Bewegung bei „Gammelhäusern“ in Großer Bleiche

Seit Jahren verfällt ein Gebäudekomplex in der Großen Bleiche in Mainz. Nun schaltet sich eine Initiative ein und bringt Bewegung in die Sache.

Bewegung bei „Gammelhäusern“ in Großer Bleiche

Mitten in der Mainzer Innenstadt, in der Großen Bleiche 22–26, gammeln seit Jahren drei Gebäude vor sich hin. Wo einst ein Burger King und das „City-Hotel Neubrunnenhof“ zu finden waren, herrscht Stillstand. Der Komplex ist stadtbekannt und sorgt für Unmut. Nach jahrelangem Warten gibt es nun aber neue Hoffnung: Eine lokale Initiative hat den Anstoß für neue Verhandlungen zwischen der Stadt und dem Eigentümer gegeben.

Für das Areal liegt seit rund zwei Jahren eine gültige Baugenehmigung vor. Der damalige Vorhabenträger, die Orpea Deutschland Immobilien Services GmbH, plante den Abriss und den Bau von 70 neuen Wohnungen (wir berichteten). Doch passiert ist seither nichts. Bei einem Telefonat mit Oberbürgermeister Nino Haase im vergangenen Jahr teilte der Investor mit, eine Bauausführung sei „in absehbarer Zeit nicht geplant“. An diesem Sachstand hat sich laut Stadtverwaltung seither nichts geändert.

Stadt kann kaum eingreifen

Die Möglichkeiten der Stadt, den Prozess zu beschleunigen, sind begrenzt. Da sich das Grundstück vollständig in Privatbesitz befindet, kann die Verwaltung weder alternative Investoren suchen noch das Projekt selbst steuern. Rechtliche Mittel stünden der Kommune erst dann zur Verfügung, wenn das Gebäude offiziell als „im Verfall begriffen“ eingestuft würde. Der Einfluss der Stadt beschränkt sich daher auf Gespräche und Appelle, solange die vierjährige Frist der Baugenehmigung nicht abgelaufen ist.

Der Zustand des Gebäudes ist jedoch vielen Anliegern und Geschäftsleuten ein Dorn im Auge. Unter anderem sind die Zugänge zu den Häusern zugekotet oder volluriniert. Deshalb wünschen sich viele, dass der Eigentümer endlich mit den Bauarbeiten beginnt, um eine Perspektive für das Umfeld zu schaffen. Von einem Arrangement mit der Situation könne keine Rede sein, heißt es von Seiten der Stadt.

Initiative sorgt für neue Verhandlungen

Abfinden wollte sich auch Dieter Grünewald, Vorsitzender der Initiative Neue Mainzer Mitte e.V., nicht mit der Situation. Er kritisiert das „imageschädigende Ambiente“, das den ansässigen Betrieben und der Landeshauptstadt zugemutet werde. Kurzerhand nahm er jetzt selbst Kontakt zur Eigentümergesellschaft auf, die mittlerweile als Emeis Deutschland Immobilien Services GmbH firmiert.

Mit Erfolg: Das Unternehmen teilte ihm schriftlich mit, dass es ebenfalls an einer Verbesserung des Zustands interessiert sei und man sich zu einem „nachhaltigen Vorgehen abstimmen“ wolle. Wie Grünewald sagt, habe er daraufhin den Oberbürgermeister informiert und ihn gebeten, das weitere Vorgehen direkt mit der Eigentümergesellschaft abzustimmen. Am Donnerstag (26. März) berichtet der Vorsitzende der Initiative Neuer Mainzer Mitte gegenüber Merkurist nun, dass Haase ihm in einem weiteren Gespräch zugesichert habe, die Verhandlungen persönlich aufzunehmen.

Zu den neuesten Entwicklungen rund um das Thema hatte Merkurist auch die Stadt Mainz um Stellungnahme gebeten. Bis zum Erscheinen des Artikels lag jedoch keine Antwort der Verwaltung vor.