Selbsthilfe-Werkstatt: „Bike Kitchen Mainz“ eröffnet an neuem Standort

Bike Kitchen Mainz hat ein neues Zuhause in der Innenstadt. In wenigen Tagen öffnet die Fahrrad-Selbsthilfewerkstatt auf der Ludwigsstraße.

Selbsthilfe-Werkstatt: „Bike Kitchen Mainz“ eröffnet an neuem Standort

Einen Tag nach meteorologischen Frühlingsanfang eröffnet am Samstag (21. März) die Selbsthilfe-Werkstatt „Bike Kitchen Mainz“ einen neuen Standort in der Innenstadt. In der Ludwigsstraße 12 kann das eigene Fahrrad für die warme Jahreszeit fit gemacht werden. Die Reparatur wird unter Anleitung des „Bike Kitchen“-Teams selbst durchgeführt. Dabei kann das Werkzeug verwendet werden, dass die ehrenamtliche Initiative vor Ort sammelt.

Wie Daniel aus dem Team im Gespräch mit Merkurist mitteilt, zieht die Initiative in einen der Pavillons auf der Ludwigsstraße, in den Raum des ehemaligen Apollo-Optikers. Am Samstag (21. März) wird es zum Start eine Eröffnungsfeier geben. Das Konzept bleibt wie bei den vorherigen Standorten dasselbe: Hilfe zur Selbsthilfe – das eigene Rad wieder flottmachen sowie gemeinsame Aktivitäten und Kultur fördern.

Hilfe beim Selbermachen

„Wenn du erwartest, dass jemand dein Bike für dich repariert, bist du hier falsch“, erklärt Gründungsmitglied Daniel. Das Prinzip laute eher: „Die vordere Bremse reparieren wir zusammen, und die Hintere machst du selber.“ Jeden Donnerstag von 17 bis 20 Uhr stellt das ehrenamtliche Team Werkzeug, gespendete Ersatzteile und sein Fachwissen zur Verfügung. „In diesen drei Stunden schafft man es in der Regel, fast alles an seinem Rad zu reparieren“, so Daniel.

Eine Konkurrenz zu etablierten Fahrradläden sehe man nicht. Im Gegenteil, sagt Daniel, man arbeite mit vielen Fahrrad-Fachläden zusammen. Während Werkstätten oft ausgebucht sind oder nur noch die eigenen Fahrräder reparieren, biete „Bike Kitchen“ eine Alternative für alle, die selbst Hand anlegen wollen und womöglich wenig Geld zur Verfügung haben, so Daniel.

Das Werkzeug und die Beratung sind grundsätzlich kostenlos. Ersatzteile werden gesammelt und Werkzeuge mit Spendengeldern eingekauft. Abgelehnt werden nur E-Bikes, die Reparaturen an Elektronik oder Akkutechnik benötigen. Ansonsten gebe es kaum Grenzen, bei dem was repariert werden könne im „Bike Kitchen“, sagt Daniel.

Reparieren, kochen, feiern

Der neue Raum soll laut Organisatoren mehr als nur ein Ort zum Schrauben werden. „Wir haben es nicht nur gegründet, um Fahrräder zu reparieren, sondern auch, um Kultur in die Stadt zu bringen“, sagt Daniel. Die Initiative versteht sich als inklusiver Treffpunkt, an dem in der Vergangenheit bereits Lesungen, Theaterstücke oder gemeinsame Kochabende stattfanden. Jeder, der Ideen hat, sei willkommen, sich einzubringen. Die Initiative lebe von einem gemeinschaftlichem Team ohne Hierarchie, so Daniel.

Das Wort „Kitchen“ im Namen der Mainzer Initiative kommt außerdem nicht von ungefähr. Das Konzept der „Bike Kitchen“ stammt ursprünglich aus den USA, wo nach gemeinschaftlicher Reparatur traditionell gemeinsam gekocht und gegessen wird. Tatsächlich gibt es in den neuen Räumen eine Einbauküche für gemeinsame Kochabende. In vorherigen Locations wie dem Allianzhaus oder der Peter-Jordan-Schule musste dafür noch mit Gaskocher oder einem selbstgebauten Lehmofen improvisiert werden.

Eröffnungsfeier in neuer Location

Finanziert wird das Projekt ausschließlich über Spenden. Die neue Location ist bereits der siebte Standort seit der Gründung 2013 und wird dem Team als Zwischennutzung vom Eigentümer Molitor Immobilien zur Verfügung gestellt. Bis die Baugenehmigung für die Pavillons des alten Karstadt-Gebäudes vorliegen, kann „Bike-Kitchen“ den Raum auf der Ludwigsstraße nutzen – also voraussichtlich bis 2027.

Die große Eröffnung am Samstag, 21. März, beginnt um 14 Uhr. Geplant sind eine Clown-Show um 15 Uhr und ein Glücksrad mit fahrradspezifischen Gewinnen. Wichtig zu wissen: An diesem Tag wird gefeiert, nicht geschraubt. Die erste reguläre Reparatur-Sprechstunde findet dann am darauffolgenden Donnerstag (26. März) statt.