastung bringen. Ich wünschte, es wäre so. Denn letztlich entscheidet die Frage, wie schnell wir impfen können darüber, wie schnell wir die Pandemie beherrschen können.

Sollte es Privilegien für Geimpfte geben?

Bei der Formulierung widerspreche ich. Es geht nicht um Privilegien. Im Moment sind Grundrechte eingeschränkt. Ein Mensch, der geimpft wird, würde also kein Privileg erhalten, sondern einfach seine vollen Grundrechte zurückbekommen. Diese Frage wird in Zukunft auf uns zukommen: Bis zu welchem Punkt ist es denn noch vertretbar, dass wir diese massiven Grundrechtseinschränkungen haben?

Im Moment sind die Einschränkungen absolut vertretbar, weil die Gefahr besteht, dass zu viele Menschen infiziert werden und das Gesundheitssystem überlastet wird. Am Ende würde der Gesundheitsschutz von allen leiden. Aber wenn diese Begründung durch eine fortgeschrittene Zahl an Geimpften wegfällt, können wir nicht einfach weiter im Lockdown bleiben. Dann müssen wir uns andere Fragen stellen: Zum Beispiel wie können wir die Nachverfolgung von Infizierten weiter verbessern? Da gibt es mittlerweile gute Ansätze, wie man gleichzeitig den Datenschutz einhalten kann.

Was kann die Stadt Mainz bis dahin weiter tun, um ältere Menschen zu schützen?

Im Moment müssen wir vor allem auf das Thema Impfung setzen und auch dafür werben, dass sich beispielsweise Bewohner von Heimen, aber auch das Personal impfen lassen. Unser Ziel ist es, dass wir schon im Januar mit den mobilen Impfteams durch die Heime kommen. Als nächsten Schritt müssen wir gemeinsam mit dem Land dafür sorgen, dass auch Ältere geimpft werden, die nicht in Heimen leben, aber auch pflegebedürftig sind.

Und abgesehen vom Impfen? Was kann die Stadt noch für Ältere machen? Es gibt ja Konzepte wie kostenlose Taxifahrten oder Einkaufsstunden für Senioren.

Das waren ja die Vorschläge, die aus Tübingen kamen, mit dem Hinweis, dass die Infektionszahlen dort sinken. Im Nachhinein hat sich aber herausgestellt, dass die Zahlen nicht so richtig waren und am Ende war man dann doch eher vorsichtig, ob das so ein guter Weg ist. Wir sind natürlich immer offen für gute Vorschläge. Aber mit dem Impfstoff ist uns jetzt das Instrument in die Hand gegeben worden, das am effektivsten ist.

Vielen Dank für das Gespräch, Michael Ebling.

Das Interview führten Peter Kroh und Ralf Keinath.

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