Der vergessene Mainzer Stadtteil

In den 90er-Jahren gab es Pläne, einen neuen Mainzer Stadtteil namens Mainz-Layenhof ins Leben zu rufen. Doch das Projekt scheiterte schließlich. Warum?

Der vergessene Mainzer Stadtteil

Als Herman-Hartmut Weyel (SPD) vor beinahe 25 Jahren aus dem Amt des Oberbürgermeisters ausschied, hatte er gerade erst versucht, der Stadt Mainz einen 16. Stadtteil hinzuzufügen. Sein Ziel, auf dem Gelände des heutigen Finther Flugplatzes den Stadtteil Mainz-Layenhof zu errichten, konnte er jedoch nicht umsetzen. „Wissen Sie“, sagte Weyel im Jahr 2017, „politische Meinungen ändern sich eben manchmal.“ So war es auch beim Layenhof.

Der Layenhof, so erfährt man auf der Webseite des „Heimat- und Geschichtsvereins Finthen“, war ein altes Hofgut, das 1783 im heutigen Mainzer Stadtteil Finthen errichtet wurde. Der Hof wechselte über die Jahrzehnte immer wieder den Besitzer und wurde hauptsächlich für landwirtschaftliche Zwecke genutzt. In den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts bauten die Nationalsozialisten um das Hofgut ein Flugfeld, das für militärische Zwecke im Zweiten Weltkrieg genutzt wurde. Nach Ende des Krieges ging es dann erst in den Besitz der französischen Besatzer über, bevor die US-Amerikaner zu Beginn der 60er Jahre die Base übernahmen. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs kündigten die US-Streitkräfte ihren Abzug aus Finthen für 1993 an. Nun begann eine politische Debatte: Wie könnte man das großflächige Areal weiternutzen?

„Wir waren damals schon sehr weit mit den Planungen.“ - Herman-Hartmut Weyel, Oberbürgermeister der Stadt Mainz (1987-1997)

Herman-Hartmut Weyel, zu dieser Zeit Oberbürgermeister der Stadt Mainz, machte sich zu Beginn der 90er-Jahre für den neuen Mainzer Stadtteil Mainz-Layenhof stark. Im Gespräch mit Merkurist erinnert er sich: „Wir waren damals schon sehr weit mit den Planungen. Der Stadtrat hatte einen ersten Entwurf schon einstimmig festgelegt und es wurden bereits Architekten beauftragt, Konzepte für ein Wohngebiet zu entwerfen.“ Ähnlich wie heute war bezahlbarer Wohnraum auch in den frühen 90er-Jahren Mangelware in Mainz. 5000 bis 7000 Menschen hätten laut Weyel im neuen Stadtteil wohnen können. Doch dazu sollte es nicht kommen.

Ein Flugplatz für Mainz

Mit der Zeit kam ein Gegenvorschlag auf, der die Vision des 16. Mainzer Stadtteils schnell kippen ließ: „Plötzlich überlegte man, das Finther Flugfeld als Mainzer Flugplatz weiterzunutzen“, erzählt Weyel. Er sei von Anfang an gegen den Vorschlag gewesen, so der ehemalige Oberbürgermeister. Aus Weyels Sicht wäre der Flughafen in Erbenheim damals wesentlich besser als Stadtflughafen geeignet, doch mittlerweile sprachen auch andere Gründe gegen den neuen Stadtteil: „Naturschützer stellten auf dem Gelände des Finther Flughafens fest, dass es dort wertvolle Biotope gab“, erzählt Herman-Hartmut Weyel. Der Plan um Mainz-Layenhof zögerte sich immer weiter hinaus.

Als Weyel im Mai 1997 von Jens Beutel (SPD) als Oberbürgermeister abgelöst wurde, geriet die Idee immer weiter in Vergessenheit. „Meine Nachfolger im Stadtrat entschieden sich dann dafür, die Innenstadt lieber zu verdichten, statt den Layenhof als neue Siedlung zu nutzen“, erklärt der ehemalige Oberbürgermeister. Weyel ist der Meinung, Mainz Layenhof kann für die Stadt noch immer eine gute Möglichkeit zur Erweiterung des Wohnraums sein: „Aus meiner Sicht ist das die einzig geeignete Erweiterungsfläche für Mainz.“

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