Ärger um Schließung der „Fundgrube“ in Kastel

Der Verein „Rheinhessen hilft“ ist nicht damit einverstanden, dass die „Fundgrube“ in Mainz-Kastel wegen des Lockdowns schließen muss. Weil der Markt mit seinen günstigen Preisen Obdachlose unterstützt, hofft der Verein auf eine Wiedereröffnung.

Ärger um Schließung der „Fundgrube“ in Kastel

Wenn der Kältebus in Mainz unterwegs ist, um obdachlose Menschen mit Decken, Kleidung oder warmen Getränken zu versorgen, dann stammt seine Ladung nicht selten aus der „Fundgrube“ in Mainz-Kastel. In dem Sonderpostenmarkt darf der dahinterstehende Verein „Rheinhessen hilft“ aber auch die Obdachlosen selbst zu guten Konditionen und fairen Rabatten einkaufen. Das geht nun allerdings nicht mehr, denn der Markt musste wegen des Lockdowns schließen. Den Verein ärgert das.

Verein hofft auf Wiedereröffnung

„Wir möchten an die zuständigen hessischen Behörden appellieren, die Entscheidung zur Schließung der Fundgrube zu überprüfen“, schreiben die Verantwortlichen dazu in einem Facebook-Post. Nicht nur, weil sich die Marktleitung für sozial Schwächere einsetzt, sondern auch, weil dem Verein der Grund für die Schließung nicht ganz klar ist.

„Das Corona-Virus ist hoch gefährlich und ernst zu nehmen. Andererseits muss hier eine Interessensabwägung vorgenommen werden.“ - Rheinhessen hilft

„Das Corona-Virus ist hoch gefährlich und ernst zu nehmen“, stellt der Verein klar. „Andererseits muss hier aber - unter Beachtung aller Hygieneauflagen - eine Interessenabwägung vorgenommen werden.“ So habe die Fundgrube auch viele Lebensmittel und wichtige Dinge für den alltäglichen Bedarf angeboten. Artikel, die nicht in diesen Bereich gehörten, seien abgesperrt worden. Trotzdem habe die Wiesbadener Stadtpolizei den Markt schließen lassen, während eine Fundgrube in Bodenheim nach wie vor geöffnet ist. In der Hoffnung, dass diese Entscheidung geändert wird, habe sich der Verein jetzt an alle „demokratischen Landtagsfraktionen“, die Stadtratsfraktionen und den Oberbürgermeister von Wiesbaden gewendet.

Stadt folgt Verordnung des Landes

„Der Schwerpunkt der „Fundgrube“ liegt jedoch mit circa 70 Prozent der angebotenen Waren im nicht erlaubten Bereich.“ - Sprecher Stadt Wiesbaden

Auf Anfrage bestätigt ein Sprecher der Stadt Wiesbaden, dass die Fundgrube aufgrund der „Corona-Kontakt- und Betriebsbeschränkungsverordnung“ geschlossen wurde. Demnach müssen alle Verkaufsstellen des Einzelhandels geschlossen werden - und die Fundgrube gehöre zu keiner der 20 Ausnahmen, die in der Verordnung festgeschrieben sind. „In der ‘Fundgrube’ werden zwar unter anderem auch Lebensmittel, deren Verkauf im Rahmen eines Lebensmitteleinzelhandel weiter zulässig wäre, angeboten“, erklärt der Sprecher. „Allerdings ist bei Mischwarenläden der Schwerpunkt im Sortiment entscheidend. Der Schwerpunkt der ‘Fundgrube’ liegt jedoch mit circa 70 Prozent der angebotenen Waren im nicht erlaubten Bereich.“

Da der Betreiber nicht erlaubte Bereiche abgesperrt hatte, muss ihm diese Regelung auch „grundsätzlich bekannt gewesen sein“, so der Sprecher weiter. „Nach den genannten Vorschriften war die Verfahrensweise des Betreibers mit dem Absperren von einzelnen Warengruppen jedoch nicht zulässig.“ Wie es sich bei anderen Läden, wie der Fundgrube in Bodenheim, verhält, müsse im Einzelfall geklärt werden. Eine Ausnahme machen dürfe die Stadt selbst in jedem Fall nicht. Denn bei der Corona-Verordnung handelt es sich um eine Anordnung des Landes.

Linke & Piraten wollen Thema ins Rathaus bringen

Unter dem Facebook-Post des Vereins haben sich derweil viele Unterstützer der Forderung gefunden - darunter auch einer aus dem Rathaus. Die Wiesbadener Linke & Piraten-Fraktion will die Entscheidung der Stadt im Magistrat und in den entsprechenden Ausschüssen zum Thema machen.

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