„Für -NICHT- Juristen“: Was es mit dem kuriosen Banner am Zollhafen auf sich hat

Diskriminierung oder doch nur Mainzer Humor? Ein Schild am Marina Zollhafen sorgt für Verwunderung. Merkurist hat mit dem Geschäftsführer gesprochen.

„Für -NICHT- Juristen“: Was es mit dem kuriosen Banner am Zollhafen auf sich hat

Wer des Öfteren am Zollhafen unterwegs ist, hat es vielleicht schon gesehen: Vor dem Grundstück des Marina Zollhafen hängt ein Banner mit der Aufschrift „Privatparkplatz. Unbefugtes Parken ist hier sehr teuer, kostet über 100 ‚Eier‘! (Übersetzung der Schilder für -NICHT- Juristen)“. Ein Merkurist-Leser ist von dieser Formulierung irritiert und vermutet dahinter eine diskriminierende Grundhaltung. Doch was steckt wirklich dahinter? Wir haben mit dem Geschäftsführer gesprochen.

Öffentliche Beschwerde gibt Anstoß

Schon seit mehr als zwei Jahren hänge das Schild dort, erzählt Marina-Geschäftsführer Detlev Höhne. Hintergrund sei ein Fall, bei dem sich eine Falschparkerin an die „Allgemeine Zeitung“ wandte, nachdem sie eine Rechnung von über 100 Euro von einem Inkasso-Unternehmen erhalten hatte. Höhne habe extra einen Dienstleister mit der Verfolgung von Parkverstößen beauftragt, nachdem zahlreiche eigene Maßnahmen erfolglos blieben.

Die Parkplätze, um die es sich handelt, sind im Privatbesitz der Marina. Unbefugtes Parken gilt daher nicht als Verstoß gegen die StVO, sondern als Besitzstörung – und kann um einiges teurer werden als ein normales Knöllchen. Zwölf große Schilder weisen darauf hin, dass das Parken nur für Mieter der Marina gestattet sei und bei unbefugtem Parken bis zu 40 Euro Schadensersatzpauschale zuzüglich Rechtsverfolgungskosten fällig werden können. Genau diese Erklärung habe die Falschparkerin, die sich mit ihrer Beschwerde an die Presse gewandt hatte, jedoch mit fehlenden juristischen Kenntnissen zurückgewiesen.

Mainzer Humor statt Amtsdeutsch

Die öffentliche Beschwerde und der daraus resultierende Artikel seien schließlich der Anstoß gewesen, einen weiteren, noch deutlicher formulierten Hinweis auf dem Parkplatz anzubringen. „Die Redaktion der Zeitung, die die Beschwerde in einen Artikel umgesetzt hat, hat in einem zusätzlichen Kommentar einerseits Verständnis für unsere schwierige Situation geäußert, andererseits jedoch darauf verwiesen, dass man vielleicht darüber informieren sollte, dass ein Falschparken auf unserem Gelände hohe Kosten verursachen kann“, so Höhne.

Diese Geschichte erklärt wohl die Formulierung „für -NICHT- Juristen“ auf dem Banner. Aber warum ausgerechnet die „100 Eier“? „Da es nun keinen Grund gab, eine Erklärung in Amtsdeutsch zu verfassen, haben wir zu der humorvollen Variante gegriffen“, erklärt Höhne. „Wer die Mainzer Fastnacht verfolgt, der kennt die Formulierung ‘sehr teuer, kostet über 100 Eier’.“

Das sehen jedoch nicht alle so. Höhne berichtet von einer Beschwerde auf einer Bewertungsplattform, die, wie auch die Kritik unseres Lesers, auf eine mögliche Diskriminierung hinwies. „Er gab zum einen an, dass der Inhalt alle Menschen ohne Jurastudium diskriminieren würde“, berichtet Höhne. „Zum anderen hat der Beschwerdeführer beanstandet, Menschen aus anderen Herkunftsländern würden diskriminiert, weil sie durch den Inhalt des Transparents nicht erkennen können, dass Falschparken über 100 Euro kostet.“

„Die Mainzer/innen haben (fast alle) Humor.“ – Detlev Höhne, Geschäftsführer des Marina Zollhafens

Dem Verfasser dieses Kommentars habe Detlev Höhne daraufhin eine persönliche Antwort geschickt, schließlich hätten sie sich zu einem klärenden Gespräch getroffen. In den über zwei Jahren, die das Banner schon auf dem Marina-Parkplatz hängt, sei das jedoch die einzige Beschwerde gewesen. „Die Mainzer/innen haben (fast alle) Humor“, sagt Höhne. „Immer wieder wird das Transparent von Spaziergängern mit Lachen zur Kenntnis genommen und sehr häufig fotografiert. Im Internet fanden sich viele Bilder mit lustigen Kommentaren.“

Beanstandungen vonseiten der Behörden habe es auch nicht gegeben, so Höhne. Immerhin würden die zwölf ordnungsgemäßen Schilder weiterhin auf dem Grundstück hängen, das salopp formulierte Banner sei nur zusätzlich aufgehängt worden. Wer also den Gag mit den „100 Eiern“ nicht verstünde, werde trotzdem noch hinreichend auf das Bußgeld hingewiesen.

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