Der gefrierende Regen sorgte am Mittwoch (17. Januar) für starke Einschränkungen im Mainzer ÖPNV. Auf immer mehr Buslinien kam es zu Ausfällen und Verspätungen, schließlich standen auch die Straßenbahnen still. Auch am heutigen Donnerstag haben die Straßenbahnen den Betrieb komplett eingestellt. Grund dafür sind die vereisten Stromleitungen, sagt Michael Theurer, Pressesprecher der Mainzer Mobilität (MM).
Fast überall in Mainz war es am Mittwoch zu beobachten: Regen fiel und begann auf Straßen, Gehwegen und Gegenständen zu gefrieren. Einige Autos waren in regelrechte Eispanzer gehüllt. Auch an den Fahrleitungen der Mainzer Straßenbahn hätten sich solche Eispanzer gebildet. „Eis wirkt isolierend und die Stromabnehmer der Bahnen verlieren den elektrischen Kontakt zum Draht“, erklärt Theurer. „Dadurch fällt der Fahrmotor aus und die Bahnen bleiben unfreiwillig stehen.“
„Äußerst ungewöhnlich und selten“
Etwa 20 Straßenbahnen seien wegen der vereisten Stromleitungen am Mittwoch mitten auf der Strecke steckengeblieben, nur wenige hätten es noch zurück zum Betriebshof geschafft. „Die Situation, dass auf allen Straßenbahnstrecken des Mainzer Netzes in weniger als einer Viertelstunde massive Vereisungen auftreten, ist äußerst ungewöhnlich und selten“, so Theurer.
Die Bahnen, die trotzdem fahren konnten, haben wohl ebenfalls einen ungewöhnlichen Anblick geboten. Merkurist-Leser berichten davon, dass vereiste Stromleitungen beim Kontakt mit den Straßenbahnen weiße und blaue Funken geschlagen haben. Wie das aussieht, zeigt dieses Video:
Auch am Donnerstagmorgen habe der Winter den Mainzer Straßenbahnen „außergewöhnlich zugesetzt“, sagt Theurer. Am frühen Morgen waren zwar wieder einige Bahnen im Einsatz, auf mehreren Strecken war die Oberleitung aber so stark vereist, dass Busse einspringen musste. Nach sieben Uhr wurde der Straßenbahnbetrieb dann komplett eingestellt.
Straßenbahnen mussten von Strecke geholt werden
Die Straßenbahnen, die bereits am Mittwoch steckengeblieben sind, konnten laut Theurer noch am Abend unfallfrei in den Betriebshof zurückgebracht werden. Auf einigen Strecken sei das kein größeres Problem gewesen. „Da die Strecke aus Finthen über Gonsenheim zum Betriebshof hin leicht abschüssig ist, geht dies hier eher noch recht einfach – fällt der Strom der Bahn an einem vereisten Stück Fahrleitung kurz aus, rollt die Bahn noch selbst ein Stück den Berg runter und gewinnt immer wieder Kontakt an etwas weniger vereisten Drahtstücken.“
Auf anderen Strecken sei es jedoch schwieriger gewesen: Einige Bahnen aus Lerchenberg und Hechtsheim mussten an eine andere Straßenbahn gekoppelt werden, um aus einem besonders stark vereisten Abschnitt gezogen zu werden. „Besonders gute Dienste leisten auf ihre alten Tage dabei unsere Bahnen vom Typ M8C aus dem Baujahr 1984 – sie besitzen als einzige Serie zwei Stromabnehmer“, erklärt Theurer. Die Wahrscheinlichkeit, dass beide Stromabnehmer gleichzeitig unter einem stark vereisten Stück Fahrleitung stehen, sei entsprechend geringer als bei den Nachfolgemodellen mit nur einem Stromabnehmer.