Kollektiv Mainz eröffnet Shop

Lokale Labels und Dienstleister unter einem Dach vereint - das ist die Idee von Leny Stegmaier und Vera Kohl. Sie haben das Kollektiv Mainz gegründet. Wie sie den Einzelhandel in der Stadt bereichern wollen.

Kollektiv Mainz eröffnet Shop

Viel ist in der alten Feuerwache noch nicht zu sehen. Ein paar Regale hängen schon und auch die Theke ist so gut wie fertig. In der Ecke stehen noch einzelne Regalbretter herum, Werkzeug, Taschen und Flyer liegen auf den bereits aufgebauten schwarzen Tischen. Trotzdem kann man schon gut erahnen, was im Shop des Kollektivs Mainz auf die Kunden wartet - offiziell wird am 1. Juni eröffnet.

Vera Kohl und Leny Stegmaier haben die alte Feuerwache an der Neubrunnenstraße 13 übernommen und wollen hier nun lokale Labels, Start-ups und andere kreative Köpfe unter einem Dach versammeln. Diese können sich einmieten und ihre Produkte oder Dienstleistungen anbieten. Der Clou: Alle drei Monate wechselt das Sortiment und ein anderes Label rückt nach. Doch wie sind Leny und Vera auf die Idee gekommen? „Wir haben ein bisschen rumgesponnen, wie cool es doch wäre, wenn es eine Art Shop-WG geben würde“, sagt Vera. Viele Labels hätten Lust auf eigene Läden, doch sei das eine große Entscheidung. „Wir wollen den Labels die Möglichkeit geben, sich im stationären Handel auszuprobieren und mit anderen Machern Räumlichkeiten zu teilen und sich auszutauschen.“

Dann ging alles ganz schnell. „Eigentlich wollten wir uns mit der Sache viel mehr Zeit lassen“, sagt Vera. Doch die Interessenten, die die alte Feuerwache mieten wollten, seien kurzfristig abgesprungen - ein glücklicher Zufall. Vera und Leny entschieden Ende März, das Projekt zu starten und stellten das Konzept verschiedenen Labels vor. „Die Rückmeldung ist super, alle finden es total cool. Man hat das Gefühl, dass sie nur darauf gewartet haben“, sagt Leny. Deswegen ist das Kollektiv für die nächsten drei Monate auch voll.

„Jeder soll auch sich selbst zur Verfügung stellen“

Teil des Konzepts ist, dass die Anbieter der Produkte auch selbst im Laden stehen und ihre Waren verkaufen. „Sinn ist es nicht, dass das Label einfach seine Waren bei uns abliefert und wir verkaufen sie“, sagt Vera. „Jeder soll sich auch selbst zur Verfügung stellen, im Laden stehen und die dort angebotenen Produkte verkaufen. Eben ein Teil des Kollektivs sein.“

Grundsätzlich sei der Raum in zwei verschiedene Bereiche aufgeteilt - Ko-Store und Ko-Work. Im Ko-Store findet der Kunde alle möglichen Produkte von Kleidung über Baby-Pflegeprodukte bis zu Schmuck und Taschen. Alles sei erlaubt, sagt Vera. Mit dabei sind in den ersten Monaten unter anderem der Pankratiushof, das T-Shirt-Label Pussywang und ALMA FFM, die veganen Schmuck produzieren. Im Ko-Work-Bereich werden Dienstleistungen angeboten, zum Beispiel Fotografie oder Textildesign. Alle acht bis zehn Wochen soll zudem ein Pop-up-Event, „eine Art Markt“, stattfinden. Auch Workshops zu den unterschiedlichsten Themen wollen Leny und Vera anbieten.

Die beiden jungen Frauen kennen sich seit sieben Jahren, haben sich in Mainz eigene Unternehmen aufgebaut. Die 34-jährige Vera betreibt das Café „Dicke Lilli, gutes Kind“ und die Bar „Marlene“, die 33-jährige Leny ihr Kindermode-Label „Wild im Herzen“. „Wir kennen uns sehr gut, haben eine starke emotionale Bindung. Wir freuen uns sehr, dass das alles so geklappt hat.“

„Wir wollen die Liebe und Leidenschaft zum Produkt spüren.“ Leny

Wer interessiert ist, sich in das Kollektiv Mainz einzumieten, der kann sich bewerben. „Uns ist wichtig, dass die Produkte keine Massenware sind und auch nachhaltig produziert werden. Es soll etwas Neues sein. Und wir wollen die Liebe und Leidenschaft zum Produkt spüren“, sagt Leny. Vera ergänzt: „ Außerdem müssen wir uns mit den Machern verstehen, wir wollen gleich auf einer Wellenlänge sein. Es muss einfach passen.“ Die Labels und Dienstleister können ihren Mietvertrag erst einmal für drei Monate abschließen, eine Verlängerung ist aber möglich. „Die Verkäufer bezahlen 250 Euro pro Monat, dazu kommen Transaktionskosten. Der Umsatz mit den Produkten geht zu 100 Prozent an die Labels“, sagt Vera.

Wer einen Blick in den Store des Kollektivs Mainz werfen will, kann ab Mittwoch, 15. Mai, in der Neubrunnenstraße 13 vorbeischauen. Offiziell wird der Shop am Samstag, 1. Juni, eröffnet. Los geht es um 10 Uhr. Danach hat das Kollektiv Mainz dienstags bis freitags von 11 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 16 Uhr geöffnet. (pk/mm)

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