Wie gefährlich sind die Schlangen in der Region?

Die einen mögen es trocken, für die anderen sorgt das nasse Wetter für viel Nahrung. Mehrere Schlangenarten leben in der Mainzer und Wiesbadener Region. Ob es auch gefährliche Schlangen bei uns gibt, verrät euch der NABU.

Wie gefährlich sind die Schlangen in der Region?

Anfang August kommt der Nachwuchs zur Welt. Dann kann es sein, dass ihr auch in der Gegend um Mainz und Wiesbaden auf Schlangen trefft. Mehrere Arten gibt es in der Region, von denen die Ringelnatter und die Schlingnatter am häufigsten beobachtet werden. Vor allem für die Ringelnatter ist das nasse Wetter optimal: „Während das Frühjahr für die eher trockenliebenden Schlingnattern nicht ganz so ideal war, kommen Ringelnattern als echte Wasserfans dieses Jahr voll auf ihre Kosten. Der viele Regen sorgt bei ihnen für einen reich gedeckten Tisch“, so der Landesvorsitzender des NABU Hessen, Gerhard Eppler.

Die Schlingnatter bringt ihre Jungen lebend zur Welt, junge Ringelnattern schlüpfen aus Eiern. Diese legt das Weibchen gerne in warme Komposthaufen oder vermodernde Baumstümpfe. Ringelnattern leben vor allem in Feuchtgebieten, an Teichen, Seen und Altarmen von Flüssen, aber auch an amphibienreichen Bahndämmen und Steinbrüchen. Schlingnattern hingegen lieben sonnige Hänge, Hecken, Trockenmauern, Bahndämme und Böschungen. Durch ihre Zeichnung sind sie gut getarnt und werden daher selten entdeckt.

Angst braucht man vor keiner der beiden Arten zu haben, denn weder die Ringelnatter noch die Schlingnatter haben Giftzähne. Sie sind also völlig ungefährlich. „Wer eine Schlange in seinem Garten findet, kann in der Regel davon ausgehen, dass es sich um eine harmlose Ringelnatter oder Schlingnatter handelt“, so Eppler. Die Anwesenheit von Schlangen im Garten zeige zudem, dass er ökologisch intakt sei.

Neue Schlangenart am Rhein

Vor einigen Jahren kam noch eine weitere Art hinzu: Die Barren-Ringelnatter lebt vor allem westlich des Rheins. Sie kann zwar stattliche 1,90 Meter lang werden, ist aber auch ungiftig. Genau wie die Würfelnatter, die jedoch bisher nur an der Nahe beobachtet wurde. Die Barren-Ringelnatter wird im Rheinhessischen und an der Nahe inzwischen recht oft gesehen. Da sie sich von Amphibien und Fischen ernährt, wird sie meistens in oder an Gewässern entdeckt. „Wir haben auch schon Meldungen aus dem Lennebergwald bekommen, aus der Umgebung von Budenheim, aus dem Laubenheimer Ried und aus dem Gebiet der Mainmündung“, berichtet Rainer Michalski von der NABU-Regionalstelle Rheinhessen-Nahe. „Von dort gelangen hin und wieder einzelne Tiere auf die Mainzer Seite.“ So gab es 2020 eine Meldung aus dem Winterhafen und eine weitere aus dem Zollhafen.

In den sonnigen und warmen Berghängen des Rheingaus sowie im südlichen Odenwald lässt sich auch die Äskulapnatter beobachten. Sie lebt in bewachsenen Trockenmauern, Steinbrüchen und alten Weinbergen. Giftig ist einzig die Kreuzotter, wenn auch normalerweise nicht lebensgefährlich. Sie ist aber äußerst selten und nur noch im Spessart, in der Rhön und im Werra-Meißner-Kreis heimisch, wo sie halboffenes, deckungsreiches Gelände in Waldrand-, Heide- und Moor-Bereichen bewohnt. „Für Kreuzottern ist es in Rheinhessen zu warm und zu trocken“, erklärt Michalski.

Durch Naturschutzgesetz streng geschützt

Bedroht sind alle heimischen Arten, vor allem durch die Zerstörung der Lebensräume. „Die Ausräumung der Landschaft hat die Nattern und Ottern vielerorts selten werden lassen,“ so der Biologe Eppler. Auch gebe es immer noch Menschen, die Angst vor Schlangen hätten und die Tiere unrechtmäßig töten wollten, sagt Michalski. Größtes Problem sei aber der massive Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft. „Das verringert noch zusätzlich ihre Nahrungsgrundlage.“ Daher sind sie durch das Naturschutzgesetz streng geschützt.

„Beobachtungen sind oft Glückssache, denn Schlangen sind von Natur aus scheu und leben eher heimlich“ - Rainer Michalski

Die NABU-Regionalstelle Rheinhessen-Nahe sammelt seit 2016 systematisch Meldungen von Schlangen aus der Region. „Inzwischen haben sich gut 150 Meldungen angesammelt, Schwerpunkte sind dabei das ‘klassische Schlangengebiet’ im Nahetal, die Rheinhessische Schweiz und die Rheinauen von Bingen bis Worms, wo es viele geeignete Lebensräume gibt“, so Michalski. Doch Beobachtungen seien oft Glückssache, denn Schlangen sind von Natur aus scheu und leben eher heimlich.

Wer eine Schlange in der Region beobachtet, kann sie der jeweiligen NABU-Regionalstelle melden. „Sinnvolle Schutzkonzepte kann man nur entwickeln, wenn man die Verbreitung kennt. Daher sind aktuelle Beobachtungen so wichtig", erklärt Michalski. Bei einer Begegnung sollte man grundsätzlich Abstand halten und die Schlangen in Ruhe lassen. Bei exotischen Schlangen sollte die Polizei verständigt werden. „Das gilt auch für heimische Arten an für sie gefährlichen Fundorten, etwa auf stark befahrenen Straßen“, sagt Michalski.

Helfen kann man den Ringel- und Schlingnattern übrigens mit sonnigen Holz-, Stein- und Komposthaufen sowie einem strukturreichen Garten mit Sträuchern, Gehölzen, alten Baumstümpfen und lückigen Steinhaufen.

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