Partymeile „Mombeach“: Wie jetzt für Ordnung gesorgt werden soll

Eigentlich ist das Mainzer Rheinufer in Mombach Naturschutzgebiet. Doch im Laufe der Jahre hat sich der „Mombeach“ eher zu einem Partystrand entwickelt. Die Stadt Mainz will dies aber nicht einfach hinnehmen und stattdessen reagieren.

Partymeile „Mombeach“: Wie jetzt für Ordnung gesorgt werden soll

Wenn die Temperaturen am Wochende an der 30-Grad-Marke kratzen, dann wird es viele in die gerade erst wieder geöffneten Freibäder ziehen. Ein anderes beliebtes Ausflugsziel, vor allem an heißen Sommertagen, ist das Mombacher Rheinufer. Am „Mombeach“, wie er auch genannt wird, halten sich in Spitzenzeiten dann teilweise mehrere Hundert Menschen auf, die dort unter anderem auch grillen und Partys feiern oder sogar zelten.

Doch erlaubt ist das nicht. Denn das Mombacher Rheinufer ist seit 1995 Naturschutzgebiet, in dem viele gefährdete Tier- und Pflanzenarten beiheimatet sind. Dennoch ist der Besucheransturm ungebrochen. Das wiederum ärgert Naturschützer und veranlasst die Stadt Mainz zum Handeln.

Schon Hunderte Platzverweise erteilt

Bereits im letzten Sommer wies die Stadt daraufhin, dass es trotz bestehender Informationstafeln und Hinweisschilder immer noch zu „vermehrtem Fehlverhalten“ von Besuchern kommt. Dieses hätte inzwischen Ausmaße angenommen, die die Erhaltung und Entwicklung der dortigen Lebensräume erheblich gefährden. Hierzu zählt die Stadt die Nutzung der Sand- und Wiesenflächen als Liegewiese, die Vermüllung der Landschaft und das Verlassen der Wege. Da zudem auch immer mehr illegale Trampelpfade entstehen, die wichtige Lebensräume durchkreuzen, kündigte die Stadtverwaltung bereits im Sommer 2020 an, vor Ort verstärkt zu kontrollieren, ob die geltenden Regeln eingehalten werden. Bei einer Kontrolle eskalierte die Situation dann sogar, als der kommunale Vollzugsdienst an einem Tag mehr als 200 Platzverweise aussprach.

Dass im Naturschutzgebiet auch in diesem Sommer streng kontrolliert wird, fordern nun der Naturschutzbund (Nabu) Mainz und der Arbeitskreises Umwelt Mombach: „Im Hinblick auf die Situation im Naturschutzgebiet Mombacher Rheinufer fordern wir die Durchsetzung der dort geltenden Bestimmungen“, sagt Jürgen Weidmann vom Arbeitskreis. „Das bedeutet insbesondere für die Sommermonate die Durchsetzung der Verbote, in diesem geschützten Biotop zu lagern, zu zelten und Feuer zu machen,“ ergänzt der Nabu-Vorsitzende Christian Henkes. Kurzfristig müsse dies durch häufige, nachhaltige strafbewährte Kontrollen geschehen. Langfristig müssten dann Maßnahmen umgesetzt werden, die einen Zutritt zum Gebiet nur in der vorgesehenen Form erlauben, so die beiden Vereine in einer Stellungnahme.

„Empfindliche Sanktionen“ denkbar

Doch wäre gar eine vorübergehende Sperrung des dortigen Rheinufers denkbar, um das Naturschutzgebiet zu schützen, so wie es einige wenige sich vorstellen könnten? „Nein“, sagt Stadtsprecher Marc André Glöckner. Denn Naturschutzgebiete seien zwar Rückzugsräume für Pflanzen und Tiere. Doch gerade in Ballungsräumen würden diese aber auch den Bürgern ein Naturerlebnis und eine stille Naherholung ermöglichen - allerdings von den markierten Wegen aus. So sei beispielsweise ein fliegender Eisvogel für jeden ein unvergessliches Erlebnis.

Zäune hingegen seien im Naturschutz grundsätzlich kein geeignetes Mittel, auch aus dem Blickwinkel des Tierschutzes. „Bei Bürgern, die im Schutzgebiet ‘vom rechten Weg’ abkommen, hilft eine persönliche Ansprache, eine Ermahnung oder gegebenenfalls eine Verwarnung“, sagt Glöckner. Dennoch werde das Ordnungsamt auch in diesem Jahr wieder vor Ort sein und Kontrollen durchführen. Derzeit liege aber der Schwerpunkt eindeutig auf der Überwachung der Corona-Auflagen und Corona-Vorgaben. Dieser Sparte falle weiterhin oberste Priorität zu.

Es sei aber nicht ausgeschlossen, sondern wahrscheinlich, dass auch in diesem Jahr wieder dezidiert unangekündigte Kontrollaktionen, gegebenenfalls gemeinsam mit dem Grün- und Umweltamt, durchgeführt werden. „Zugleich muss aber auch klar sein, dass eine 24/7-Kontrolle im Sommer durch das Ordnungsamt bei der Vielzahl von Zuständigkeiten nicht machbar ist“, so der Stadtsprecher. Man müsse daher außer auf Kontrollen mit eventuell „empfindlichen Sanktionen“ primär auf die Einsicht der Bürger setzen. Diese sollten erkennen, dass im Wort Naturschutzgebiet zugleich das Wort Naturschutz enthalten ist, sagt Glöckner. Ob die Besucher des „Mombeach“ in diesem Jahr nun aber tatsächlich zu dieser Erkenntnis kommen, bleibt abzuwarten.

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