Wenn der Nachbar zum Ruhestörer wird

Andauerndes Schreien, ein zu lauter Fernseher oder dröhnende Musik: Nachbarn können zu echten Ruhestörern werden. In Mainz wurden im vergangenen Jahr einige Beamte bei dem Versuch, solch ein Problem zu lösen, sogar verletzt.

Wenn der Nachbar zum Ruhestörer wird

Andreas aus der Lessingstraße in der Neustadt ist genervt. Seit Jahren hat er keine Ruhe mehr, ist gestresst. Doch das liegt weder an einer Dauerbaustelle vor seiner Haustür noch am Fluglärm. Der Grund für manche schlaflose Nacht ist ausgerechnet sein Nachbar. Wie Andreas angibt, sei „extrem lautes Brüllen zu jeder Tag- und Nachtzeit in der Straße zu hören“.

Auch andere Anwohner seien genervt. So hätte schon die ganze Hausgemeinschaft auf den Mann eingeredet. Das Problem seines Nachbarn sei der Alkohol, vermutet Andreas. „Er wurde gefühlt schon 200 Mal im Rettungswagen abtransportiert.“ Das Ordnungsamt sei hier machtlos, sagt Andreas.

Stadt und Polizei ist Fall bekannt

Doch was kann das Ordnungsamt in so einem Fall allgemein tun und gibt es auch eine Lösung für das Problem in der Lessingstraße? Die Stadt Mainz hat jedenfalls Kenntnis von dem Problem. Auf Anfrage teilt Stadtsprecher Marc André Glöckner mit: „Dieser Fall ist dem Ordnungsamt bekannt, es können aus Datenschutzgründen und auf Grund der besonderen Hintergründe jedoch keine Aussage getroffen werden.“ Auch der Polizei liegen „Erkenntnisse über Ruhestörungen und Streitigkeiten“ in der Lessingstraße vor - bisher jedoch nichts strafrechtlich Relevantes. Darüber habe man auch die Stadt Mainz informiert, teilt die Polizei mit.

Zieht man die offiziellen Zahlen der Stadt Mainz heran, dann ist der Fall in der Lessingstraße einer von Tausenden jedes Jahr in Mainz. Wie Stadtsprecher Glöckner sagt, habe das Ordnungsamt im Jahr 2019 mehr als 2200 Ruhestörungen registriert. Solche Fälle gebe es also täglich mehrfach.

Beamten von Ruhestörer verletzt

Die Streitschlichtung vor Ort kann dann aber durchaus gefährlich für die Mitarbeiter der Stadt werden. So reiche zwar in der überwiegenden Zahl der Fälle eine einmalige Ermahnung. In Einzelfällen werde aber die Polizei hinzugezogen, um die Kräfte des Vollzugsdienstes bei besonders uneinsichtigen Ruhestörern zu unterstützen, so Glöckner. Allerdings könne es auch passieren, dass ‘einfache Ruhestörungen’ zu größeren Einsätzen werden, wenn der Ruhestörer aggressiv, stark alkoholisiert oder gegebenenfalls auch psychisch krank ist.

„Bei einem dieser Einsätze wurden im vergangen Jahr beispielsweise vier Vollzugsbeamte durch einen Ruhestörer verletzt.“ Doch was kann das Ordnungsamt tun, wenn es sich bei den Ruhestörern um „alte Bekannte“ handelt? Solche Fälle würden beim Grün -und Umweltamt, das für den „Immissionsschutz“ zuständig ist, zur Anzeige gebracht, erklärt Stadtsprecher Glöckner. Von dort würden dann gegebenenfalls Bußgeldverfahren eingeleitet. (df)

Logo