Karstadt-Abriss: Was geschieht nun mit den Geschäften in der Lulu?

Vor einigen Tagen haben die Abrissarbeiten des alten Karstadt-Gebäudes in der Ludwigsstraße begonnen. Die Shops im Gebäude jedoch bleiben erst einmal bestehen. Wie lange noch?

Karstadt-Abriss: Was geschieht nun mit den Geschäften in der Lulu?

Mitten in der Mainzer Innenstadt, auf dem Gelände des ehemaligen Karstadt-Gebäudes, haben vor einigen Tagen die Abrissarbeiten begonnen. Entstehen wird hier in den nächsten Jahren ein „modernes Areal“, mit viel Abwechslung und zahlreichen Shopping-Möglichkeiten, mit Restaurants, einem Hotel und sogar Konzertsälen.

Abgerissen wird als erstes das Verbindungsbauwerk über der Fuststraße und die Gebäudeteile Fuststraße 2 sowie Bischofsplatz 12 (wir berichteten). Das „Hauptgebäude“ ist also erst später an der Reihe.

Seit der Karstadt geschlossen ist, haben sich im Inneren des ehemaligen Kaufhauses Mainzer Shops angesiedelt, kleine Start-Ups, Künstler und Kollektive. Einheimische und Touristen kommen seitdem hierher, da es vor allem Dinge aus Mainz und Umgebung zu kaufen gibt: aus den ansässigen Brauereien, kleinen Manufakturen und oft aus nachhaltiger Produktion. Seit Ende 2020 sind sie offiziell in der „Lulu“, richtig starten konnten sie erst nach den pandemiebedingten Schließungen ein paar Monate später.

Kleine Unternehmen haben hier Fuß gefasst

„Kleine, oft neu gegründete Unternehmen bekommen hier eine gute Möglichkeit, für wenig Geld mitten in der Stadt Kunden zu erreichen, sich auszuprobieren und Fuß zu fassen“, erklärt Daniel Sieben vom Liebs Store gegenüber Merkurist. Das Liebs war einer der ersten Stores, die sich, neben dem festen Laden in der Neustadt, mit einer Verkaufsfläche angesiedelt hatten. Ihr Schwerpunkt: Lokales und Außergewöhnliches aus aller Welt. Zusätzlich werden Produkte von anderen Läden, wie dem Mainz05-Fanshop oder GotBag, verkauft. Viele Betreiber in der Lulu seien mit einem Onlineshop gestartet, hätten hier aber inzwischen Stammkunden gewonnen, die sie vor Ort besser beraten können. An einem Stand werden Socken aus einem ukrainischen Familienbetrieb verkauft, ein Friseur ist kurz vor seiner Eröffnung.

Regelmäßig gibt es Veranstaltungen, wie Führungen, Tastings oder Workshops. Auch Künstler haben die Möglichkeit hier auszustellen, kostenlos. „Das wertet das Ganze noch einmal auf“, so Sieben. Acht Shops sind im Moment hier, plus zwei Künstler mit eigenen Ausstellungsflächen. Einige nutzen die Flächen auch nur vorübergehend oder lediglich an den Wochenenden. Boxen kann man sogar tageweise mieten. Momentan stehe sogar noch Fläche zur Verfügung. Gemeinsam haben die Ladenbetreiber hier den Innenraum gestaltet, den Eingang gestrichen, ihre Banner angebracht, die Flächen geplant. „Es ist ein wunderbares Miteinander“, sagt auch Rosel Marzan, Mitinhaberin des Kollektiv Mainz.

Was passiert nun mit ihnen?

„Bis 31. Dezember dürfen wir noch hierbleiben“, erklärt Sieben. „Das ist wirklich gut, denn so können wir das Vorweihnachtsgeschäft noch mitnehmen.“ Nun suche man nach anderen Möglichkeiten, um eventuell Räume zur Zwischennutzung zu bekommen. „Wir sind offen für neue Projekte.“ Eine normale Ladenfläche komme nicht in Frage, dafür seien die Mieten für solch kleine Geschäfte in der Innenstadt schlichtweg zu hoch. „Die Standorte können sich die Global Player leisten, wir nicht“, so Marzan.

Grabesstimmung herrsche dennoch keine, sagt Sieben. Auch wenn viele Besucher fragen würden, wie es nun weitergehe. „Wir freuen uns auf das nächste halbe Jahr und müssen dann schauen, wie es weitergeht.“

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