Mainzer im Hochwassergebiet: „Am schlimmsten ist das unfassbare Leid der Menschen“

Justin Weisang ist Notfallsanitäter beim Mainzer Malteser Hilfsdienst. Seit einer Woche ist er in Ahrweiler und den Stadtteilen mit dem Rettungswagen unterwegs, um den Menschen zu helfen. Was er dort erlebt, sind Extremzustände.

Mainzer im Hochwassergebiet: „Am schlimmsten ist das unfassbare Leid der Menschen“

Tausende Freiwillige sind seit vergangenen Donnerstag in die von der Flut betroffenen Gebieten gereist, um den Menschen zu helfen. Allein 1000 Einsatzkräfte des Malteser Hilfsdiensts sind vor Ort. Einer von ihnen ist der 27-jährige Mainzer Notfallsanitäter Justin Weisang. Bereits kurz nach der Flut am vergangenen Donnerstag ist er in die Region Ahrweiler aufgebrochen. „Am Anfang herrschte ein solches Chaos, jeder ist herumgefahren und hat dort geholfen, wo er angesprochen wurde“, berichtet Weisang. Ursprünglich war er im Fachdienst „Führungsunterstützung“ der Malteser eingeteilt, doch in der Extremsituation hat er vor allem die Menschen direkt versorgt, akute Hilfe mit dem Rettungswagen geleistet. Bis heute ist die Lage unübersichtlich.

„Was nun ganz wichtig ist, sind Tetanusimpfungen“ - Justin Weisang

„Es ist unvorstellbar, wie groß das Leid der Menschen dort ist“, so Weisang. „In den direkten Schadensgebieten gibt es einfach nichts mehr, die gesamte Infrastruktur funktioniert nicht. Trinkwasser, Strom, ärztliche Versorgung – es gibt sie vielerorts einfach nicht.“ Man könne auch nicht einfach einfach zum Arzt gehen, wenn man bei den Aufräumarbeiten umknickt. Daher sei die mobile Hilfe der Organisationen so wichtig. Erschwerend komme hinzu, dass die Menschen oft stundenlang im kniehohen und verseuchten Schlamm stehen, der belastet ist mit Mineralöl und giftigen Stoffen. Menschen und Tiere sind gestorben, das sind extreme Verschmutzungen, die sich im Schlamm befinden. „Was nun ganz wichtig ist, sind Tetanusimpfungen“, so Weisang. „Wenn sich jemand verletzt, können sich die Wunden sehr schnell entzünden.“

Große Hilfsbereitschaft und Dankbarkeit

Beeindruckt ist Weisang vor allem davon, wie hilfsbereit und dankbar die Menschen sind, trotz allem, was sie erlebt und verloren haben: „Manchmal wird man auch einfach so in den Arm genommen, die Menschen schenken uns Müsliriegel, obwohl sie selbst fast nichts haben.“ Es sei eine große Wertschätzung den Helfern gegenüber.

Seit ein paar Tagen herrsche Aufräumstimmung in der Region. „Anfangs sah man vor allem die Räumpanzer der Bundeswehr, die Häuser und Autos zur Seite schoben, um an die Menschen zu kommen“, so Weisang. „Jetzt wollen die Menschen wieder einen Neuanfang.“ Der Sperrmüll stapelt sich zu „Müllmauern“ auf den Straßen, die Menschen werfen ihre zerstörten Möbel und den Schlamm aus den Häusern.

Auf was es jetzt auch ankomme, sei die psychosoziale Unterstützung für die Einsatzkräfte selbst. Bereits einen Tag nach Einsatzbeginn hatten die Malteser eine Notfallnummer bereitgestellt. „Am Anfang kommt es darauf an, dass die Einsatzkräfte funktionieren, doch man kommt schnell an seine Grenzen“, so Weisang. Die Kräfte machen unterschiedliche Erfahrungen, doch der Einsatz gehe allen nahe. „Es ist so nah, man versteht die Sprache der Menschen, man bekommt einfach alles mit.“

Inzwischen ist Justin Weisang fest in der Führungsunterstützung der Malteser eingebunden. So koordiniert er im Team die Einsatzkräfte. Gebraucht werden er und die anderen Helfer noch lange – vor allem mit Rettungsmitteln und zur medizinischen Versorgung der Betroffenen. „Ein Ende ist derzeit noch nicht vorhersehbar“, heißt es von Seiten des Malteser Hilfsdiensts für die Region Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland (HRS).

Die Malteser sind Mitglied der „Aktion Deutschland Hilft“ und rufen dringend zu Spenden für die betroffenen Menschen auf:

Malteser Hilfsdienst e.V. / IBAN: DE 1037 0601 2012 0120 0012 / S.W.I.F.T.: GENODED 1PA7 / Stichwort: „Nothilfe in Deutschland“

Aktion Deutschland Hilft e.V. / IBAN: DE62 3702 0500 0000 1020 30 / Stichwort: „Hochwasser Deutschland“

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