Wie das ZDF deutsche Fernsehgeschichte sichert

Mehr als 50 Jahre Programm hat sich bis heute in den ZDF-Archiven angesammelt. Doch die Videobänder sind vom Verfall bedroht. Das ZDF hat deshalb begonnen, das gesamte Material zu digitalisieren. Bis 2021 müssen rund 600.000 Bänder überspielt werden.

Wie das ZDF deutsche Fernsehgeschichte sichert

Thomas Gottschalk begrüßt Michael Jackson bei „Wetten, dass…“, Oliver Bierhoff macht mit seinem „Golden Goal“ Deutschland zum Fußball-Europameister und Angela Merkel wird zur ersten Bundeskanzlerin - das sind nur drei von hunderttausenden Fernsehmomenten, die das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) in den vergangenen 50 Jahren gesendet hat.

Rund 300.000 Programmstunden lagern inzwischen in den Archiven des Senders auf dem Lerchenberg. Um dieses Material zu sichern und auch für die Zukunft nutzbar zu machen, muss es auf aktuelle Speichermedien umkopiert werden – genau das ist das Ziel des Projekts „Massenumcodierung“.

Außer dem Sichern des Programms gibt es noch einen weiteren wichtigen Aspekt: So soll das Material optimal erschlossen werden, um bei Bedarf treffsicher darauf zurückgreifen zu können, sagt Dr. Beate Scherer, Leiterin von Archiv und Dokumentation beim ZDF. „Wir benötigen vor allem Material zur Bebilderung aktueller Programmbeiträge.“ Dieses versuche man über den digitalen Massenspeicher bereitzustellen.

Ein Beispiel dafür ist der Fall der Berliner Mauer. Ohne Archiv-Aufnahmen aus dem Jahr 1989 wären Beiträge zu diesem Thema kaum vorstellbar. Nach der Sicherung im Massenspeicher, so Scherer, hätten Mitarbeiter dann einen sofortigen Zugriff auf das Material und könnten so unmittelbar neue Beiträge produzieren.

Zeit drängt

Beim Digitalisieren des Materials steht das ZDF aber auch unter Zeitdruck. Denn bei den älteren Bändern drohen in absehbarer Zeit Zersetzungsprozesse. Die ältesten Kassetten werden deshalb als erstes überspielt. Daneben gibt es noch ein anderes Problem: Viele Abspielgeräte verschwinden bald vom Markt. Wie Projektleiterin Kerstin Eberhard vom ZDF sagt, habe der Sender die letzten Geräte aufgekauft. Fachpersonal für diese Geräte gebe es bald auch nicht mehr. Das erhöhe noch einmal den Druck bei diesem Projekt, das 2021 abgeschlossen sein soll.

Dafür sind nun sechs festangestellte Mitarbeiter aus dem Archiv in Teilzeit und vier Kollegen aus der Produktion verantwortlich. Insgesamt gibt es 22 „Einspielstraßen“ für die Digitalisierung. In zwei Schichten befüllen täglich je zwei Mitarbeiter in der Zeit von 8:30 Uhr bis 1:15 Uhr nachts die Geräte, auf denen dann die alten Videobänder umgewandelt werden.

Weggeschmissen würden die alten Bänder anschließend aber noch nicht, sagt ZDF-Archivleiterin Beate Scherer. So werde später noch kontrolliert, ob das, was überspielt wurde, auch tatsächlich im Massenspeicher angekommen sei. Es wird dann aber nur stichprobenartig kontrolliert. Denn, wie das ZDF angibt, müsste man über 30 Jahre lang ununterbrochen fernsehen, um den gesamten Bestand zu sichten.

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