12 Stunden Tage, Stress, Vorfreude: Mainzer Friseure vor der Eröffnung

In acht Tagen dürfen die Friseursalons in Mainz nach dem Lockdown wieder öffnen. Darauf bereiten sich die Friseure gerade vor - und stehen dabei nach langer Zeit ohne Einnahmen unter Druck.

12 Stunden Tage, Stress, Vorfreude: Mainzer Friseure vor der Eröffnung

Endlich die kaputten Spitzen wegschneiden, den Ansatz nachfärben und den Nacken ausrasieren lassen - darauf freuen sich viele Mainzer schon jetzt. Denn am 1. März dürfen die Friseure wieder öffnen. Während die Kunden es kaum erwarten können, ihren Lockdown-Look loszuwerden, wird die Vorfreude vieler Friseure getrübt - durch Stress und Existenzängste. Drei von ihnen erzählen, wie sie sich auf die Wiedereröffnung vorbereiten und wie es ihnen dabei geht.

Friseure stehen vor Problemen

„Ich habe unsere Online-Terminbuchungen zum Haareschneiden vor einer halben Stunde freigeschaltet, jetzt haben wir schon 77 Termine“, erzählt Fabian Frey von „Freystil Friseure“ in der Spritzengasse. Obwohl das nach der langen Schließung eigentlich gut ist, klingt er nicht wirklich glücklich. „Natürlich freuen wir uns, dass wir wieder arbeiten können, aber es ist alles nicht so einfach“, sagt der Friseurmeister.

Auf der einen Seite seien da die Organisationsschwierigkeiten. Die vom Land vorausgesetzten Hygienekonzepte ließen Fragen offen, und er müsse Termine und Dienstpläne so gestalten, dass nicht zu viele Personen gleichzeitig im Laden sind. Bei so vielen Terminanfragen und zehn Mitarbeitern sei das nicht leicht. Außerdem gebe es coronabedingt Lieferschwierigkeiten bei einigen Produkten. Hinzu komme der finanzielle Druck. Er musste einen Kredit aufnehmen, um alle laufenden Kosten während des Lockdowns stemmen zu können. Deshalb werde er im Laufe des Jahres wahrscheinlich auch seine Preise erhöhen.

„Wir sind für unsere Kunden quasi Psychologen, aber wer hilft uns?“ - Fabian Frey, Freystil Friseure

„Und was keiner auf dem Schirm hat: Es ist auch für uns eine extreme psychische Belastung. Wir sind für unsere Kunden quasi Psychologen, aber wer hilft uns?“ Neben den finanziellen Ängsten, die er und seine Mitarbeiter haben, sei es auch sonst nicht leicht. Eine Mitarbeiterin habe beispielsweise ein enges Familienmitglied verloren. Fabian Frey will deshalb wöchentliche Besprechungen einplanen, um über all das zu sprechen und vielleicht auch einen Coach mit ins Boot holen.

„Ich arbeite zwölf Stunden am Tag und werde das auch ab dem 1. März weiterhin tun müssen, um all das Geld, das verloren gegangen ist, wieder reinzubekommen.“ - Carmen Kaul, „Haargenau“

Auch Carmen Kaul von „Haargenau“ in der Weißliliengasse hat sehr mit dem Lockdown zu kämpfen - vor allem finanziell. „Ich arbeite zwölf Stunden am Tag und werde das auch ab dem 1. März weiterhin tun müssen, um all das Geld, das verloren gegangen ist, wieder reinzubekommen“, erzählt sie. Sie will auch montags öffnen und samstags länger arbeiten, Urlaub sei in den nächsten Jahren sicher nicht drin. Denn die staatlichen Hilfen würden nur einen Teil der Betriebskosten abdecken, alles andere muss sie selbst tragen. Hätte sie keine Hilfe von ihrer Familie bekommen, hätte sie die laufenden Kosten nicht stemmen können, sagt sie - auch jetzt muss sie zum Beispiel noch Miete nachzahlen.

Bei all dem Stress und dem Unverständnis darüber, dass sie überhaupt so lange schließen musste, freut sie sich aber auch, endlich wieder loslegen zu dürfen. „Ich freue mich auf meine Kunden, die tollen Gespräche und wieder Vollgas geben zu können“, sagt sie. Ihre Preise wolle sie nicht erhöhen, auch wenn es ihr jeder geraten habe. „Ich will meine Kunden nicht für meine Situation verantwortlich machen“, sagt sie. Wie „Freystil Friseure“ kann auch sie sich kaum vor Terminanfragen retten. Aktuell ist sie schon für die ersten zwei Wochen ausgebucht.

Gut ausgebucht

Der Salon „Anne & Timo Friseure“ in der Gau- und Jakobsbergstraße ist sogar schon bis April ausgebucht. „Das Telefon klingelt seit vier Tagen durchgehend“, sagt Timo Baumgärtner, einer der Inhaber des Friseursalons. „Viele wollen natürlich sofort einen Termin und verstehen nicht, wenn keiner mehr frei ist. Wir appellieren dann aber an die Vernunft“, sagt Baumgärtner. Wie Fabian Frey von „Freystil Friseure“ wird auch er wegen der ausbleibenden Einnahmen der letzten Wochen und der erhöhten Produktkosten seine Preise um fünf bis 15 Euro erhöhen.

Von all den Problemen, die er und seine Kollegen haben, will er sich aber nicht unterkriegen lassen. „Das Ganze stellt uns vor Herausforderungen, aber es ist auch machbar“, sagt er. „Nach der ganzen Zeit ohne soziale Kontakte freue ich mich einfach, endlich wieder zu arbeiten und zu machen, was ich liebe.“

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