Sie fliegen in großen Gruppen über Straßen und Parks, besiedeln Bäume und erobern die Städte: Halsbandsittiche sind seit vielen Jahren in Mainz und dem gesamten Rhein-Main-Gebiet heimisch.
Die ursprünglich aus Afrika und Asien stammenden Vögel gibt es in freier Wildbahn seit den 1970ern in der Region. Damals gelang es den ersten Sittichen, aus privater Tierhaltung oder Zoos zu fliehen. In Wiesbaden und Mainz werden jedes Jahr Tausende Tiere gezählt. Das milde Klima in der Rheinebene sowie Platz zum Schlafen und zum Brüten sorgen dafür, dass sie sich hier wohlfühlen. Viele von ihnen schlafen laut Ornithologen in Wiesbaden und fliegen morgens über den Rhein nach Mainz, wo sie nach Nahrung suchen. Hier sieht man sie im Stadtpark und am Hauptfriedhof, am Drususwall und in mehreren Stadtteilen.
Verdrängen die Halsbandsittiche heimische Vogelarten?
Viele befürchten daher, dass die exotischen Vögel für die heimischen Arten bedrohlich werden könnten. Vertreiben sie Spechte, Stare und andere Vogelarten? „Ist es in Mainz auch schon so schlimm?“, fragt ein Merkurist-Leser in einem Snip.
Vogelforscher entgegnen oft, dass sich die Papageien vorwiegend pflanzlich ernähren, und damit nicht in Konkurrenz mit anderen Vogelarten stehen, die hauptsächlich Insekten fressen. Es sei jedenfalls noch nicht gemeldet worden, dass einheimische Tierbestände Schäden davontragen.
Auswirkungen noch unsicher
Eine Untersuchung aus dem Jahr 2016 gemeinsam mit der Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz e.V. (GNOR) zeigte, dass die Halsbandsittiche als Höhlenbrüter zwar in Konkurrenz mit Bunt- und Grünspechten, Blau- und Kohlmeisen, Staren, Dohlen sowie Hohltauben treten, anderen Arten aber oft relativ schnell die Bruthöhle überlassen würden. Eine allgemeine Dominanz der Sitticharten gegenüber den heimischen Arten bestehe generell nicht. Oft würden die von den Sittichen angelegten Höhlen anschließend sogar von anderen Arten belegt.
Jedoch sagt der Wiesbadener Experte Oliver Weirich, dass die Auswirkungen von Sittichen auf die heimische Tierwelt noch gar nicht abschließend geklärt sei.
Problematisch hingegen sind die Schäden, die die Halsband- und Alexandersittiche an Hausfassaden verursachen, indem sie teils weit in die Isolationsschicht eindringen. Da die Tiere jedoch nach dem Bundesnaturschutzgesetz geschützt sind, dürfen Hauseigentümer bewohnte Höhlen nicht einfach verschließen. Auch dürfen Städte keine Bestandsreduzierung anordnen.
Laut Rainer Michalski von der Nabu-Regionalstelle Rheinhessen-Nahe sind ebenso Vergrämungsmaßnahmen, zum Beispiel durch eine Greifvogelattrappe, reflektierende Windspiele oder Ähnlichem nur erlaubt, wenn in den Höhlen keine Tiere leben oder brüten.