Frauennotruf Mainz unterstützt offenen Brief gegen True-Fruits-Gründer

Der Frauennotruf Mainz hat einen offenen Brief der Autorin Charlotte Roche mitunterzeichnet. Der öffentliche Auftritt des True-Fruits-Gründers Nicolas Lecloux auf einer Marketing-Konferenz sollte verhindert werden. Was es damit auf sich hat.

Frauennotruf Mainz unterstützt offenen Brief gegen True-Fruits-Gründer

Die bunten Smoothie-Flaschen der Marke „True Fruits“ stehen in den Kühlregalen vieler Supermärkte. Oft fallen sie durch provokante Slogans auf den Flaschen ins Auge. Aber diese sind nicht immer harmlos: In der Vergangenheit geriet die Smoothie-Marke durch Slogans wie „Abgefüllt und mitgenommen“ oder „Schafft es selten über die Grenze“ (Slogan auf der Flasche eines schwarzen Getränks) massiv in die Kritik.

Instagram-Statement

Die Autorin und Moderatorin Charlotte Roche hat am 4. November einen offenen Brief auf Instagram veröffentlicht. In diesem spricht sie sich offen gegen den Auftritt von True-Fruits-Mitbegründer Nicolas Lecloux auf der Online-Marketing-Konferenz OMX in Salzburg aus. Der Brief ruft OMX dazu auf, Lecloux wieder von der Konferenz auszuladen. Die Organisatoren hatten den Gründer eingeladen, bei der Konferenz am 21. November über die Marketing-Strategie von „True Fruits“ zu sprechen.

In dem Brief heißt es: „Was sollen die Teilnehmer_innen Ihrer Konferenz von Nicolas Lecloux lernen? Sexistische Beschimpfungen von Frauen? Behindertenfeindliches Marketing? Hetze gegen Geflüchtete? (…) Alles daran ist geschmacklos. Nichts davon verdient eine Bühne.“ Unterzeichnet wurde der Brief unter anderem von der Instagram-Bekanntheit „daria daria“, verschiedenen Frauenrechtsorganisationen und der Comedienne Carolin Kebekus.

Frauennotruf Mainz wird aktiv

Auch der Frauennotruf Mainz gehört zu den Unterzeichnern des Briefes. Der Verein unterstützt Mädchen und Frauen, die sexualisierte Gewalt erlebt oder erfahren haben. Die Marke stand schon vor dem Instagram-Aufruf in der Kritik des Frauennotrufs. In einer Pressemitteilung des Vereins vom 15. Oktober heißt es: „Der Frauennotruf Mainz wirft der Marke ’True Fruits’ vor, ihre Produkte mit rassistischer, sexistischer und provokativer Werbung zu bewerben.“ Viele Menschen empfänden die Werbung nicht nur als entwürdigend oder erniedrigend, sondern auch als sogenannten „Trigger“- also als einen auslösenden Schlüssel-Reiz, der zum Beispiel an erlebte sexualisierte Gewalt erinnert oder eine starke körperliche, psychische und emotionale Reaktion hervorruft.

Dieses Phänomen sei den Mitarbeiterinnen gut aus der Beratungsarbeit bekannt. „Der Frauennotruf Mainz möchte, dass das Unternehmen über den Boykott von Geschäften und Discountern – aber auch von Kund*innen spürt, dass es eine starke Lobby gegen sexistische, diskriminierende Werbung gibt, und dass die Bagatellisierung sexualisierter Gewalt keinen Platz in unserer Gesellschaft hat. Auf einen wertschätzenden und respektvollen Umgang sollten alle achten – auch die Verantwortlichen in der Werbung.“

Ziel des Briefes erreicht

Das Unternehmen „True Fruits“ habe bisher keine Einsicht gezeigt. Der Instagram-Aufruf hat dagegen sein Ziel erreicht: Der OMX-Veranstalter hat Nicolas Lecloux wieder von der Konferenz ausgeladen. In einem Statement des Veranstalters Oliver Hauser vom 5. November heißt es: „Wir nehmen jedes Feedback rund um die Veranstaltung sehr ernst und wollen unseren Besuchern ein inspirierendes sowie familiäres Konferenz-Umfeld bieten. Das soll auch in Zukunft so bleiben. Rassismus, Sexismus und Ausgrenzung lehnen wir strikt ab, genauso wie Intoleranz und Radikalisierungen in jeglicher Form.“

Der Veranstalter habe sich mit Anfeindungen, Aufrufen zum Boykott seiner Veranstaltung, Demonstrationen und Aktionismus konfrontiert gesehen, die den reibungslosen Ablauf der Konferenz und die Sicherheit der Gäste und Vortragenden gefährden. Als Veranstalter sei es seine oberste Aufgabe, für eine geordnete Konferenz zu sorgen. „Mein Team und ich haben uns daher dazu entschlossen, den Vortrag von Nicolas Lecloux aus dem Programm zu nehmen.“

Auf Anfrage von Merkurist wollte sich „True Fruits“ nicht zum Thema äußern. (df)

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