In Mainz leben nur wenige Menschen in den eigenen vier Wänden. Die Wohneigentumsquote liegt bei nur 29,4 Prozent. Das geht aus einer regionalen Analyse des Pestel-Instituts hervor, die im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) erstellt wurde.
Insgesamt gibt es in der Stadt rund 35.600 Wohnungen, die von ihren Eigentümern selbst genutzt werden. 40 Prozent davon sind Eigentumswohnungen. Im bundesweiten Vergleich liegt die Mainzer Quote deutlich unter dem Durchschnitt von 43,5 Prozent. „Damit ist Deutschland ein ‚Mieter-Land‘ und landet beim Ranking zum Wohneigentum im Europa-Vergleich nur auf dem vorletzten Platz“, sagt Matthias Günther vom Pestel-Institut.
Besonders für junge Menschen zwischen 25 und 40 Jahren wird der Traum vom Eigenheim immer unerreichbarer. Rund 63.800 Mainzer in dieser Altersgruppe sind laut der Studie gezwungen, dauerhaft zur Miete zu wohnen. „Dabei gehören gerade Jobstarter und Familiengründer zur typischen Klientel für Wohnungskauf und Hausbau. Aber die ‚Nestbauer-Generation‘ ist längst zur Verlierer-Generation beim Wohneigentum geworden“, so Günther.
Experten fordern staatliche Unterstützung
Kritik kommt vom Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB), der einen Mangel an staatlicher Unterstützung bemängelt. „Der Bund hat zuletzt die Eigenheimzulage und dann das Baukindergeld abgeschafft – und damit die effektive Förderung von Wohneigentum faktisch eingestellt“, sagt BDB-Verbandspräsidentin Katharina Metzger.
Der Verband fordert daher ein neues Förderprogramm mit direkten Zuschüssen und einem Niedrigzinsprogramm. „Notwendig sind direkte Zuschüsse. Geld vom Bund also, das auch Durchschnittsverdiener in Mainz in die Lage versetzt, endlich eine Chance auf die eigenen vier Wände zu haben: Ein Startkapital für das erste selbstgenutzte Wohneigentum“, erklärt Metzger. Die Förderung müsse einfach und langfristig garantiert sein. „Es muss eine Marathon- und darf keine Sprint-Förderung geben“, ergänzt der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau, Hannes Zapf.
Eigenheim als Schutz vor Altersarmut
Wohneigentum sei auch für die Altersvorsorge entscheidend, als eine Art „Rente in Stein“, so Zapf. Wer im Alter mietfrei wohne, komme finanziell besser zurecht.
Das zeige sich besonders bei den geburtenstarken Jahrgängen. „Die Baby-Boomer gehen jetzt nach und nach in Rente. Damit haben sie deutlich weniger Geld im Portemonnaie. Die Miete bleibt aber oder steigt sogar. Die Folge: Immer mehr Neu-Rentner können sich ihre bisherige Wohnung nicht mehr leisten – sie wohnen sich arm“, sagt Instituts-Ökonom Günther. Für ihn ist die „Wohnarmut im Alter vor allem eine Mieterarmut“.