„Nonsens-Diskussion“: Debatte über Mainzer Leihräder geht weiter

Nachdem der Wiesbadener Verkehrsbetrieb aus dem Verleihsystem „MeinRad“ ausgestiegen ist, wird in Mainz über die Sinnhaftigkeit des Systems diskutiert. Am Dienstag meldete sich die SPD zu Wort.

„Nonsens-Diskussion“: Debatte über Mainzer Leihräder geht weiter

Die Debatte um „MeinRad“-Leihfahrräder der Mainzer Verkehrsgesellschaft (MVG) geht weiter. In der vergangenen Woche hatte der Wiesbadener Verkehrsbetrieb ESWE Verkehr angekündigt, den Radverleih vorerst auszusetzen. Dort hatte sich „MeinRad“ wirtschaftlich offenbar nicht gelohnt, weshalb nun ein verbessertes Konzept erarbeitet werden soll (wir berichteten).

Am vergangenen Montag hatte die Mainzer Stadtratsfraktion der CDU gefordert, das System auch in Mainz grundsätzlich zu prüfen und ebenfalls abzuschaffen, sollte es nicht rentabel sein (wir berichteten). „Am Ende muss es eine Kosten-Nutzen-Abwägung sein und das bestehende System scheint offensichtlich kein adäquates Angebot zu sein, was durch die geringe Nachfrage belegt wird“, sagte der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Stadtratsfraktion, Thomas Gerster.

SPD hält Diskussion für „Nonsens“

Am Dienstag nun zeigte sich die Mainzer Stadtratsfraktion der SPD verwundert über die Debatte, sprach sogar von einer „Nonsens-Diskussion“ um die Leihräder. „Leider ist das schon der zweite größere Akt in einem traurigen Spiel Wiesbadener Verkehrspolitik – nach der Ablehnung der CityBahn folgt nun der Ausstieg aus dem kommunalen Bikesharing-System“, so Erik Donner, verkehrspolitischer Sprecher der Mainzer SPD-Stadtratsfraktion. Klar sei, dass die Mobilitätswende Geld koste und es sie nicht zum Nulltarif geben könne, so Donner weiter. Jeder Euro, den die Landeshauptstadt Mainz und die Mainzer Stadtwerke in MeinRad investieren würden, sei sehr gut angelegtes Geld.

„Die Landeshauptstadt Mainz bekennt sich klar zu seinem kommunalen Radverleihsystem und stärkt es: Beispielsweise dürfen seit 1. März alle städtischen Mitarbeiter:innen MeinRad zu dienstlichen sowie privaten Zwecken die ersten 60 Minuten kostenfrei nutzen“, erklärt Donner. Zudem hatte auch der Landkreis Groß-Gerau in seiner Kreistagssitzung am vergangenen Montag die Ausweitung von MeinRad auf den früheren Mainzer Stadtteil Bischofsheim beschlossen. „Das nützt auch den Mainzerinnen und Mainzern. MeinRad ist Teil der Mobilität der Zukunft in unserer Region“, so Donner.

Der CDU und deren verkehrspolitischem Sprecher Gerster wirft Donner zudem vor, in die „populistische Kiste“ zu greifen: „Wir hoffen, dass sich die CDU nicht auch noch zur Anti-Fahrrad-Partei entwickelt.“

Laut MVG kein Ende in Sicht

MVG-Sprecher Michael Theurer hatte in der vergangenen Woche gegenüber Merkurist bereits erklärt, dass sich ein Ende von „MeinRad“ in Mainz nicht abzeichne: „Hier denkt keiner an eine Einstellung des Systems. Im Gegenteil: Wir haben ehrgeizige Pläne mit MeinRad.“ Von Anfang Januar bis Mitte Mai seien in Mainz knapp 40.000 Räder verliehen worden. Nach zwei Corona-Dellen 2020 und 2021 sei ein Anstieg der Zahlen seit Oktober 2021 in Mainz wieder klar erkennbar, so Theurer weiter.

Übrigens: Ab dem 1. Juni plant die MVG bei „MeinRad“ umfassende Änderungen. Weitere Infos dazu findet ihr hier.

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