Der „Uni-Mörder“: Junge Mainzerin von Lehrer eiskalt ermordet

Der Mord an der Mainzer Studentin Sylvia erschütterte 1977 ganz Mainz. Lange Zeit tappte die Polizei bei den Ermittlungen im Dunkeln. Jahre später konnte der Täter jedoch beim Versuch, einen erneuten Mord zu begehen, geschnappt werden.

Der „Uni-Mörder“: Junge Mainzerin von Lehrer eiskalt ermordet

In über 50 Jahren „Aktenzeichen XY…ungelöst“ wurden in der ZDF-Show mehr als 4800 Verbrechen präsentiert. Darunter sind auch etliche Fälle aus Mainz. Besonders tragisch ist dabei der Tod der jungen Bretzenheimerin Sylvia. Gerade einmal 23 Jahre wurde die Studentin alt, als sie auf ihren Mörder traf.

Auf dem Weg zur Uni ermordet

Sylvia L. lebte im Mainzer Stadtteil Bretzenheim zusammen mit ihren Eltern und ihrem kleineren Bruder. Die 23-Jährige studierte an der Johannes Gutenberg-Universität Sport und Englisch. Nebenbei verdiente sie regelmäßig ein paar Mark als Übungsleiterin beim Universitätssportclub (USC Mainz).

Am Abend des 28. März 1977 traf Sylvia L. noch Vorbereitungen für ihren Sportkurs und verließ dann gegen 19:30 Uhr ihr Elternhaus in der Albert-Schweitzer-Straße. Ihr Ziel war sehr wahrscheinlich das Sportinstitut der Universität – vermutlich, um ihre Übungsleiterstunden abzurechnen. Etwa zehn Minuten nachdem die Studentin von zuhause wegging, wurde sie noch einmal von einem Autofahrer gesehen. Dieser konnte bestätigen, dass Sylvia auf dem Weg zur Uni war. Dass die Studentin schließlich auch am späten Abend nicht wieder nach Hause kam, beunruhigte ihre Eltern nicht. Denn es kam gelegentlich vor, dass Sylvia über Nacht bei einer Freundin blieb.

Am nächsten Morgen (Dienstag, 29. März) machte ein Rentner mit seinem Hund einen Spaziergang auf dem freien Gelände hinter der Universität. Plötzlich fand der Hund eine mitten auf dem Feld liegende tote Frau. Obwohl bei der Leiche keine Papiere gefunden wurden, konnte die Polizei die Identität der Toten schnell klären: Es war Syliva L. Sie starb an den Folgen schwerer und stark blutender Kopfverletzungen. Vermutlich wurde sie mit einem größeren Schraubenzieher erschlagen. Ein Motiv für den Mord an der 23-jährigen Studentin schien es aber nicht zu geben. Und auch zum Täter gab es keinen Hinweis. So gestalteten sich die Ermittlungen der Kriminalpolizei äußerst schwierig.

„Uni-Mörder“ bei erneutem Mordversuch geschnappt

Die Beamten der Kripo konzentrierten sich nun darauf, im Umfeld der Uni zu ermitteln. Dabei hofften sie, Studentinnen zu finden, die möglicherweise in den vorangegangenen Wochen von einem Unbekannten sexuell belästigt wurden. Um mögliche Opfer zu finden, startete die Polizei eine großangelegte Kampagne. So wurden in den nächsten Tagen 8000 Handzettel verteilt sowie zahlreiche Plakate aufgehängt, um auf die Kampagne beziehungsweise den Mord an Sylvia L. aufmerksam zu machen. In der Folge stieß die Polizei tatsächlich auf bisher nicht gemeldete Sexualdelikte und schließlich auch auf einen Fall, der mit dem Mord an Sylvia L. in Zusammenhang gestanden haben könnte.

So meldete eine Studentin, dass sie Anfang Januar 1977 beinahe an der gleichen Stelle wie vermutlich auch Sylvia L. überfallen worden war. Dabei sei sie von einem Autofahrer angefahren und anschließend zum Sex in einem nahegelegenen Gebüsch aufgefordert worden. Letztlich konnte sie sich jedoch losreißen und fliehen. Mit Hilfe der Studentin erstellte die Polizei schließlich ein Phantombild des Täters und zeigte dieses auch in „Aktenzeichen XY…ungelöst“. Ausgesetzt wurde damals eine Belohnung von 4000 Mark.

Zunächst verliefen die Ermittlungen der Kripo Mainz aber ohne Ergebnis. Doch drei Jahre nach der Tat konnte der Mörder von Sylvia L. schließlich doch noch festgenommen werden, als er ein Mädchen in Ingelheim töten wollte. Bei dem Mann handelte sich um den Lehrer Bernd B., der diesen versuchten Mord in seinem Tagebuch geplant hatte. Er wurde 1981 zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Vereinzelt wird spekuliert, dass Bernd B. auch für weitere Frauenmorde in anderen deutschen Regionen verantwortlich sein könnte, tatkräftige Beweise dafür gibt es aber nicht.

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