Zum 60. Geburtstag: Sandro Schwarz und Guido Schäfer gratulieren Kult-Kuhnert

Mainz-05-Legende Stephan Kuhnert wird 60. Und weil der Torwarttrainer schon so lange im Verein ist, gibt es jede Menge Geschichten rund um die Kult-Figur. Sandro Schwarz und Guido Schäfer erinnern sich für Merkurist an einige davon.

Zum 60. Geburtstag: Sandro Schwarz und Guido Schäfer gratulieren Kult-Kuhnert

Als Spieler und Torwarttrainer: Stephan „Kuhni“ Kuhnert hält Mainz 05 schon seit 1986 die Treue! Bei Fans, Kickern und Verantwortlichen wird er einerseits als Kult-Charakter geschätzt. Auf der anderen Seite schaffte es Kuhnert als Torwarttrainer, Mainz 05 zu einer Top-Adresse für junge, aufstrebende Torhüter zu machen. Kaum zu glauben: Am Montag (7. September) feiert die Identifikationsfigur der 05er schon ihren 60. Geburtstag.

Ex-Mainz-Cheftrainer Sandro Schwarz kennt Kuhnert bereits seit den 90er-Jahren. Anfangs spielten sie gemeinsam für die 05er. Kuhnert als alter Hase - Schwarz dagegen als Neuling im Profifußball. Im Gespräch mit Merkurist erinnert sich Schwarz: „Als ich zum ersten Mal als Profi von Beginn an gegen Fortuna Düsseldorf ran durfte, hat er mich direkt zu Spielbeginn bei einem Abwurf angeworfen. Der Ball ist mit voller Wucht gegen meinen Kehlkopf geknallt. Da habe ich nur gedacht: Hast du noch alle Latten am Zaun? Darüber lachen wir beide heute noch.“

Vom Mitspieler zum Trainer

Ein anderes Mal half Schwarz nach einer Verletzung bei den Mainzer Amateuren aus. Weil sich der Stammtorwart verletzte, stand Kuhnert gemeinsam mit Schwarz auf dem Feld. „Im Spiel gab es dann einen Elfmeter gegen uns. Als der Schiedsrichter pfiff, rollte der Ball ewig weit weg“, erinnert sich Sandro Schwarz. Als Kuhnert sich schon auf den Strafstoß vorbereiten wollte, habe sich immer noch keiner um den Ball gekümmert. „Der Schiedsrichter ging auf Kuhni zu und fragte: ‘Können Sie mal den Ball holen?’. Kuhni schrie zurück: ‘Bin ich hier der Balljunge, oder was?’ Da konnte ich mich vor Lachen kaum noch halten.“

Später war Kuhnert dann kein Mannschaftskollege mehr von Sandro Schwarz, sondern als Assistent von Jürgen Klopp dessen Trainer. „Er hatte sich sehr gut reingearbeitet in diese Aufgabe. Kuhni war immer einer, der sich auch über das Torwartspiel hinaus Gedanken über Fußball gemacht hat.“ Den Trainerstil von Kuhnert beschreibt Schwarz heute so: „Er war taktisch sehr weit, konnte aber auch mal einen lockeren Spruch raushauen.“ Wenn jemand verbal zurückschoss, habe Kuhnert das gut abgekonnt.

Als Sandro Schwarz im Sommer 2017 selbst Cheftrainer von Mainz 05 wurde, war Kuhnert als Torwarttrainer natürlich in dessen Gespann. Noch heute ist er von Kuhnerts Umgang mit jungen Torhütern beeindrukckt: „Er findet Zugang zu den Jungs, geht offen und ehrlich mit Lob und Kritik um. Inhaltlich arbeitet er außerdem sehr akribisch mit seinen Torhütern.“ Der Altersunterschied von rund 40 Jahren zu seinen Keepern sei dabei kein Problem, sagt der Bundesliga-Coach. „Ich denke, das tut Kuhni sogar gut - man bleibt jung, wenn man ständig von jungen Menschen umgeben ist. Das merkt man Kuhni auch an - man glaubt eigentlich nicht, dass er schon 60 ist.“

Kult-Kicker unter sich

Einer, mit dem Kuhnert noch zu Spielerzeiten die ein oder andere wilde Geschichte erlebte, ist Guido Schäfer. Er kickte jahrelang mit Kuhnert zusammen und arbeitet heute als Chefreporter für die „Leipziger Volkszeitung“. An seine erste Begegnung mit Stephan Kuhnert erinnert sich Schäfer heute noch gut: „In der Saison 1983/84 trafen wir in der Oberliga aufeinander. Ich spielte bei Mainz 05, Kuhni bei Wormatia Worms. Er hatte so eine komische Frisur und lange, dürre Beine wie ein Storch und kam für meinen Geschmack ein bisschen unheimlich rüber.“

Ende der Achtziger wurden aus den Gegenspielern dann Teamkollegen. Kuhnert war inzwischen zum FSV gewechselt. Schäfer kehrte nach Stationen in Birkenfeld und Bad Kreuznach zurück nach Mainz. Und von da an entwickelte sich zwischen Stephan Kuhnert und Guido Schäfer eine Freundschaft, die bis heute Bestand hat. „Wir sind Brüder im Geiste, Freunde für’s Leben“, sagt Schäfer über sein Verhältnis zu Kuhnert. „Wenn es ihn nicht gäbe, müsste man Kuhni erfinden!“ Besonders an einen Tipp seines Kumpels kann sich Schäfer noch gut erinnern: „Kuhni hat zu mir gesagt: ‘Guido, du musst dein Spiel ändern. Nicht dir muss es im Zweikampf wehtun, sondern deinem Gegenspieler!’ Und das habe ich dann auch so gemacht.“

„Das sah wie ein Betriebsunfall bei BASF aus.“ - Guido Schäfer über einen „Sauna-Unfall“ mit Kumpel Stephan Kuhnert

Und dann gibt es da noch die Geschichten aus dem Profi-Leben von Schäfer und Kuhnert, die sich im bezahlten Fußball heutzutage wohl nicht mehr so abspielen könnten. Als die beiden samt Kollegen einmal ein Trainingslager auf Mallorca bezogen, gingen einige Spieler in die Sauna. Schäfer erzählt: „Dann kam Kuhni und meinte, dass er jetzt einen speziellen Aufguss macht.“ Was dann geschah, beschreibt Schäfer heute als „Alkoholunfall“. Sofort habe sich ein seltsamer Nebel in der Sauna verbreitet: „Das sah wie ein Betriebsunfall bei BASF aus“, beschreibt Schäfer die Situation. Der Grund: „Kuhni hat nicht wie üblich einen Wodka-Aufguss gemacht, er hat einen grünen Creme-Likör verwendet. Danach war die Sauna eine Woche lang geschlossen.“

Ein anderes Mal feierten Schäfer und Kuhnert Rosenmontag in Mainz. Weil am Tag danach eine Trainingseinheit anstand, verabredete das Duo einen Plan: Beide wollten sich derart verkleiden, dass sie unerkannt feiern konnten. Blöd nur, dass Stephan Kuhnerts Verkleidung nicht besonders gut war. Guido Schäfer erzählt: „Ich kam um 11 Uhr verkleidet in einer Kneipe in der Augustinergasse an. Als Kuhni eine halbe Stunde später eintrudelte, habe ich meinen Augen nicht getraut: Er sah aus wie immer und hatte sich einfach ein Stirnband übergezogen.“

Nach einer sehr ausgiebigen Rosenmontagsfeier erschienen Kuhnert und Schäfer am nächsten Tag angeschlagen beim Training. „Wir hatten noch gut einen sitzen, es müssen ungefähr zwei Promille gewesen sein“, glaubt Guido Schäfer sich zu erinnern. Als ein Mitspieler aus 40 Metern auf Stephan Kuhnerts Tor schoss, sah der dank der ausufernden Feier am Vortag drei Bälle auf sich zufliegen. „Kuhni hat später gesagt, er habe sich dann einfach für den mittleren Ball entschieden und das Ding gehalten. Andere sagen, er hat den Ball an den Kopf bekommen und ist dann einfach umgekippt“, so Schäfer.

Schäfer kämpfte für Kuhnert

Die Freundschaft zwischen Guido Schäfer und Stephan Kuhnert war aber nicht nur von lustigen Feier-Geschichten geprägt. Wenn es ernst wurde, setzte sich der eine auch mal für den anderen ein. Als die 05er 1994 Kuhnerts Vertrag nicht verlängern wollten, setzte Guido Schäfer alles daran, seinen Kumpel an Bord zu halten. Der Allgemeinen Zeitung (AZ) gab er ein Interview, in dem er das Thema Kuhnert und dessen mögliches Aus beim FSV deutlich ansprach. Wenige Stunden vor dem wichtigen Heimspiel gegen Rot-Weiss-Essen am vorletzten Spieltag der Saison erschien die AZ-Ausgabe samt Schäfers Interview. Doch das schmeckte dem damaligen Präsidenten Harald Strutz laut Schäfer überhaupt nicht. Strutz sei in die Mannschaftssitzung geplatzt und habe rumgeschrien und ihn dann vor versammelter Mannschaft auseinandergenommen, beschreibt Guido Schäfer die Situation. Das Spiel endete 1:1, Mainz 05 hielt die Klasse und Stephan Kuhnert blieb doch noch bei Mainz 05.

Und dann ist da noch die Geschichte, als Stephan Kuhnert einmal das Tor des Monats schoss. Im Spiel gegen Borussia Neunkirchen 1989 drosch der Torwart einen Abschlag so weit über den Platz, dass der Ball im gegnerischen Tor landete. Guido Schäfer stand damals mit auf dem Feld, und machte sich Hoffnungen, Nutznießer der Szene sein zu können: „Ich dachte noch, der geht bestimmt an die Latte und dann schiebe ich ihn rein, aber dann ging der Ball einfach gleich ins Tor.“

„Er ist der beste Torwart, der jemals bei Mainz 05 gespielt hat. - Guido Schäfer über Stephan Kuhnert

Rückblickend sagt Guido Schäfer über seinen Torwart-Kumpel: „Er ist der beste Torwart, der jemals bei Mainz 05 gespielt hat. Beim Rauslaufen hat er Angst und Schrecken verbreitet. Er hat das 1-gegen-1-Spiel (Stürmer geht allein auf Torwart zu) revolutioniert. Kuhni hat praktisch damit angefangen, sich groß zu machen und die Beine geschlossen zu halten, sodass das Tor für Stürmer immer kleiner wurde.“ Kuhnert habe zu seiner Zeit „absolutes Bundesliga-Niveau“ gehabt, dazu praktisch keine Schwächen. Und auch die Kommunikation auf dem Platz zwischen den beiden war immer optimal. „Als ich Vorstopper war und einen Fehler gemacht habe, hat er geschrien: ‘Reiß dich mal zusammen oder bist du noch voll!?’“

Anekdoten dieser Art hat Guido Schäfer noch zuhauf auf Lager. Man könnte ganze Bücher damit füllen. Vielleicht ja dann, wenn Stephan Kuhnert eines Tages seine Torwarthandschuhe an den Nagel hängt und seinen Ruhestand genießt. Mainz 05 wäre dann aber um eine aktive Vereinslegende ärmer. (mm)

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