Wann werden die Draußen-Regeln aufgehoben?

Aerosolforscher sehen es schon lange so: Draußen ist das Risiko für Corona-Infektionen niedrig. Jetzt sieht es auch überraschenderweise Karl Lauterbach ähnlich. Doch warum gibt es dann noch Draußen-Verbote?

Wann werden die Draußen-Regeln aufgehoben?

Es sind Bilder, die wir in Mainz zuletzt an Fastnacht 2020 gesehen haben: Nachdem in Spanien in der Nacht zum 9. Mai der Corona-Alarmzustand aufgehoben wurde, feierten dort Tausende Jugendliche auf den Straßen und Plätzen in Madrid und Barcelona. Wie Bilder in der ARD-Talkshow „Hart aber fair“ zeigten, wurde eng und ohne Maske getanzt und Alkohol getrunken.

Auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach war am Montagabend in der Talkshow zu Gast und wurde gefragt, ob solche Szenen jetzt in Deutschland gefährlich wären. Seine Antwort verblüffte viele Zuschauer: „Ganz offen gesagt: Das kann man nicht genau sagen. Wenn es sich im Außenraum bewegt, dann ist das Risiko wahrscheinlich nicht sehr hoch. Das muss man einräumen.“

Bisher anderer Meinung

Dabei gilt Lauterbach als einer der größten Corona-Mahner der Republik. In der Vergangenheit hatte er immer wieder darauf hingewiesen, dass man sich auch draußen anstecken kann und damit Infektionsketten in Gang setzt. So zeigte er sich skeptisch gegenüber einer Öffnung der Außengastronomie und befürwortete strenge Regeln wie eine Maskenpflicht im Freien. Jetzt sieht er sogar Tausende eng feiernde Menschen ohne Masken als „wahrscheinlich nicht sehr“ hohes Risiko. In der Sendung sagte er zudem, man solle sich jetzt „so viel wie möglich draußen und so wenig wie möglich drinnen“ aufhalten.

Damit liegt Lauterbach auf Linie der Aerosol-Experten wie Gerhard Scheuch, der sich schon lange dafür ausspricht, gerade in der Pandemie möglichst viel Zeit im Freien zu verbringen. Auch eine Öffnung des Weihnachtsmarktes hätte er für richtig gehalten. Denn nur in geschlossenen Räumen sind sogenannte Cluster-Infektionen möglich: Durch stehende Aerosolwolken kann eine infizierte Person mehrere andere Personen anstecken. Draußen sind hingegen nur Eins-zu-Eins-Ansteckungen möglich, etwa wenn zwei Personen über einen längeren Zeitraum dicht beieinander stehen. Scheuch äußerte sich auch auf Twitter zu den neuen Ansichten Lauterbachs: „Nun hat Karl Lauterbach auch anerkannt, dass draußen nicht so viel passiert. Also raus an die frische Luft.“

Warum hat Mainz noch Draußen-Regeln?

In der Stadt Mainz gilt hingegen eine Maskenpflicht in der Fußgängerzone und am Rheinufer. Auf Merkurist-Anfrage teilt Stadt-Pressesprecher Marc André Glöckner mit: „Die Maskenpflichtzonen wurden vom Verwaltungsstab beschlossen, weil festgestellt wurde, dass es in den stark frequentierten Fußgängerzonen der Altstadt und am Rheinufer immer wieder Probleme bei der Einhaltung der Abstandsregeln gibt.“ Die Maskenpflicht sei ein relativ mildes Mittel und sei vor einigen Wochen auch gerichtlich für Mainz bestätigt worden. Die Pflicht wird sogar verlängert (wir berichteten).

Seit 14. Dezember galt zudem in ganz Rheinland-Pfalz ein Alkoholverbot im Freien. Während in Spanien auf den Straßen gefeiert wird, war es daher in Mainz nicht erlaubt, draußen alleine ein Bier zu trinken. Doch das ändert sich ab dem morgigen Freitag: Wie Merkurist berichtete, wird das Alkoholkonsumverbot im Freien aufgehoben.

Keine Feste möglich

Auch Feste im Freien können vorerst nicht stattfinden, wie Stadt-Pressesprecher Glöckner sagt. Er verweist auf die aktuelle Corona-Bekämpfungsverordnung des Landes. Dor heißt es: „Untersagt ist die Öffnung oder Durchführung von 1. Clubs, Diskotheken und ähnlichen Einrichtungen, 2. Kirmes, Volksfesten und ähnlichen Einrichtungen.“ Auch in der neuen Verordnung, die ab Freitag gilt, ist die Stelle noch enthalten. Immerhin könnte am nächsten Donnerstag (27. Mai) die Ausgangssperre in Mainz aufgehoben werden (wir berichteten).

Mit Bildern wie in Spanien ist in Mainz also noch lange nicht zu rechnen – auch wenn die Mainzer Inzidenz (73,2) am Mittwoch fast identisch mit der Inzidenz in Spanien (71,7) war. Stadt-Pressesprecher Glöckner sagt: „Es ist immer wieder zu betonen, dass die Pandemie aktuell noch nicht endgültig im Griff ist und die Inzidenzzahlen noch immer keinen Anlass geben, in den Anstrengungen das Virus zu bekämpfen, nachzulassen.“

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