Als Mats Hummels noch in Finthen lebte

Nach acht Jahren Borussia Dortmund ist Mats Hummels in diesem Sommer in seine alte Heimat München zurückgekehrt. Doch was viele nicht wissen: Auch in Mainz war der Weltmeister schon zu Hause.

Als Mats Hummels noch in Finthen lebte

Ohne ein Finther Garagentor wäre Deutschland 2014 nicht Fußballweltmeister geworden. Eine steile These zwar, doch ganz von der Hand zu weisen ist sie nicht. Denn dass wir das legendäre Halbfinale gegen Brasilien (7:1) und anschließend das Finale gegen Argentinien (1:0) überhaupt erreichten, ist einem Manndecker mit Mainzer Vergangenheit zu verdanken. Er köpfte das entscheidende 1:0 im Viertelfinale gegen Frankreich und hielt auch sonst den Laden dicht. Fußballexperten sehen in ihm einen der besten Spieler der Welt, Nostalgiker vergleichen ihn mit dem jungen Franz Beckenbauer und manche Frau würde nicht nur gerne mit ihm Fußball spielen: Mats Hummels.

Finthen – „eine schöne Gegend“

Im Sommer wechselte er für 35 Millionen Ablöse zum FC Bayern – in seine Heimatstadt München, wie man es immer wieder lesen konnte. Doch Hummels hat nicht nur die eine Heimat, eine andere ist der Maiglöckchenweg in Finthen. Dort hatte die Familie Hummels in den Neunzigern gelebt, als Mats noch ein kleiner Junge war. „Eine schöne Gegend ist das. Da habe ich dann auch immer auf der Straße mit einem Ball gegen das Garagentor geschossen“, erinnerte sich Hummels 2009, damals Spieler der U 21, in einem Interview mit der Mainzer Rhein-Zeitung. Das Juniorenteam übernachtete da vor einem Qualifikationsspiel in Wiesbaden zufällig im Atrium-Hotel in Finthen – eineinhalb Kilometer von seinem früheren Wohnhaus entfernt.

“Ich war über die Jahre hin und wieder mal in der Stadt“ - Mats Hummels

„Eigentlich noch sehr viele“ Erinnerungen habe Hummels an Mainz, sagte er weiter. „Davon war ich etwas überrascht. Ich war ja damals nur bis zu meinem sechsten Lebensjahr hier. Aber ich war über die Jahre hin und wieder mal in der Stadt, ein guter Freund von mir lebt hier.“

Doch warum wohnte die Familie Hummels überhaupt in Mainz? Mats hatte das typische Schicksal eines Fußballerkindes – wenig Kontinuität, viele Umzüge. Geboren wurde er 1988 in Bergisch Gladbach als Sohn der Sportjournalistin Ulla Holthoff und des Fußballtrainers Hermann Hummels. Der Vater war es auch, der im Januar 1991 einen Job beim SV Wehen Taunusstein bekam. Mats' jüngerer Bruder Jonas, der später ebenfalls Fußballer werden sollte, wurde in Wiesbaden geboren. Ab Oktober 1994 trainierte Vater Hermann Hummels dann als Nachfolger von Josip Kuže den FSV Mainz 05. Mutter Ulla Holthoff arbeitete beim ZDF.

Babysitter Klopp

Doch Hummels' Trainerzeit in Mainz sollte nicht lange dauern. Nach einem 0:1 in Saarbrücken wurde er im April 1995 entlassen. Bei der Mannschaft war er durchaus beliebt. Ex-05-Spieler Guido Schäfer erinnert sich: „Hummels war ein sehr kommunikativer Typ. Wir haben ihn alle geduzt, er war nah an der Mannschaft.“ Manchmal zu nah: In einem Trainingslager in der Türkei habe er den Spielern sehr viel Freiraum gelassen, so Schäfer. „Als unsere Frauen uns damals abgeholt haben, sagten sie, wir hätten eine Alkoholfahne wie nach einem Kegelausflug.“

Auch die Hummels-Söhne hatten ein gutes Verhältnis zur Mainzer Mannschaft. Jürgen Klopp, so sagt man, passte bisweilen auf den kleinen Mats auf, wenn die Eltern beschäftigt waren. Bei Borussia Dortmund wurde Hummels später einer von Klopps wichtigsten Spielern. Der heutige Mainzer Torwarttrainer Stephan Kuhnert soll Mats im Taubertsbergbad einmal dermaßen unter Wasser getaucht haben, dass dieser fürchterlich geweint habe. „Ja, das ist wahr“, sagt Mats Hummels darüber, „aber ich kann mich da gar nicht mehr dran erinnern und kenne die Geschichte auch nur, weil sie mir oft erzählt wurde. Die Leute von Mainz 05 müssen damals mit mir oft solche Späße gemacht haben.“

“Die Hummels sind alle Kopfmenschen“ - Guido Schäfer

Auch beim Training der 05er waren Mats und Jonas öfter dabei und „haben mit dem Ball etwas rumgeeiert“, erinnert sich Schäfer. „Das ganz große Talent hat man damals noch nicht bei Mats gesehen“, sagt Schäfer und lacht. Erst als die Familie nach München zog, spielte Mats im Verein Fußball. Heute ist er Vorbild für viele junge Kicker. Schäfer sagt: „Die Hummels sind alle Kopfmenschen, sehr intelligent. Das merkt man Mats auch in Interviews an. Er hat mehr zu erzählen als die meisten Fußballer.“

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