Aufregung um „Volldraht“-Zeitung in Mainzer Briefkästen

In der vergangenen Woche lagen in mehreren Mainzer Briefkästen Ausgaben der Zeitung „Volldraht“. Viele wunderten sich, warum sie die Zeitung ungefragt zugestellt bekommen haben. Die Polizei jedenfalls bewertet das Medium kritisch.

Aufregung um „Volldraht“-Zeitung in Mainzer Briefkästen

„Unzensierte Nachrichten“ zu veröffentlichen, damit wirbt die Zeitung „Volldraht“. Inhaltlich beschäftigt sich das Medium wie andere Zeitungen auch mit Politik sowie Gesellschafts- und Kulturthemen. In der vergangenen Woche hatten einige Mainzer die Zeitung in ihren Briefkästen ohne sie abonniert zu haben. Leser Reiner hatte die Zeitung dagegen in einem Backshop in Hechtsheim entdeckt. „Dort auf dem Tresen lagen etwa zehn Stück.“ Ein anderer Leser fragt nun, wer hinter der Zeitung steckt. Politisch verortet der Gonsenheimer das Medium „rechts“.

Zeitung kostet „DM 4,50“

Laut Selbstdefinition auf der Internetseite des Mediums ist das „Volldraht“-Team eine „Gruppe engagierter Menschen, bestehend aus einem Querschnitt unterschiedlicher politischer Meinungen“. Die Zeitung sei „parteipolitisch unabhängig, rau im Ausdruck und unzensiert“, so die Macher. Von der Notwendigkeit ihres neuen Mediums sind sie überzeugt. So würden nämlich immer mehr Menschen erkennen, dass viele Meldungen und Nachrichten in den gängigen Medien auf propagandistischen Interessenlagen beruhten, heißt es auf der Internetseite.

Gleichzeitig wirbt das Medium auch um Leser und Unterstützer des Formats: „Wenn auch Sie die Notwendigkeit erkannt haben, dass wir neue, konzernunabhängige Medien brauchen, die als unzensiertes Sprachrohr arbeiten, dann unterstützen Sie uns durch Ihre Unterstützung und Ihre Anzeigenschaltungen!“ Möglicherweise könnten die Macher mit der Aktion in Mainz auf neue Abonnenten gehofft haben. Der Preis pro Einzelausgabe beläuft sich aktuell auf 2,50 Euro beziehungsweise 4,50 D-Mark, wie auf der Zeitung zu sehen ist.

Ein Blick ins Impressum des Mediums zeigt, dass die Zeitung durch Jörn Baumann vertreten wird. Recherchiert man im Internet zu Baumann, kommt man schnell auf die Seite mit dem Titel „Der BRD-Schwindel - Wie die ‘BRD’ ihr ‘Personal’ verschaukelt!“ Dort gibt es unter anderem Artikel wie „Mediale Vorbereitung auf die massenhaft ausgeführte Vergiftung der Bevölkerung und Umwelt“ oder auch „Thüringen wird zum Judenstaat umgebaut“.

Was die Polizei zu „Volldraht“ sagt

Wie die Mainzer Polizei mitteilt, habe sie bisher noch keine Kenntnis davon gehabt, dass „Volldraht“ auch in Mainz kursiere. Generell gebe es Fachleute bei der Polizei, die sich mit solchen Medien beschäftigen. Das in der Zeitung verbreitete „Gedankengut ist zumindest gesellschaftlich fragwürdig“, so ein Sprecher. Die Zeitung sei eher in der „Reichsbürgerszene“ zu verorten.

Gerne hätten wir auch ein Statemnet von Jörn Baumann eingeholt. Dieser war in den vergangenen Tagen allerdings weder telefonisch noch per Mail zu erreichen.

(pk)

Logo