Der Philosoph Demokrit wusste schon lange vor Mainz 05, wie man Großes erreichen kann und verknüpfte Mut mit Glück. In der ablaufenden Saison zeigten wir mal wieder keine Angst vor dem Abstieg, sondern stellten uns ihm tapfer entgegen. Wenige Spieltage vor Schluss konnten wir gemeinsam in Hamburg den Klassenerhalt feiern.
Das Frauenteam der 05er hat den Aufstieg vor Augen und braucht im Endspiel allen Mut, um dem Druck standzuhalten.
Die U19 kann erneut Meister werden und sich so ein weiteres Mal auf tolle Spiele in der Youth League freuen. Auch hier gilt es, mutig die Saison zu beenden.
So einfach kann es sein. Doch am Ende muss an anderen Stellen ausreichend Mut bewiesen werden, um die Weichen auch nach der Pause in Richtung Glück zu stellen.
Die Junioren werden sicher mutig aufspielen und können in den großen Spielen am Bruchweg auf lautstarke Unterstützung setzen.
Ein Aufstieg der Frauen ist greifbar. Sollte dieser gelingen, wäre „Wir wollen erstklassig bleiben!“ ein mutiges Saisonziel und echte Verstärkungen im Sommer wären ein deutliches Bekenntnis zu dieser noch jungen Vereinsabteilung.
Anders ist es bei den Herren! Auch wenn der Klassenerhalt sicher jedes Jahr die Basis bilden muss, darf oder sollte die Zielsetzung gerne mal mutiger sein. Die Erlebnisse in Europa waren einzigartig und alle sollten gemerkt haben, was dies für einen kleinen Verein bedeutet. Die öffentliche Wahrnehmung über die Stadt- und Landesgrenzen hinaus, die Einnahmensteigerung und natürlich ganz vorne die Euphorie im eigenen Fanlager.
Das Team hat in der Rückrunde bewiesen, dass es eigentlich mehr kann als Abstiegskampf. Ein paar clevere und gerne auch mutige Entscheidungen auf dem Transfermarkt und das Saisonziel 26/27 darf ruhig „Europa“ heißen.
Wir müssen Spieler nicht unter Wert ziehen lassen und das, was dieser kleine Verein immer wieder erreicht, sollte für sich sprechen. Ein Nadiem Amiri in Mainz war vor wenigen Jahren Utopie. Heute würde er sicher bestätigen, dass der mutige Schritt nach Mainz richtig war – und hoffentlich auch bleiben wird.
Aber auch darüber hinaus darf es gerne mutiger werden. Die Saison 25/26 hat vielerorts gezeigt, dass Vereine den Mut haben, besondere Wege zu gehen. Am Sonntag stand erstmals eine Frau bei einem Bundesligateam in der Mewa Arena als Cheftrainerin an der Seitenlinie. Und entführte drei Punkte aus Mainz.
In der Halbzeit unseres Spiels bei St. Pauli positionierten sich Verein und Fans gemeinsam gegen die Pläne und den Druck der Innenminister und erklärten, dass die Stadien sichere Orte sind.
Und unser nächster Gegner Heidenheim hat auch in der ausweglosesten Situation mutig am Trainer festgehalten und sich die Chance auf die Relegation erhalten.
Natürlich kann jede mutige Entscheidung auch schiefgehen. Aber wie Demokrit schon wusste, bietet mutiges Handeln die Aussicht auf Glück.
Lasst uns als Verein also mutiger sein!
Über den Autor
Alex Schulz geht in seine 29. Saison mit nahezu allen 05-Pflichtspielen live vor Ort. In dieser Zeit hat er viel fanpolitische Arbeit in verschiedenen Funktionen geleistet und tut dies noch immer.
Über die Fan-Kolumne
Was ist gerade Thema bei Fußball-Fans in Mainz und Umgebung? In der Fan-Kolumne berichten Felicitas Budde, Christoph Kessel, Sebastian Schneider und Alex Schulz im Wechsel, was sie gerade rund um Mainz 05, den Fußball allgemein oder gesellschaftspolitisch bewegt.