Hier kommen die Witze über Finthen her

Witze über Finthen sind in Mainz und über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Doch woher kommen die Witze und wie ernst sind sie gemeint?

Hier kommen die Witze über Finthen her

Spaß und Fastnacht oder Rivalität und Neid: Was steckt hinter den Witzen über Finthen, an denen sich so einige Mainzer vergnügen? Um zu verstehen, warum gerade Finthen als Spottobjekt benutzt wird, muss man einen Blick in die Vergangenheit werfen. Dabei geht es von der Entwicklung und Eingemeindung Finthens bis hin zur Fernsehsitzung der Mainzer Fastnacht.

Rivalitäten zwischen Nachbargemeinden

„Es ist durchaus üblich, dass sich zwischen Nachbargemeinden, zudem wenn sie sehr unterschiedlich sind, Rivalitäten entwickeln“ erklärt Kurt Merkator, ehemaliger Sozialdezernent und Mitglied des Heimat- und Geschichtsvereins Finthen. Ihren Ausdruck finden die Rivalitäten in gegenseitigen Witzen. Das ist so zwischen Mannheim und Ludwigshafen, zwischen Mainz und Wiesbaden, aber auch zwischen Finthen und Gonsenheim. Doch wie entstand die Rivalität zwischen den beiden Mainzer Ortsteilen?

Finthen ist heute immer noch sehr stark landwirtschaftlich geprägt und hat kaum ein anderes Gewerbe, erklärt Merkator. In die Stadt Mainz wurde das bäuerlich geprägte Dorf erst 1969 eingemeindet und somit knapp 30 Jahre später als Gonsenheim, das bereits 1938 Teil der Stadt war, so der ehemalige Sozialdezernent. Diese Tatsache unterstreicht den Kommentar eines Merkurist-Lesers, dass sich nach der Eingemeindung einige „Altmainzer“ über die „Bauern“ aus Finthen lustig gemacht hätten.

Mit der Breiten Straße, seinem Villengebiet und dem eigenen Bahnhof sei Gonsenheim schon immer moderner und städtischer gewesen als Finthen. Vor allem die Bahnanbindung war früher ein echter Nachteil für Finthen, erklärt Merkator. In Gonsenheim ankommende Waren mussten mit einem Pferdefuhrwerk nach Finthen transportiert werden. „Die Gonsenheimer hatten den Vorteil, vor Ort zu sein und damit das bessere Geschäft zu machen, was wiederum die Finther verärgerte“, so Merkator.

Witze in der Fastnacht

Ebendiese Rivalität wird gerne in der Fastnacht aufgegriffen. Im närrischen Rostra machen die verschiedenen Finther und Gonsenheimer Karnevalsvereine Witze auf Kosten des anderen. Dass gerade Finthen überregional als Spottobjekt bekannt ist, macht Merkator an der Tatsache fest, dass Gonsenheim im Gegensatz zu Finthen mit dem GCV und den Eiskalten zwei Karnevalsvereine hat, die jährlich bei „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“ vertreten sind. Witze über Finthen werden hier bundesweit verbreitet. „Die Finther Karnevalsvereine FCV, Freiherren und vor allem Radfahrer machen auch ihre Witze über Gonsenheim, die bleiben aber lokal“, erklärt Merkator.

Das Witzeln zwischen den beiden Gemeinden sei jedoch in den seltensten Fällen außerhalb des närrischen Treibens ernst gemeint. Aus diesem Grund sollten die Witze auch nicht überhöht werden, so Merkator. „Finther besuchen Gonsenheimer Feste genau wie Gonsenheimer nach Finthen kommen, um gemeinsam zu feiern“, erklärt der ehemalige Sozialdezernent.

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