Deutschlands bekanntester Puppenspieler kommt aus Mainz

Der gebürtige Mainzer Martin Reinl zählt zu den erfolgreichsten Puppenspielern des Landes. Seine selbsterdachten Figuren wie „Wiwaldi“ oder „Horst-Pferdinand“ sind Kult. Und in der legendären Sesamstraße hat Reinl ebenfalls seine Hände im Spiel.

Deutschlands bekanntester Puppenspieler kommt aus Mainz

Zeigte man in einer Fußgängerzone Menschen ein Foto des gebürtigen Mainzers Martin Reinl, würden ihn wohl die wenigsten erkennen. Kein Wunder: Reinls Puppen sind im ganzen Land bekannt, der Mann dahinter bleibt meistens unsichtbar. Martin Reinls Puppen, das sind einerseits Eigenkreationen wie der Hund „Wiwaldi“ oder das alte Zirkuspferd „Horst-Pferdinand“, andererseits spielt der 43-Jährige die bekannten „Sesamstraßen“-Figuren „Grobi“ und „Elmo“.

Bis zu seinem vierten Lebensjahr wohnte Reinl in Mainz. „Damals zogen wir für rund ein Jahr ins Ruhrgebiet, von da aus ging es wieder zurück. Und dann lebten wir in der Nähe von Alzey, wo ich auch die Schule besuchte“, erinnert sich Reinl im Gespräch mit Merkurist. Schon als Kind war er fasziniert von Puppen, dass er eines Tages als Puppenspieler arbeiten würde, konnte sich Reinl aber nicht vorstellen. „Nach der Schule habe ich ein paar Semester Kommunikationsdesign in Wiesbaden studiert. Ich konnte das zwar ganz gut, aber gereizt hat es mich nicht“, sagt er heute.

Aha-Erlebnis in Nieder-Olm

Als er während des Studiums in einem Nieder-Olmer Fotoatelier arbeitete, erlebte Reinl einen Aha-Moment. „Eine Kollegin im Atelier hat mich regelrecht getriezt“, sagt Reinl. „Sie wusste, dass ich Puppen baue und mich dafür interessiere, also sagte sie, wenn wir mal nicht gerade Fotos von Brautpaaren machten: ‘Komm, wir setzen deine Puppen in Szene’“. In dieser Zeit habe er viel gelernt sagt Reinl, auch über sich selbst. „Ich brauche immer einen kleinen Arschtritt. Oder schöner gesagt: Bestätigung.“

Mitte der Neunzigerjahre schmiss Reinl sein Studium in Wiesbaden und brach seine Zelte in der Region ab. Er suchte sein Glück in Köln, studierte dort Film- und Fernsehwissenschaften. „Ich habe nichts gegen meine alte Heimat, ich bin gerne ab und zu noch hier“, so Reinl. Doch das Rheinland und der Studiengang hätten ihn einfach mehr gereizt, sagt er.

Von da an ging es für Reinl Stück für Stück bergauf, er probierte sich auch als Stand-up-Comedian ohne Puppen, verwarf den Plan aber wieder und trat immer öfter mit seinen selbstkreierten Figuren auf. Gastauftritte in der WDR-Sendung „Zimmer frei!“ sorgten dann für größere Bekanntheit. Reinl und seine Puppen erhielten sogar eine eigene Sendung im WDR-Fernsehen: „Die Wiwaldi Show“.

„Grobi“ und „Elmo“

Und dann ging für Martin Reinl ein Traum in Erfüllung: Er wurde Teil der legendären Kindersendung „Sesamstraße“. „Ich kannte einige der Puppenspieler aus der deutschen Version der ‘Sesamstraße’. Ich muss zugeben, dass ich immer ein bisschen neidisch auf die Kollegen war. Selbst bewerben wollte ich mich aber nicht.“ Doch eines Tages wurde Reinl von der Produktionsfirma der Sendung angesprochen und wenig später Teil der „Sesamstraße“. So übernahm er mit der Zeit die Figuren „Grobi“ und „Elmo“. Als er letzteren spielen sollte, erfüllte sich dann der nächste Traum für Reinl.

„Die ‘Sesamstraße’ ist hierzulande ein Mix aus amerikanischen Ausschnitten und in Deutschland produzierten Szenen. Als die ‘Elmo’-Szenen erstmals in Deutschland und nicht in den USA produziert wurden, wollten die Macher sichergehen, dass der deutsche Puppenspieler sich am Original orientiert“, erklärt Reinl. Deshalb wurde er in die Studios der US-Sesamstraße eingeladen, bekam vor Ort eine Art Gebrauchsanweisung für „Elmo“ und konnte einen Blick hinter die Kulissen der Sendung werfen. „Es war alles sehr aufregend. Andere träumen von eiener Begegnung mit Hollywood-Stars, ich habe stattdessen immer von den Puppen der ‘Sesamstraße’ geträumt.“

Nebenbei produziert Reinl eigene Sendungen für den öffentlich-rechtlichen Kinderkanal „Kika“ oder den Privatsender Super RTL. Von September bis Februar steht er in West- und Norddeutschland wieder mit seinen Puppen auf der Bühne. Dass er mal zu den bekanntesten Puppenspielern des Landes gehören würde, hätte sich Martin Reinl nie erträumt. „Innerlich war mir schon früh klar, dass ich Puppenspieler werden wollte“, sagt er heute. „Aber dass ich das Puppenspiel wirklich zu meinem Beruf machen könnte, hätte ich früher nicht gedacht.“ (rk)

Logo