Wie man Kindern die Angst vorm Zahnarzt nimmt

Bei vielen beginnt die Angst vor dem Zahnarzt bereits im Kindesalter. Wer damals schlechte Erfahrungen gemacht hat, wird sie so schnell nicht wieder los. Doch wie nimmt man Kindern die Angst? Das sagt ein Mainzer Zahnarzt.

Wie man Kindern die Angst vorm Zahnarzt nimmt

Schon im Vorzimmer breitet sich der typische Zahnarztgeruch aus, der Gefahr signalisiert, im Wartezimmer steigt mit jeder Viertelstunde die Angst, bis man schließlich auf dem Zahnarztstuhl sitzt, wo der Halbgott in Weiß eins von zwei Dingen in der Hand hält: Bohrer oder Spritze. Wohl die meisten von uns haben solche Erinnerungen an ihre Zahnarztbesuche aus der Kindheit. Und viele werden sie nicht mehr los.

„Die Angst vor dem Zahnarzt entsteht fast immer in der Kindheit“, sagt Dr. Andreas Sebus vom Ärztehaus mediplus in Bretzenheim. Zwar ist Sebus selbst kein Kinderzahnarzt, er weiß aber wovon er spricht: Seine Frau, Dr. Kathrin Buchinger, ist Kinderzahnärztin im selben Haus, zusammen haben die beiden fünf Kinder im Alter von zwei bis 16 Jahren.

Im mediplus in der Haifa-Allee erinnert nichts mehr an die Horror-Zahnarztbesuche, die man aus der eigenen Kindheit kennt. Der Weg zum Behandlungszimmer ist mit Bildern verziert, über dem Zahnarztstuhl hängt ein Fernseher an der Decke. Im Programm: Ice Age, die Eisprinzessin, Bibi und Tina. „Kinder lassen sich leicht ablenken, das klappt mit Filmen sehr gut“, so Sebus. Und wenn sie alles überstanden haben, bekommen sie eine kleine Belohnung aus der Spielzeugkiste.

„Keine Angst, es tut ja nicht weh“

Während der Behandlung sei vor allem die Ansprache wichtig. „Wenn man Kindern gegenüber von Bohrer und Spritze spricht, ist doch klar, dass sie es mit der Angst zu tun bekommen. Wenn man aber etwa Saubermachkugel oder Kitzelkugel sagt, entsteht schon ein ganz anderes Gefühl.“ Das gleiche rät Sebus auch den Eltern. „Wenn die sagen 'Keine Angst, es tut ja nicht weh' erreichen sie genau das Gegenteil. Was bei den Kindern hängen bleibt, ist 'Angst' und 'wehtun'.“

„Es ist sinnvoll, die Kinder zum eigenen Kontrollbesuch mitzunehmen.“ - Dr. Andreas Sebus

Und wie sollen Eltern ihre Kinder dann auf den Zahnarztbesuch vorbereiten? „Gar nicht“, sagt Sebus, „warum soll man ein Event daraus machen? Kein Wunder, dass sich viele Kinder schon vorher komisch fühlen.“ Sinnvoll sei es aber, Kinder zu den eigenen Kontrollbesuchen mitzunehmen. So lebe man direkt vor, dass Kontrolle das wichtigste sei. Außerdem würden die Kinder besser mit der Örtlichkeit vertraut - auch mit dem Wartezimmer.

Denn die Angst beginnt meistens nicht erst, wenn der Bohrer ausgepackt wird, spätestens im Wartezimmer hat sie bei vielen längst begonnen. Und da ist es laut Sebus nicht gerade beruhigend, wenn die Kinder noch eine Stunde warten müssen. „Wir machen lieber weniger Termine, das ist für die Patienten stressfreier. Bei uns warten sie nur fünf bis zehn Minuten.“ Man nehme lieber ein Lücke in Kauf, wenn ein Patient den Termin absage. Außerdem könne man besser reagieren, falls ein spontaner Notfall reinkommt.

Seit Sommer in der Haifa-Allee

„Kinder sind eigene Wesen, nicht nur kleine Erwachsene“ - Dr. Andreas Sebus

Im Sommer dieses Jahres ist das Ärztehaus vom Gutenberg-Center ein paar hundert Meter weiter in den Neubau in der Haifa-Allee gezogen. Außer der Kinder- und Erwachsenenzahnheilkunde gibt es in der zahnärztlichen Praxisklinik auch eine Kieferorthopädie und eine chirurgische Abteilung. Bewusst haben die Ärzte keine Immobilie in der Innenstadt gesucht: „Die Parkplatzsituation ist einfach schwierig. Außerdem wäre es unmöglich gewesen, ein Haus in dieser Größe zu bekommen.“ Hier kann es eine klare räumliche Trennung zwischen Erwachsenen- und Kinderabteilung sowie der Kieferorthopädie geben. „Diese Trennung ist wichtig. Kinder sind eigene Wesen, nicht nur kleine Erwachsene“, so Sebus. Er selbst fühlt sich aber wohl als Zahnarzt für Erwachsene. „Kinderzahnärzte müssen bei der Behandlung sehr viel reden. Ich rede da wenig“, lacht der Zahnarzt.

Merkurist